"Was für ein Wein! Was für ein wunderschönes Museum!", hielt eine begeisterte Besucherin aus der Schweiz im Gästebuch des Vineums fest. Und zwei junge Besucher schrieben: "Echt cool, auch für Kinder." Die Einträge sind fast ausnahmslos äußerst schmeichelhaft. Zum ersten Geburtstag der Wein- und Kulturstätte ziehen auch Christine Johner, städtische Abteilungsleiterin Kultur und Museum, und ihre Stellvertreterin Jana Mantel eine positive Zwischenbilanz. Rund 8600 Besucher zählte das Vineum seit der Eröffnung. Allerdings hält Johner diese Zahl noch nicht für sehr aussagekräftig, da Vergleiche sowohl zu anderen Jahren fehlten als auch, mangels Masse, zu ähnlichen Einrichtungen. "Das ist sicher noch steigerungsfähig", meint Johner.

Christine Johner (links), Leiterin der Abteilung Kultur und Museum, und ihre Stellvertreterin Jana Mantel entdecken in der Ampelographie des Vineums seltene Rebsorten.
Christine Johner (links), Leiterin der Abteilung Kultur und Museum, und ihre Stellvertreterin Jana Mantel entdecken in der Ampelographie des Vineums seltene Rebsorten. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Und daran arbeite man. Aufgrund der vielen Aufgaben im vergangenen Jahr, die sich nicht auf das Vineum beschränkten und die sie längere Zeit auch ganz allein habe bewältigen müssen, werde man etwa erst in Herbst die Pressekommunikation richtig angehen. Seit dem Frühjahr gebe es aber einen neuen Flyer in einer Auflage von 70 000 Stück, den man rund um den See und bis in den Schwarzwald verteile. Davor entwickelte man, nachdem man bei der Eröffnung auf ein Allerweltsmotiv zurückgegriffen hatte, ein individuelles Corporate Design. Dazu engagierte Johner einen ihr bekannten Theaterfotografen aus Karlsruhe.

Im Unterschied zu anderen Museen fehlten bei den Besucher auch die Schulklassen – bisher. Denn ein Konstanzer Lehrer versicherte Johner angetan, das Vineum eigne sich perfekt, um vor allem die Wirtschaftsgeschichte der Region zu illustrieren. Darauf könne man aufbauen. In den vergangenen Monaten habe sie selbst das Haus in jeder Facette kennengelernt, "unzählige Führungen" gemacht, sagt Johner.

Auch das Vermietungskonzept soll erweitert werden. Dazu werde im Herbst eine Imagebroschüre erscheinen. Einige Veranstaltungen fanden im Haus bereits statt, so eine Tagung von Restauratoren aus ganz Deutschland. Kurz zuvor hatten Johner und Mantel bemerkt, dass dafür zu wenig Kaffeegeschirr vorhanden war. Also fuhren die beiden kurzentschlossen zu Ikea und stockten auf. "Wir finden schnell unkonventionelle Lösungen", schmunzelt Mantel, die ihre Stelle im Juni angetreten hat, Johner aber schon länger kennt.

Mantel entwickelte auch die Idee der Führung "Vineum plus drei", inklusive der Probe dreier Bodenseeweine. Generell seien die Führungen sehr nachgefragt. So liefen etwa die öffentlichen Führungen ohne Voranmeldung am Sonntag gut. Beliebt ist auch der Weinautomat. Am besten verkauften sich die Karten für vier und sechs "Probeschlucke", berichtet Johner. Vom Museumsshop liege noch kein Betriebsergebnis vor. Begehrt seien bei Kunden vor allem Weine, Bücher, Magnetbleistifte mit Vineum-Schriftzug – und Seifen. Besonders stolz ist Johner auf die Verweildauer der Bescher, die mit durchschnittlich anderthalb Stunden beachtlich sei. "Das Haus ist ein Erlebnishaus", unterstreicht sie.

Oft liefen mehrere Führungen parallel, bis zu 100 Leute könne man nach Anmeldung gleichzeitig durch die Räume lotsen. Glücklich ist Johner über ihr "großartiges Mini-Team" inklusive Kassen- und Aufsichtskräfte, "die sich alle so stark mit dem Haus identifizieren."

Neben dem regulären Betrieb soll das Haus auch durch Veranstaltungen belebt werden. Dazu kreierten die Verantwortlichen, darunter der neue Bürgermeister Robert Scherer, die Reihe "Kultur unterm Dach", die auf Wunsch Scherers bereits in diesem Jahr startete. Man überlege sich für die Zukunft aber, ob man das unbedingt im Sommer machen müsse. Dann sei die Stadt zwar voll mit Besuchern, aber "die kommen nicht unbedingt in die Oberstadt", sagt Johner. Auch sei es sehr schwierig, Tagesgäste für Kulturveranstaltungen zu gewinnen. Außerdem habe die Stadt doch vor allem einen Kulturauftrag, was die Einheimischen angehe. Johner könnte sich einen Veranstaltungsschwerpunkt von Advent bis Dreikönig vorstellen. Sie betont: "Da, wo's im Sommer schön ist, ist es auch im Winter schön." Das müsse man nur kommunizieren.


Kultur im Vineum

"Kultur unterm Dach" heißt die neue Veranstaltungsreihe im Vineum, die am 21. Juli mit einem Swing- und Jazzabend startete. Bis zum 28. Oktober folgen noch sieben Veranstaltungen.

Das weitere Programm:

  • Samstag, 12. August: Oliver Steller gibt mittels Gesang und Gitarre einen Überblick "Von Goethe bis heute"
  • Sonntag, 13. August: Oliver Steller präsentiert "Lieder, Gedichte und Zaubereien für Kinder"
  • Donnerstag, 17. August: Comedy mit Glenn Langhorst und Angelina Bell
  • Donnerstag, 14. September: Comedy mit Florian Simbeck und Piero Masztalerz
  • Samstag, 23. September: Kabarett mit Frl. Knöpfle und ihrer Herrenkapelle
  • Samstag, 30. September: Piaf-Liederabend mit Béatrice Kahl und Elke Wollmann
  • Samstag, 28. Oktober: Tucholsky-Abend mit Martin Sommerhoff

Darüber hinaus wird im Erdgeschoss drei bis vier Mal im Jahr die Musikreihe "Torkel trifft" laufen. Bei einem – oder mehreren – Gläschen Wein können Besucher regionalen Bands wie dem Blechbläser-Quartett "Quattro Brass" zuhören, das am Freitag, 10. November, spielen wird. (flo)