Petra Galluhn , 63 Jahre alt, weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, eine Hospizbegleitung zu haben. In der schweren Krankheitsphase und schließlich in der Sterbephase ihres Mannes habe ihre damalige Begleiterin ihr sehr geholfen. Sie habe zugehört und sie in den Arm genommen. „Der Tod verliert so seinen Schrecken“, ist sie überzeugt. Zu dem Zeitpunkt habe sie sich entschieden, etwas wiederzugeben von dem, was sie bekommen habe, erklärt Galluhn ihre Beweggründe.

Petra Galluhn möchte das Thema Ehrenamt nach Lockdownzeiten wieder mehr in den Mittelpunkt rücken.
Petra Galluhn möchte das Thema Ehrenamt nach Lockdownzeiten wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. | Bild: Martina Wolters

Die Ausbildungswochenenden in der Corona-Zeit zu absolvieren, hat die 63-Jährige zunächst schwierig gefunden. Bis auf ein Wochenende in Präsenz hätten alle anderen Zeiten online via Zoom stattgefunden. „Keiner kannte den anderen“, erzählt Galluhn. Und zum Präsenztermin hätten alle Maske tragen müssen. Dass es die Gruppe trotzdem geschafft hat, die teils sehr persönlichen Inhalte miteinander zu besprechen, bewertet die Teilnehmerin als bemerkenswert.

Für sie, die sie 40 Jahre in der Finanzbranche tätig war, lag ein großes Lernmoment darin, „mehr Emotionen zu zeigen“, wie sie sagt. Die sachlichen Lerninhalte von Demenz bis Bestattungsarbeit hätten ihr das richtige Werkzeug an die Hand gegeben für ihre künftigen Einsätze.

Hospizarbeit im Elternhaus kennengelernt

Rita Scheuing kommt selbst aus dem Gesundheitswesen. „Ich möchte die Hospizarbeit fortführen, wie ich sie aus dem Elternhaus kennengelernt habe“, sagt sie über ihre Triebfeder, Menschen auf ihrem schwersten Weg des Lebens liebevoll zu begleiten. Eltern und Großeltern seien jeweils von der Familie mithilfe von Hospizbetreuern begleitet worden. Ausdrücklich gefallen hat ihr die Erkenntnis, was sich in den vergangenen 25 Jahren im Bereich der Hospiztätigkeit getan hat. “Es ist toll, was heute alles möglich ist“, sagt Scheuing. Als Beispiel nennt sie das gesamte Palliativteam inklusive Arzt und Seelsorger. Da werde weitaus mehr geleistet als nur Pflege.

Rita Scheuing findet es wichtig, zu kommunizieren, dass die Hospizbegleiter auch in Coronazeiten Menschen betreuen.
Rita Scheuing findet es wichtig, zu kommunizieren, dass die Hospizbegleiter auch in Coronazeiten Menschen betreuen. | Bild: Martina Wolters

Was ihr aus der Ausbildungszeit am meisten präsent ist, sind die psychologischen Themen. Einmal hätten sie die Aufgabe gehabt, aufzuzeichnen, wie sie selber sterben möchten. „Ich will im Meer begraben werden, so habe ich es aufgemalt“, erzählt Scheuing. Ihr eigenes Abbild tot in einem Bett am Meer vor den ihr fremden, anderen Teilnehmern zu zeigen, sei bewegend gewesen. Nach den Voraussetzungen für die Eignung eines Hospizbegleiters gefragt, antwortet Scheuing spontan: „Es braucht keinerlei Vorkenntnisse außer der, offen auf andere Menschen zuzugehen“, ist sie sicher.

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Martina Scherer sagt, es sei ihr schon immer ein Anliegen gewesen, etwas Ehrenamtliches zu tun, wenn ihr Kind erwachsen ist. Als sie innerhalb kürzester Zeit drei ihr liebe Menschen verloren habe, habe sie sich intensiv mit Tod und Sterben auseinandergesetzt. Dass ihre Schwiegermutter habe ganz alleine sterben müssen, sei ihr sehr nah gegangen und habe sie bewogen, selbst als Begleiterin tätig zu werden. „Es ist gut zu wissen, dass es ein Netzwerk gibt auch außerhalb der Familie, das einem zur Seite steht – auch in schwierigen Zeiten“, findet Scherer.

