An der Schule Schloss Salem geht eine Ära zu Ende. Christian Niederhofer verlässt das Internat, dessen Geschicke er nahezu 23 Jahre lang als Geschäftsführer und Mitglied des dreiköpfigen Vorstandes mitbestimmt und mitgeprägt hat. Der 58-Jährige möchte sich für seine letzten Berufsjahre noch einmal eine neue Herausforderung suchen.

Am liebsten, so sagt er, wieder in einer gemeinnützigen Einrichtung. Im November vergangenen Jahres hat er dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass er die Schule verlassen möchte. Der Bitte dieses Gremiums, bis zum Ende dieses Schuljahres zu bleiben, um einen Nachfolger einzuarbeiten, sei er gerne nachgekommen, erklärt der Volljurist.

Niederhofer war selbst Internatsschüler

Christian Niederhofer war selbst Internatsschüler. Er besuchte das evangelische Internat in Gaienhofen am Untersee. Er hatte also einen persönlichen Bezug zum Internatsleben. Das war mit ausschlaggebend, dass er sich 1997 bei der Schlossschule beworben hat. Aber auch die Vielfältigkeit des Aufgabenfeldes habe ihn gereizt. Dieses war in der Tat breitgefächert. 2006 wurde Christian Niederhofer sogar für eineinhalb Jahre als Interimsleiter der Oberstufe eingesetzt. „Der tägliche Umgang mit den Jugendlichen war eine sehr schöne Erfahrung“, sagt er rückblickend.

Gleich nach seinem Amtsantritt im Jahr 1997 ging es für den neuen Wirtschaftsleiter in die Vollen. In Salem, dem Stammsitz der Schlossschule, standen diverse Umbau- und Sanierungsmaßnahmen an. „Wir hatten damals einen hohen Investitionsstau, weil wir nicht gewusst haben, ob wir in Salem bleiben können“, verweist Niederhofer auf die Streitigkeiten mit Max Markgraf von Baden, der der Schule das Nutzungsrecht gekündigt hatte. Nach einer Einigung mussten die aufgelaufenen Investitionen aufgeholt werden.

Salem College eine der großen Aufgaben

Es war aber nicht nur der Investitionsstau in Salem, den Christian Niederhofer in seinen Anfangsjahren aufzuarbeiten hatte. Gleichzeitig galt es auch, das Salem College in Überlingen zu bauen. Dieses Projekt wurde damals in Angriff genommen, weil die Schule aufgrund der Kündigung durch den Markgrafen bis zur Klärung eines Rechtsstreits im Ungewissen schwebte, ob sie in Salem bleiben kann. Im Oktober 2000 konnte das Salem College eingeweiht werden. Dieses Projekt kostete 36 Millionen Euro. 15 Millionen Euro konnten durch Spenden akquiriert werden.

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Besonders als Jurist gefragt war Christian Niederhofer im Frühjahr 2010, als es um die Vertragsauflösung mit der erst wenige Wochen zuvor berufenen Gesamtschulleiterin Monika Zeyer-Müller ging. Um juristische Fragen ging es auch, als das Haus Baden im April 2009 Schloss Salem an das Land Baden-Württemberg veräußerte und die Schlossschule damit einen neuen Vermieter ihrer Räumlichkeiten erhielt.

Flugzeugunglück war eine Belastung

In seiner Rückschau erwähnt Christian Niederhofer auch ein äußerst schreckliches Ereignis, als am 1. Juli 2002 um 23.35 Uhr in unmittelbarer Nähe von Schloss Spetzgart, der Oberstufendependance der Schlossschule, eine kanadische Fracht- und eine baschkirische Verkehrsmaschine zusammenstießen. Nach dieser Flugzeugkatastrophe mussten die sogenannten Dienste der Schule – Feuerwehr und Rotes Kreuz – bei der Bergung der 71 Toten mithelfen. „Für uns und unsere Schüler eine belastende Herausforderung“, erinnert sich Niederhofer.

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Die zurückliegenden sieben Jahre war Niederhofer, der berufsbegleitend auch den Bachelor in Betriebswirtschaft abgelegt hat, vor allem mit seinen Kompetenzen als Wirtschaftsleiter gefordert. In diesen sieben Jahren setzte die Schlossschule an ihrem Stammsitz in Salem ein 22 Millionen Euro schweres Investitionspaket um. Dazu gehörten diverse Sanierungen, Umbauten und ein Neubau. Aber auch die Zusammenführung der bis dahin auf Burg Hohenfels beheimateten Unterstufe mit der Mittelstufe in Schloss Salem zählte dazu.

„Das waren sehr arbeitsreiche, aber auch sehr interessante Jahre gewesen“, sagt Niederhofer mit einem Unterton der Zufriedenheit und fügt hinzu: „Die Schule ist auf einem sehr guten Weg.“ Insofern fällt es ihm auch leichter, die Schule zu verlassen, um persönlich neue Wege einzuschlagen. Wohin es ihn verschlägt, weiß er noch nicht. Die Corona-Zeit mache es nicht einfach, eine neue Aufgabe zu finden, die er interessant finde und die ihn erfülle.

„Die Schule ist auf einem sehr guten Weg.“
Christian Niederhofer

Fast sicher ist er sich aber, dass er nicht weiter „in dieser schönen Region“ wird bleiben können, in der er viele persönliche Wurzeln geschlagen hat. Über viele Jahre hinweg spielte er beim Hödinger Dorftheater mit. Er hofft nun, dass er bis Weihnachten noch seinen Lebensmittelpunkt hier behalten können wird, um bei der nächsten Aufführung des Hödinger Dorftheaters noch mitspielen zu können.

Außer im Dorftheater ist Niederhofer auch im englischsprachigen Theaterensemble „Bodensee Player“ in Friedrichshafen aktiv. Und vielen Menschen ist der Jurist auch als Prädikant, also als Laienprediger in der evangelischen Kirche, bekannt. In allen diesen Hobbyaktivitäten war er, wie aus seinen Schilderungen herauszuhören ist, mit ebenso viel Herzblut dabei wie in seiner Brotfunktion als Geschäftsführer und Wirtschaftsleiter der Schule Schloss Salem.

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