Die 19 neuen Studierenden der Kunstschule bekamen beim Begrüßungsempfang gleich einen Vorgeschmack auf künstlerische Kreativität. Mitten in der Begrüßungsrede des Bürgermeisters stand Dozent Davor Ljubcic auf und goss sich eine Flasche Wasser über den Kopf. „Ist das Kunst?“, fragte der Konstanzer Kunstpreisträger auch später in seiner persönlichen Vorstellung, als er eine Banane an die Wand hielt und er klärte sogleich auf, dass eine mit Panzertape an die Wand geklebte Banane tatsächlich als Kunstwerk für 120 000 Dollar verkauft wurde.

Eine an die Wand geklebte Banane wurde für 120 000 Dollar verkauft, erzählt Dozent Davor Ljubcic.
Eine an die Wand geklebte Banane wurde für 120 000 Dollar verkauft, erzählt Dozent Davor Ljubcic. | Bild: Lorna Komm

Weniger spektakulär verlief hingegen die Vorstellung der weiteren Kunstlehrer, die die Studenten unter anderen in den Fächern Fotografie, Aktzeichnen oder Kunstgeschichte unterrichten werden. „Hier wartet ein harter Arbeitsalltag mit 40 Wochenstunden auf euch“, begrüßte Leiterin Christa „Kicki“ Bartsch die neuen „Mitglieder der Vorstudiumsfamilie.“ Ziel des einjährigen Vorstudiums ist es eine aussagekräftige Bewerbungsmappe für die Akademien und Kunsthochschulen zu erstellen. Es ist der 26. Jahrgang des Vorstudiums, der Jubiläumsjahrgang verabschiedete sich Corona-bedingt nur in kleinem Rahmen. Mit dem 25. Jahrgang wurde ebenfalls der 600. Absolvent verabschiedet.

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Nachfrage ist ungebrochen

„Eigentlich hat sich in den 25 Jahren Vorstudium gar nicht viel verändert“, gibt Bartsch auf Nachfrage einen kleinen Rückblick. Die Stundenpläne seien gleich, viele Dozenten unterrichteten schon seit Jahren und auch die Nachfrage nach Studienplätzen sei ungebrochen. „Meersburg ist eine der ältesten Kunstschulen, doch nur wenige bieten ein Vorstudium in dieser Form“, meinte Bartsch, die die Schule bereits seit über 32 Jahren leitet. „Einzig das letzte Jahr mit digitalem Unterricht auf Videoplattformen hat für die Zeit des Lockdowns große Veränderungen mit sich gebracht“, erklärt die Leiterin.

Mit Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung folgen die 19 neuen Studierenden des Vorstudiums Gestaltung der Kunstschule Bodenseekreis den Begrüßungsreden.
Mit Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung folgen die 19 neuen Studierenden des Vorstudiums Gestaltung der Kunstschule Bodenseekreis den Begrüßungsreden. | Bild: Lorna Komm

Erstmals in diesem Jahr wurde im Rahmen eines Stipendienprogramms ein Stipendium vergeben. Der Schulträger ist der Bodenseekreis und so hat Landrat Lothar Wölfle die Stiftung „Soku – Stiftung für Soziales und Kultur im Bodenseekreis“ zu seinem 60. Geburtstag ins Leben gerufen. Ava Hösl von der Insel Reichenau wurde von der fünfköpfigen Jury bestehend aus Heike Frommer (Kulturamt Bodenseekreis), Bildhauer Hubert Kaltenmark, den Dozenten Davor Ljubcic und Felicia Glidden sowie Kicki Bartsch dafür ausgewählt. „Es waren nur Nuancen, die Ava von den anderen abhob“, beschreibt Bartsch die insgesamt sehr hohe Qualität der diesjährigen Bewerbungen. Überzeugt habe Hösl mit der Vielfalt ihrer eingereichten Arbeitsproben, mit einem umfänglichen Skizzenbuch sowie mit einem Fotobuch mit den grafischen Aspekten. „Ava hat viel ausprobiert und sehr offen und experimentell gearbeitet“, fasste Bartsch zusammen. Hösl hat sich zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Susan für das Vorstudium beworben.

Ava Hösl, Insel Reichenau: „Ich war total überrascht, das Stipendium für die Vielfalt meiner Leistung zu bekommen.“
Ava Hösl, Insel Reichenau: „Ich war total überrascht, das Stipendium für die Vielfalt meiner Leistung zu bekommen.“ | Bild: Lorna Komm

„Ich war total überrascht, das Stipendium für die Vielfalt meiner Leistung zu bekommen“, sagte Ava Hösl. Schon als Kind habe sie angefangen zu malen und die Kunst liege in der Familie, der Onkel sei Kunstlehrer und auch die Urgroßeltern wären schon Künstler gewesen. „Mein Ziel ist es, mehr zu lernen, eine gute Bewerbungsmappe zu erstellen um dann in Hamburg Illustration zu studieren“, beschreibt die junge Frau ihre Ziele.

Den Bodensee vermisst

Während die meisten ihrer Mitstudenten wie sie aus der Region stammen, sticht die Heimatadresse von Tim Dörfler heraus. „Lake Forest, USA“ steht bei ihm. Dörfler erzählt auf Nachfrage, dass seine Eltern vor gut sechs Jahren aus beruflichen Gründen von Konstanz nach Amerika gezogen seien. Ihn habe es nun zurück nach Deutschland gezogen. „Ich hätte auch in den USA studieren können, aber ich habe den Bodensee vermisst“, sagte der 18-Jährige. Zudem seien die Studiengebühren in Amerika sehr hoch.

Tim Dörfler, Lake Forest, USA: „Ich hätte auch in den USA studieren können, aber ich habe den Bodensee vermisst.“
Tim Dörfler, Lake Forest, USA: „Ich hätte auch in den USA studieren können, aber ich habe den Bodensee vermisst.“ | Bild: Lorna Komm

Als einziger Meersburger hat sich Arjun Pop für das Vorstudium angemeldet. Er wollte bereits dieses Jahr mit einem Design-Studium beginnen, doch das klappte nicht. „Ich wusste nicht, wie die Erwartungen sind bei der Bewerbung“, sagte er und freut sich nun darauf bei Erstellung der Bewerbungsmappe professionell begleitet zu werden.

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