Martina Scherer findet, für die Hospizhelfertätigkeit brauche es vor allem Offenheit.
Martina Scherer findet, für die Hospizhelfertätigkeit brauche es vor allem Offenheit. | Bild: Martina Wolters

Die Ausbildungsinhalte haben der Hausfrau und Mutter sehr zugesagt. Insbesondere die Vorträge zu den Themen Palliativmedizin, Vorsorgevollmacht, Trauerarbeit und dem Umgang verschiedener Religionen mit Tod und Sterben hätten ihr für die eigene Persönlichkeit viel gebracht. „Wie will ich idealerweise begleitet werden“, habe sie sich selbst gefragt. „Mir gibt es ein gutes Empfinden, auch in dem Bereich einen roten Faden zu haben“, sagt die 54-Jährige. Eine erste Hospizbegleitung hat sie schon begonnen und empfindet sie als Bereicherung. „Ich schenke Zeit, und das wird sehr, sehr dankbar aufgenommen“, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke der Begleitung.

Über persönliche Erfahrung zum Ehrenamt

Birgitt Engel ist über den Tod ihrer allerbesten Freundin zur Hospizarbeit gekommen. Sie habe die Krebskranke mit begleitet auf ihrem letzten Weg. Danach sei es ihr wichtig gewesen, weiter mitzuhelfen, Kranke und Sterbende zu begleiten. Trotz des Online-Unterrichts in Lockdownzeiten hat sie die psychologisch-medizinischen Themen sehr eindrücklich gefunden. Insbesondere das vorgestellte „Demenz-Balance-Modell“ habe sie beeindruckt. „Es war beängstigend zu erfahren, was demente Personen fühlen, wenn nichts mehr da ist, woran sie sich erinnern“, sagt Engel.

Birgitt Engel lobt sowohl den Fachunterricht als auch die Supervision in der Ausbildung zur Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und deren Angehörigen.
Birgitt Engel lobt sowohl den Fachunterricht als auch die Supervision in der Ausbildung zur Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und deren Angehörigen. | Bild: Martina Wolters

Wichtig war es ihr ebenso, sich in der Supervision „mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen“, wie die Verwaltungsangestellte im Landratsamt erklärt. Aus der Begleitung ihrer Freundin weiß Engel: „Es ist unglaublich friedlich und still, wenn man sich einlässt auf den anderen.“ Zu schauen, was dem Kranken gut tut, was er braucht, habe einen ganz hohen Stellenwert in der Sterbebegleitung und sei auch erfüllend für den Begleiter selbst, unterstreicht Engel.

Hospizgruppe Salem hilft ortsübergreifend

Die Hospizbegleitein Katharina Goldmann hat die Wochenmärkte genutzt, um auf das 25. Jubiläum der Hospizgruppe Salem aufmerksam zu machen.
Die Hospizbegleitein Katharina Goldmann hat die Wochenmärkte genutzt, um auf das 25. Jubiläum der Hospizgruppe Salem aufmerksam zu machen. | Bild: Hospizgruppe Salem

Die neue Koordinatorin Cornelia Haag ist gelernte Kinderkrankenschwester und hat von Berufswegen schon früh mit Tod und Sterben zu tun gehabt. Es sei entscheidend, dass der Tod und das Sterben wie die Geburt eines Menschen einfach dazugehören, findet Haag. Aus Erfahrung weiß die Krankenschwester, dass gerade die kleinen Dinge entscheidend sein können, wie beispielsweise das Zeit haben füreinander und zu schauen, was der Kranke braucht.

Cornelia Hagg ist die neue Koordinatorin und Einsatzleiterin der Hospizgruppe Salem.
Cornelia Hagg ist die neue Koordinatorin und Einsatzleiterin der Hospizgruppe Salem. | Bild: Martina Wolters

Als Einsatzleiterin ist Haag dafür zuständig, für die Betroffenen den jeweils passenden Hospizbegleiter zu finden. Weil es vielen Schwerkranken wichtig sei, aus ihrem Leben zu erzählen, könnten Hobbys oder Berufe der Begleiter gute Anknüpfungspunkte für Gespräche sein. Auch die Konfession spiele eine Rolle. Oder die Fähigkeit, gut nonverbal kommunizieren zu können über Berührung, Musik oder Düfte.

Ganz schwierige Begleitungen seien die, bei denen von der Krankenseite verbal nichts mehr zurückkomme. „Da muss ich schauen, dass von den Ehrenamtlichen niemand überfordert wird“, erklärt Haag. Um die insgesamt 45 ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter besser kennenzulernen, will die neue Einsatzleitung zunächst mit jedem einzeln sprechen und an den Gruppenabenden teilnehmen.

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