Im Namen des Bodenseekreises begrüßte Thomas Hilbert, Leiter des Amtes für Schule und Bildung am Landratsamt, die 14 neuen Studenten in der Kunstschule in Meersburg. Es handelt sich um den 27. Jahrgang. Das Landratsamt ist Träger der Kunstschule und so brachte Hilbert auch Grüße von Landrat Lothar Wölfle mit.

Im Vorstudium Gestaltung werden die jungen Menschen auf das Studium an den Kunstakademien vorbereitet. Konstantin Klaus ist einer der Studenten und freut sich auf die neuen Erfahrungen, die er machen wird. Er habe sich gezielt bei der Meersburger Kunstschule für das Vorstudium beworben, weil eine Freundin von ihm vor zwei Jahren hier gewesen sei. Sie habe ihm gezeigt, was sie gelernt habe, und ihm hätten das Konzept und die tolle Lage am See gefallen.

Kunst ist etwas Neues in der Familie

Konstantin Klaus stammt aus Ostrach, das zwischen Pfullendorf und Sigmaringen liegt. Zum täglichen Pendeln ist es dem 20-Jährigem zu weit, außerdem möchte er selbstständig sein. „Ich will aus der familiären Wohlfühlzone raus und erwachsen werden“, sagte er im SÜDKURIER-Gespräch. Seit August wohnt er in einer Wohngemeinschaft in der Burgenstadt. Auch einen Nebenjob als Kellner habe er sich schon gesucht, um so gut wie möglich auch finanziell unabhängig zu sein. „Ganz geht es nicht, meine Eltern unterstützen mich noch.“ Seine Eltern seien froh, dass er sich ausprobiere, seine beiden älteren Schwestern seien schon länger ausgezogen, aber mit Kunst habe in seiner Familie keiner was zu tun.

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Konstantin Klaus erklärt, er habe schon immer gemalt, aber seine Entscheidung, Kunst zu studieren, sei erst in der Corona-Zeit gefallen. Nach dem Abitur sei er gereist und habe als Kellner gejobbt. Wegen der Kurzarbeit in der Pandemie habe er das Malen als Beschäftigungstherapie genutzt. Während des Vorstudiums hofft er nun, verschiedene Techniken und Möglichkeiten zu erlernen, etwas auszudrücken.

Angst vor Vergleich mit anderen Künstlern

Gefragt nach seinen Ängsten, sagte Klaus, dass er Angst habe, nicht gut genug zu sein. Besonders in einem Raum zusammen mit anderen Künstlern vergleiche man sich schnell. „Aber ich bin ein positiver Mensch und freue mich auf alles“, erklärte er grinsend. Ein endgültiges Berufs-Ziel habe er noch nicht. „Klar, soll es was Kreatives sein“, ist er sich sicher, aber ob als freier Künstler oder doch eher etwas in Richtung Design, wisse er noch nicht genau.

Zum zweiten Mal wurde das Stipendium der von Landrat Lothar Wölfe anlässlich seines 60. Geburtstages gegründeten Stiftung „Soku – Stiftung für Soziales und Kultur“ vergeben. Hanna Strohmaier aus Kressbronn setzte sich aufgrund ihrer Experimentierfreudigkeit gegen fünf Mitbewerber durch, erklärte Anna Blank, Leiterin der Kunstschule.

Anna Blank, Leiterin der Kunstschule (links), begrüßt die 14 neuen Studenten des Vorstudiums Gestaltung in den Räumen der Kunstschule.
Anna Blank, Leiterin der Kunstschule (links), begrüßt die 14 neuen Studenten des Vorstudiums Gestaltung in den Räumen der Kunstschule. | Bild: Lorna Komm

Fotografie, Kunstgeschichte und mehr

Unterrichtet werden die Studenten von verschiedenen Dozenten in Fächern wie Fotografie, Kunstgeschichte, Aktmalerei oder Zeichnen. Ein wesentlicher Inhalt des Studiums ist es, eine aussagekräftige Bewerbungsmappe für die Hochschulen zu erstellen. „Die kulturelle Bildung und die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur sind extrem wichtig“, sagte Thomas Hilbert und wünschte den Studienanfängern viel Neugier.

„Herzlich Willkommen in Meersburg“, schloss sich der stellvertretende Bürgermeister Peter Schmidt seinem Vorredner an. Auch die Stadt sei stolz, die Kunstschule in dem städtischen Gebäude am See zu beherbergen. „Probiert aus: Was steckt in mir, was möchte ich?“, gab er den angehenden Künstlern mit und wünschte ihnen eine schöne Zeit, um das Thema Kunst auszuleben.

Künstler gibt Studenten Denkaufgabe mit

Die Dozenten stellten sich und ihre Fächer vor. Neu dabei sind in diesem Jahr die freie Kunsthistorikerin Doris Blübaum und Andrea Gamp. Anhand von Fotos von Joseph Beuys und Maurizio Cattelan stellte Dozent und Künstler Davor Ljubicic den Studenten gleich eine Denkaufgabe. „Jeder Mensch ist ein Künstler oder könnte einer sein“, sagte Ljubicic. „Aber wenn ein Künstler etwas scheinbar Alltägliches tut, ist es dann auch Kunst?, fragte er und forderte die Studenten auf, bis zur nächsten Unterrichtsstunde ein paar Zeilen dazu zu schreiben.

Schulleiterin Blank wünschte allen Beteiligten, in den nächsten Monaten zu einem guten Team zusammen zu wachsen. „Ihr startet auf eine tolle Reise, aber es kann auch manchmal hart und einsam werden“, meinte Blank.

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