Was macht einen Ortskern lebendig? Welche Rolle spielt dabei der Einzelhandel und was passiert, wenn die Geschäfte aus dem Dorf verschwinden? Mit diesem Thema befasst sich eine Bürgerbefragung des Netzwerks „Sipplinge – mach noche“, die am 25. Mai startet und bis 4. Juni andauert. Damit reagiert das Netzwerk darauf, dass in dem 2100-Einwohner-Dorf immer mehr Geschäften und soziale Angebote verschwinden.

„Ich möchte herausfinden, welche Ansprüche die Sipplinger Bürgerschaft an die künftige Einzelhandelsstruktur in ihrem Wohnort hat“, beschreibt Sina Köstler das Ziel der Befragung. Sie studiert an der Hochschule Rottenburg im Studiengang Nachhaltiges Regionalmanagement und setzt im Rahmen ihrer Bachelorarbeit bei der Hochschule Rottenburg einen Auftrag des Netzwerks um.

Sorge, dass sich Sipplingen zum Schlafdorf entwickelt

Das Netzwerk „Sipplinge – mach noche“ fürchtet, dass sich der Ort zu einem Schlafdorf entwickelt. Rund 50 Bürger fanden sich auf Initiative der Touristikerinnen Sabine Kau und Esther Biller Anfang 2022 in Online-Konferenzen zusammen. Gemeinsam wollte man beraten, wie die Entwicklung aufzuhalten oder gar umzukehren ist, dass immer mehr Geschäfte des Einzelhandels, aber auch kulturelle Angebote und Treffpunkte aus dem Dorf und Dorfleben verschwinden.

Schließlich gründeten sich die drei Arbeitsgruppen Markthalle, Bürgerbahnhof und Dorfplatz sowie Martini, die sich jüngst beim Bürgerdialog in der Turn- und Festhalle vorstellten. Während die Arbeitsgruppe Martini das früher größte Dorffest Sipplingens wieder zum Leben erwecken will, möchte sich die Arbeitsgruppe Bürgerbahnhof und Dorfplatz um eine vielfältige Nutzung der beiden zentralen Orte für soziale Begegnungen bemühen. Die Gruppe Markthalle hofft, dass das leer stehende Autohaus Thiel zu einer Markhalle umgebaut werden kann und ist darüber mit dem Eigentümer in Gesprächen. In den Räumen an der Seestraße sollen Verkaufsflächen eingerichtet und zusätzlich gastronomische Angeboten gemacht werden. Sabine Kau erklärt: „Das Projekt soll perspektivisch die lokalen Nahversorgungsstrukturen ergänzen und das Miteinander in der Sipplinger Dorfgemeinschaft fördern.“

Welche Ansprüche haben die Sipplinger an den Einzelhandel?

Durch den Fragebogen will die Arbeitsgruppe Markthalle des Netzwerks ermitteln, welche Ansprüche die Sipplinger an die künftige Einzelhandelsstruktur ihres Wohnortes haben. So fragt Sina Köstler unter anderem, wo die Befragten hauptsächlich einkaufen, welche Rolle die Wohnortnähe des Geschäftes beim Einkauf spielt, wie oft und welche Artikel vorrangig in der Woche eingekauft werden und welche Rolle die Qualität des Angebotes für die Befragten spielt.

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Der Fragebogen schließt mit einer Anzahl von Angaben zur Person und zum Haushalt ab, in dem die Befragten leben. Die Ergebnisse der Befragung will die Arbeitsgruppe Markthalle zu einem noch nicht feststehenden Termin Ende Juli oder Anfang August den Sipplingern präsentieren. Bis dahin, so hofft Sabine Kau, liegen auch die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) vor, die derzeit läuft.

Hier sind die Fragebogen erhältlich

Die Fragebögen werden ab dem 25. Mai an alle Haushalte in Sipplingen verteilt. Sie können entweder schriftlich oder online ausgefüllt werden. Für den Online-Fragebogen gibt es für jeden einzelnen Haushalt einen individuellen Zugangscode. Damit wird sichergestellt, dass jeder Haushalt nur ein Mal an der Befragung teilnehmen kann. Die Anonymität der Befragung bleibe dennoch gewahrt, versichern die Organisatoren. Die schriftlich ausgefüllten Fragebögen können an vier Orten (Metzgerei, Tourist-Info, Landmarkt und Pizzeria am Dorfplatz) in Sammelboxen eingeworfen werden. Teilnahmeschluss ist am 4. Juni 2022.