Sicherheit geht jeden etwas an. Denn die Frage, ob etwas als "sicher" oder im Gegensatz dazu als "unsicher" gilt, betrifft fast alle Lebensbereiche. Es beginnt bereits morgens beim ersten Gang ins Bad, im Straßenverkehr, in der Schule oder auf der Arbeit, geht bis zum Surfen im Internet und den Gefahren im Sport, und endet an jedem Tag mit dem Nachhauseweg.

Jeder Mensch geht anders mit Gefahren um. Was für den einen eine mögliche Bedrohung darstellt, wird von einem anderen gar nicht wahrgenommen. Sicherheit ist vor allem auch ein Gefühl. Und wenn dieses mit so einfachen Mitteln, wie dem Aufhängen eines Plakates für einen Treffpunkt für den gemeinsamen Nachhauseweg, aufgewertet werden kann, ist es geradezu unverantwortlich, dies nicht zu tun. Die Ablehnung zudem mit bürokratischen Hürden zu begründen, ist zu einfach und zeugt von wenig Weitsicht. Spätestens seit der Debatte um „MeToo“ sollte doch allen klar sein, dass viele Frauen nicht nur Angst vor sexuellen Übergriffen haben, sondern häufiger von diesen betroffen sind, als viele denken.

Natürlich lässt sich darüber streiten, wie weit Vorsorge gehen muss. Dass etwa nach den Terroranschlägen in Nizza und auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, bei denen Attentäter mit Lastwagen in Menschenmassen rasten, bei nahezu jedem Straßenfest in Deutschland Betonpoller aufgestellt werden, um ähnliche weitere Anschläge zu verhindern, ist übertrieben. Durch die festungsähnlichen Aufbauten wird nicht zwingend ein Sicherheitsgefühl erzeugt, sondern bei vielen Menschen vielmehr die Angst vor einer möglichen Bedrohung hervorgerufen. Dies ist bei einem einfachen Plakat sicher nicht der Fall.

Die Betonpoller zeigen aber vor allem ein Problem deutlich auf: Es muss offenbar immer erst etwas passieren, bevor gehandelt wird – und dann häufig in Aktionismus. Auch Günter Hornstein, Leiter des Überlinger Polizeireviers, verweist darauf, dass es beim Überlinger Promenadenfest noch nie zu einer Anzeige wegen sexueller Belästigung auf dem Heimweg gekommen sei. Nicht vorstellbar, was passieren wird, sollte tatsächlich eine Frau auf dem Nachhauseweg nach dem Promenadenfest zu Schaden kommen. Wer übernimmt dann die Verantwortung? Bedeutend einfacher wäre es, jetzt Verantwortung zu übernehmen, und das Plakat für einen Frauentreffpunkt zu genehmigen.

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