Der Aufschrei kam schon, bevor das Experiment voralpenländisch-rustikaler Schnitzkunst am Stadtgarten vollendet ist. Von einer Verzwergung der Stadt zu einem schändlichen Schrebergarten ist die Rede. Die Qualität abendländischer Kultur scheint von Kettensägen bedroht. Ja, Stadtgärtner Hermann Hoch würde sich bei diesem Anblick im Grabe herumdrehen.

Andere Zaungäste waren begeistert von dem Zauberwald. Hätte es eine Scheibe gegeben, sie hätten sich die Nase platt gedrückt. Doch das Urteil von Kindern und Senioren zählt nur begrenzt. Nicht alles muss jedem gefallen.

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Natürlich gibt es Qualitätskriterien für Kunst. Yasmina Reza hat das Thema mit ihrem gleichnamigen Theaterstück humorvoll beleuchtet. Wir wissen nicht, was Werner Gürtner, was Victor Mezger sagen würden, der sich mit Hermann Hoch wegen des Rosengartens für immer verkracht hatte. Ungeachtet dessen stünde ein qualifizierter Kulturbeirat der Stadt gut zu Gesicht. Sicher würde der sich die Idee eines Projekts anhören, vielleicht sogar die Absicht, die dahinter steckt.

Kunstbeflissene Überlinger warnen vor einer selbstgewählten Verzwergung ihrer Stadt.
Kunstbeflissene Überlinger warnen vor einer selbstgewählten Verzwergung ihrer Stadt. | Bild: Hanspeter Walter

Daher raten wir zu mehr Gelassenheit. Ein Gandalf kann doch kein 1249 Jahre altes Überlingen verzwergen. Und wer weiß: Vielleicht schreddert sich der ganze Zauberwald bansky-like über Nacht von selbst zu einem Häufchen Hackschnitzel und wollte lediglich die Kunstwelt provozieren.