Sinnvolle Weiterentwicklung oder übertriebener Flächenverbrauch? Diese Frage stellen sich die Salemer Bürger beim Blick in das Gewerbegebiet Neufrach-Ost, wo derzeit eine Fläche von weiteren vier Hektar erschlossen wird. Landwirtschaftliche Flächen werden zu Gewerbeflächen umgenutzt. Konfliktpotenzial ergibt sich auch aus dem Vorschlag, die verfügbaren Flächen im Gewerbegebiet in Richtung Buggensegel um weitere 27,9 Hektar zu erweitern. Dies sieht die Fortschreibung des Regionalplans vor. Im Mai soll dieser Plan ausgelegt werden.

Hoher Anspruch an Landwirtschaft, ökologischer zu wirtschaften

Hubert Einholz, Vorsitzender des BLHV-Ortsverbandes Salem/Uhldingen-Mühlhofen fragt in einer Stellungnahme zum Flächenverbrauch im Gewerbegebiet: "Welchen Stellenwert hat die regionale Landwirtschaft?" Die durchschnittliche Betriebsgröße eines landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebes in Baden-Württemberg liege bei 33,5 Hektar. "Wird berücksichtigt, dass nur noch wenige Haupterwerbsbetriebe überhaupt existieren und dass der Flächenverlust durch die Erweiterung des Gewerbegebietes nicht der einzige in den vergangenen Jahren war, kann man sich vorstellen, wie bedrohlich der Mangel an landwirtschaftlicher Fläche mittlerweile für uns Landwirte geworden ist", sagt Einholz. Der Anspruch der Gesellschaft an die Landwirtschaft, immer ökologischer zu wirtschaften, lasse sich nicht mit immer weniger Flächen verwirklichen. "Im Gegenteil: Weidehaltung, extensive Bewirtschaftung und ökologische Maßnahmen wie zum Beispiel Ackerblühstreifen und Gewässerrandstreifen benötigen mehr Fläche", erklärt der BLHV-Vorsitzende.

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Der Gemeinde stehen insgesamt zehn Hektar aus einem Ankauf im Jahr 2016 zur Verfügung. Vier werden aktuell erschlossen. Die sechs weiteren liegen nach Angaben von Einholz und dem Aktionsbündnis Grünzug in einer Schutzfläche, einem sogenannten Grünzug. "Die Erweiterung V des Gewerbegebietes wird innerhalb dieses Grünzugs liegen. Aus diesem Grund soll er in der Fortschreibung des Regionalplans an dieser Stelle aufgehoben werden", schreibt Einholz. Das Gebiet zwischen Neufrach, Buggensegel und Mimmenhausen sei ein positives Beispiel dafür, wie Landwirtschaft Kulturlandschaft und somit auch Naherholungsgebiete formen könne. Nach Angaben des Landwirts handelt es sich zudem um Böden mit teils hoher Bodenpunktzahl, die unter anderem hinsichtlich Humusgehalt und Wasserverfügbarkeit aussagekräftig sein kann.

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An diesem Punkt setzt Arnim Eglauer, Salemer Bürger und SPD-Gemeinderat, an. In einer Stellungnahme zum SÜDKURIER-Bericht "Sie wollen Flächen erhalten", in dem das Aktionsbündnis Grünzug vorgestellt wurde, schreibt er: "Fast könnte man darauf hereinfallen zu glauben, das Aktionsbündnis würde eine ökologisch wertvolle Fläche verteidigen." Tatsächlich gehe es um intensiv landwirtschaftlich genutzte Fläche, "schädlings- und unkrautfrei gespritzt und auf maximalen Ertrag gedüngt". Und weiter: "Diese Nutzung ist nicht zu verurteilen, aber ökologisch sind diese Monokulturen mit ihren Begleiterscheinungen eine reine Katastrophe."

Einem landwirtschaftlichen Betrieb nutzen oder Dutzend anderer Gewerbe

Und da gelte es für einen guten Gemeinderat abzuwägen, "ob solche Flächen einem einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb nützen sollen oder einem Dutzend anderer Gewerbe und ihren Arbeitsplätzen". Ein Beispiel hierfür kann die Firma Innosystec sein, die sich auf der jetzigen Erweiterungsfläche als erste ein 7200 Quadratmeter großes Grundstück gesichert hat. Das Unternehmen, das bisher sein Domizil im Gewerbepark Salem hat, ist auf dem Gebiet Softwareentwicklung tätig und möchte nun Platz für bis zu 150 Mitarbeiter schaffen. Beim Spatenstich zur Vier-Hektar-Erweiterung Anfang Februar erklärte Bürgermeister Manfred Härle: Bis auf ganz wenige Ausnahmen seien die Unternehmen, die sich im Neufracher Gewerbegebiet niedergelassen haben, schon vorher in Salem ansässig gewesen und hätten sich vergrößert. Zu finden ist auch die Deutsche Post mit ihrem neuen Paket- und Sortierzentrum. Nach der Erschließung wird das Gewerbegebiet über 37 Hektar umfassen. Gerungen wird nun darum, wie es, vor allem in Hinblick auf den neuen Regionalplan, weitergehen soll.

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