Obwohl Meersburg reich an musikalischen Ausbildungsstätten ist, erhalten junge Virtuosen nur selten die Möglichkeit, ihr Können einem breiten Publikum zu präsentieren. Um diese Lücke zu schließen, entwarfen Christine Johner, Abteilungsleiterin Kultur und Museum, und Christoph Maaß, städtischer Musikdirektor, ein neues Format: Künftig finden in loser Folge Konzerte mit jungen Solisten oder Ensembles im Dachgeschoss des Vineums Bodensee statt. Die Reihe "Kaffee, Kuchen und Konzert" basiert auf der Idee, ein anspruchsvolles Konzert mit der Kaffee-und-Kuchen-Tradition des Sonntagnachmittags zu verbinden.

Bei der Premiere war Christoph Maaß von der Resonanz mehr als überwältigt: Über 100 Zuhörer kamen. Sie erlebten einen Nachmittag der Superlative, formulierte es Gerhard Breinlinger, ehemaliger Musiklehrer am Droste-Hülshoff-Gymnasium. Lisa Hafen, Philipp Hertkorn und das Pre-College Trombone Ensemble, bestehend aus Jannick Hoffmann, Johannes Markhart, Florian Mörle, Simon Sträßle und Lucas Kienzler, boten einen einzigartigen Musikgenuss. Das Pre-College Trombone Ensemble spielt seit fünf Jahren zusammen. Die fünf Posaunisten treffen sich einmal im Monat drei Stunden zur Probe. Genauso oft, nämlich einmal im Monat, geben sie ein Konzert. "Mit der Knabenmusik haben wir eine hochwertige Ausbildung erfahren", konstatiert Markhart. "Der Auftritt im Vineum ist eine schöne Belohnung für unser zeitintensives Hobby."

Gerhard Breinlinger, ehemaliger Musiklehrer am Droste-Hülshoff-Gymnasium: "Ein Nachmittag der Superlative. Fantastisch, diesen Raum für Konzerte junger Talente zu nutzen."
Gerhard Breinlinger, ehemaliger Musiklehrer am Droste-Hülshoff-Gymnasium: "Ein Nachmittag der Superlative. Fantastisch, diesen Raum für Konzerte junger Talente zu nutzen."

Die einzigartige Klangkulisse und die urige Atmosphäre des Vineums gaben dem Konzert einen außergewöhnlichen Rahmen. Organisiert wurde die Veranstaltung von Christine Johner und der stellvertretenden Abteilungsleiterin Kultur und Museum, Jana Mantel. Sie boten in der Konzertpause Kaffee und Kuchen an.

Bereits nach den ersten Stücken von Lisa Hafen an der Querflöte und Philipp Hertkorn (Klarinette) brandete begeisterter Applaus auf, flankiert von vereinzelten "Bravo"-Rufen. Es schien, als wäre alles perfekt aufeinander abgestimmt, eine Mischung aus sanften Melodien bis hin zur "Hochdruckdusche" des Posaunenensembles, wie Maaß angekündigt hatte. Hin und weg war auch der elfjährige Noah Schwegel in der ersten Reihe: Ihm ging die Musik, die Lisa Hafen ihrer Querflöte entlockte, so ins Ohr, dass er mit seinen Fingern begleitend auf einer imaginären Flöte spielte.

Harry Ropertz, Stetten: "Ich finde es grandios, jungen Musikern eine Bühne wie das Vineum zu bieten."
Harry Ropertz, Stetten: "Ich finde es grandios, jungen Musikern eine Bühne wie das Vineum zu bieten."

 

Die neue Reihe

Die Reihe "Kaffee, Kuchen und Konzert" will in loser Folge jungen Talenten eine Bühne geben. Voraussetzung ist der Bezug zu Meersburg, auch durch den Besuch des Droste-Hülshoff-Gymnasiums oder der Musikschule. Interessierte Künstler können sich bei Christoph Maaß melden: E-Mail jugendmusikschule@meersburg.de

 

 

"Bereichernd, vor Publikum zu spielen"

Lisa Hafen lebt für ihre Musik. Der Auftritt im Vineum bedeutete ihr sehr viel, sagt die junge Flötistin. Es sei eine Erfahrung, die präge. Lisa Hafen sieht die Konzertreihe als riesige Chance, nicht nur für sich und ihre Mitstreiter, sondern auch für potenzielle Nachfolger. "Es hat mich irrsinnig gefreut, dass gerade die Premiere so gut besucht war und ich mein momentanes Können unter Beweis stellen konnte", sagt Hafen. "Das Musizieren daheim ist auch etwas sehr Wertvolles, aber es ist eine ganz andere, höchst bereichernde Erfahrung, vor Publikum zu spielen." Die 20-Jährige war vor dem Konzert sehr aufgeregt, nicht allein deshalb, weil sie gesundheitlich angeschlagen war. "Die Atemtechnik ist ein Kapitel für sich", konstatierte Hafen nach dem Konzert.

Lisa Hafen
Lisa Hafen

Philipp Hertkorn begann früh mit dem Klarinettenspiel. Im Alter von sechs Jahren trat er an der Seite seines Vaters Armin Hertkorn zum ersten Mal auf. "Damals war ich wesentlich aufgeregter als heute", sagt Hertkorn. Unterrichtet wird der heute 14-Jährige ebenfalls von seinem Vater. "Wenn ich keine Konzerte oder Wettbewerbe bestreite, übe ich eine halbe Stunde am Tag. Vor 'Jugend musiziert' sieht das anders aus: In der Vorbereitung übe ich bis zu drei Stunden täglich. Aber ich weiß mich auch anders zu beschäftigen", lächelt Hertkorn verschmitzt. "Mit meinem Vater gehe ich oft zum Mountainbiken oder Wandern." Philipps Hertkorns Mutter Ying-Yu begleitete ihren Sohn, aber auch Lisa Hafen bei "Kaffee, Kuchen und Konzert" am Klavier.

Philipp Hertkorn
Philipp Hertkorn | Bild: Manuela Klaas