Die landesweite Eröffnung des Tages des offenen Denkmals findet dieses Jahr in Meersburg statt, dessen Altstadt 1954 als erstes Gesamtensemble in Baden-Württemberg unter Denkmalschutz gestellt wurde. In der Nacht des offenen Denkmals am Samstag, 11. September, haben in der Kleinstadt am Bodensee ab 18 Uhr 30 Denkmale geöffnet und die Besucher erwartet ein Programm mit 170 Angeboten. Der Tag des offenen Denkmals steht 2021 deutschlandweit unter dem Motto „Sein und Schein“.

Mit der historischen Fähre nach Überlingen

Zu den Höhepunkten der Meersburger Denkmalnacht dürfte eine Fahrt mit der historischen Autofähre von 1928 gehören, die um 22 Uhr nach Überlingen aufbricht und rund 100 Personen befördern kann. Spannung versprechen vor allem Einblicke in Gebäude, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Darunter sind auch etliche private Sanierungsobjekte wie die Schlossmühle, die Schloss-Schenke, das ehemalige Haus der St.-Sebastians-Bruderschaft von 1584 oder die einstige Lakaiensiedlung aus dem Barock.

Ein besonderes Denkmal ist die historische Autofähre „Konstanz“, die 1928 als erste Autofähre auf einem europäischen Binnensee zwischen Konstanz und Meersburg ihren Betrieb aufnahm. Während der Denkmalnacht kann man auf ihr nach Überlingen fahren.
Ein besonderes Denkmal ist die historische Autofähre „Konstanz“, die 1928 als erste Autofähre auf einem europäischen Binnensee zwischen Konstanz und Meersburg ihren Betrieb aufnahm. Während der Denkmalnacht kann man auf ihr nach Überlingen fahren. | Bild: Stadt Meersburg

Außerdem gibt es viele weitere Themenführungen, darunter auch ein „Gang über den Meersburger Friedhof“, auf dem Berühmtheiten wie die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und der Magnetiseur Franz Anton Mesmer ihre letzte Ruhestätte fanden. Im Fürstenhäusle, das einst der Droste gehörte, stellt der Theatermann Bernhard Stengele zehn Lyrikerinnen vor. Zahlreiche weitere Attraktionen runden das Programm ab. Dazu zählen etwa Weinproben, Bootsfahrten, ein Kinderprogramm, die Großpuppenspieler „Dundu“ mit ihren „Lichtgestalten“ sowie ein Konzert mit der Gruppe „Ghostriders“ auf dem Schlossplatz.

Im „Fürstenhäusle“ der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff finden Führungen und Rezitationen statt.
Im „Fürstenhäusle“ der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff finden Führungen und Rezitationen statt. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Eröffnung der Denkmalnacht auf Schlossplatz

Zur Eröffnung der Denkmalnacht um 17 Uhr auf dem Schlossplatz kommt auch Nicole Razavi, baden-württembergische Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen. Im Anschluss findet eine Gesprächsrunde mit Experten statt, die die Gesamtanlage Meersburg vorstellen und dabei die „praktische Umsetzung verantwortlicher Stadtentwicklung“ diskutieren wollen. Die Moderation übernimmt SÜDKURIER-Kulturchef Johannes Bruggaier.

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Mit Meersburg eine besondere Stadt gewählt

Bei der Vorstellung der Denkmalnacht am Montag im Meersburger Vineum betonte Razavis Staatssekretärin Andrea Lindlohr, mit Meersburg habe das Ministerium eine ganz besondere Stadt gewählt, die überreich an Denkmalen und Schätzen sei und eine besondere Bedeutung für den Denkmalschutz in Baden-Württemberg habe.

Denn: „Hier ist greifbar, was ein großes kommunales wie privates Engagement mit Unterstützung des Landes für eine lebendige Denkmalkultur erreichen kann.“ Besonders wichtig sei das Thema „Wohnen im Denkmal“. Denn es gehe hierbei gleich um zwei Dinge: bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen und Denkmale zu erhalten.

Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer nahm diesen Ball auf und unterstrich: „Wir müssen versuchen, die Objekte wiederzubeleben und wollen nicht irgendwann eine Puppenstube sein.“ Meersburg sei dankbar und stolz, dass das Land die Stadt für die zentrale Eröffnungsveranstaltung ausgesucht habe – vor allem angesichts dessen, dass Letztere in den Jahren davor in den wesentlich größeren Städten Karlsruhe, Freiburg und Ulm stattgefunden habe.

„Wir müssen versuchen, die Objekte wiederzubeleben und wollen nicht irgendwann eine Puppenstube sein.“
Robert Scherer, Bürgermeister

Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, bekräftigte, Meersburg sei auch deshalb als Gastgeberin ideal, weil die Stadt „ein herausragendes Beispiel einer städtischen denkmalgeschützten Gesamtanlage in Baden-Württemberg“ sei. Deshalb habe sie einst auch als erste von mittlerweile 116 Gesamtanlagen in Baden-Württemberg dieses Prädikat erhalten. Wolf rekapitulierte kurz die Geschichte des Tages des offenen Denkmals, der erstmals 1984 in Frankreich begangen worden sei, bevor ihn 1991 der Europarat für ganz Europa implementiert habe. In Deutschland fand seine Premiere 1993 statt.

Die barocke Seminarkapelle gehört heute zum Droste-Hülshoff-Gymnasium und wird in der Denkmalnacht von Schülern erklärt.
Die barocke Seminarkapelle gehört heute zum Droste-Hülshoff-Gymnasium und wird in der Denkmalnacht von Schülern erklärt. | Bild: Stadt Meersburg

Die Nacht des offenen Denkmals sei hingegen erst einige Jahre alt. Sie biete auch Einheimischen die Möglichkeit, „ihre Stadt mal ganz anders kennenzulernen“. Wolf wies auf den anwesenden Zimmermeister und Restaurator Sebastian Schmäh, dessen Meersburger Holzbau-Firma bereits etliche renommierte Denkmalpreise errungen hat, und betonte, Schmäh sei, neben der Stadt selbst, „einer der Motoren, die mich überzeugten“, die Veranstaltung in Meersburg abzuhalten.

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Schmäh beteiligt sich an der Denkmalnacht mit einer „Zeitreise: Fachwerk und Ensembleschutz“. Für die Zusammenstellung des umfangreichen Programms dankte Bürgermeister Scherer der städtischen Kulturchefin Christine Johner und Linda Prier vom Landesamt für Denkmalpflege, die ein halbes Jahr daran gearbeitet hatten.

Tag des offenen Denkmals am Sonntag

Auch am eigentlichen Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, gibt es Führungen:

  • „Schein und Sein – Perspektivwechsel in der Meersburger Oberstadt“: Unter diesem Titel leitet der Ortskundige Peter Schmidt eine Tour, bei der er der Frage nachspüren will, was hinter den eindrucksvollen Prachtbauten und verborgenen Schönheiten liegt, die Meersburg auszeichnen. Jeweils um 15 und um 17 Uhr, Treffpunkt: Marktplatz. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist aber erforderlich bis 10. September, 12 Uhr, unter Telefon 0 75 32/44 02 61 oder per E-Mail an: kulturamt@meersburg.de
  • „Zeugnisse des historischen Fremdenverkehrs“: Jörg Widmaier vom Landesamt für Denkmalpflege stellt bei seiner rund 45-minütigen Führung durch die Altstadt historische Gasthäuser und Ziele des historischen Tourismus vor. Beginn 11 Uhr, Treffpunkt: Bismarckplatz (Unterstadt), Kontakt: Telefon 0 70 71/7 57 24 51, E-Mail: joerg.widmaier@rps.bwl.de
  • Das Programm für den kompletten Bodenseekreis findet sich im Internet unter www.bodenseekreis.de/bildung-kultur/kultur/kreisarchiv/tag-des-offenen-denkmalsr/angebote-und-veranstaltungen-2021/. Geboten werden Präsenz- und Onlineveranstaltungen, es gelten teils Anmeldefristen.