20 Prozent Einbußen bei den Übernachtungen in 2020: So lautet die Bilanz der Ferienlandschaft Gehrenberg-Bodensee für das vergangene Jahr. „Ab März hat es starke Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie gegeben“, sagt Sylvia Westermann, Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft. Von Mitte März bis Ende Mai waren Hotels und Gastronomie das erste Mal geschlossen, seit dem erneuten Lockdown ab November befindet sich die Branche in der erneuten Zwangspause.

Das Ostergeschäft hatten viele bereits frühzeitig abgeschrieben, auch Sylvia Westermann hatte kaum eine Chance gesehen. Dennoch hatte es viele Anfragen gegeben, verstärkt für „kontaktarme Unterkünfte“ wie Campingplätze und Ferienwohnungen. Nach den aktuell geltenden Corona-Bestimmungen ist dies aber nicht möglich.

Syvia Westermann, Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee, sieht kaum Chancen für das Ostergeschäft.
Syvia Westermann, Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee, sieht kaum Chancen für das Ostergeschäft. | Bild: Lang, Andreas
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Corona stoppt weiteren Anstieg der Übernachtungszahlen

2020 ist die Zahl der Ankünfte in Markdorf im Vergleich zu 2019 von 30 209 auf 25 034 gesunken, die Übernachtungen sind von 120 477 auf 112 159 gesunken. Nachdem es in den vergangenen Jahren immer leichte Erhöhungen gab, wurde diese Entwicklung durch die Corona-Pandemie gestoppt. Auch in Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen sind die Zahlen zurückgegangen. „Das Jahr 2020 lässt sich natürlich nicht mit den Vorjahren vergleichen“, sagt Sylvia Westermann. Die höchste Aufenthaltsdauer liegt bei fünf Tagen in Oberteuringen, gefolgt von Markdorf. Die durchschnittliche Übernachtungsdauer liegt bei 3,2 Tagen.

Sylvia Westermann weiß die Zahlen entsprechend einzuordnen. Nach Jahren des Anstiegs habe es nun den zu erwartenden Einbruch gegeben. „Aber immer höher, schneller, weiter ist auch nicht nur von Vorteil“, so die Geschäftsführerin, die in der Ferienlandschaft verstärkt auf „weniger Masse, mehr Klasse“ setzen möchte.

Campingplatz und Ferienwohnungen 2020 nahezu ausgebucht

Dass das Bodensee-Hinterland eine beliebte Urlaubsregion ist, zeigt sich daran, dass im vergangenen Sommer Campingplatz und Ferienwohnungen nahezu komplett ausgebucht waren. „Der Wirthshof spielt dabei natürlich eine sehr große Rolle und hat sehr sehr gute Zahlen.“ Der Campingplatz werde in der Ferienlandschaft sehr geschätzt und Sylvia Westermann setzt deshalb auf eine noch engere Zusammenarbeit.

Denn die Kapazitäten werden weniger, ob alle Hotels die Corona-Pandemie überstehen, ist völlig offen, einige Ferienwohnungs-Anbieter haben auf Dauervermietung umgestellt, wie Sylvia Westermann berichtet. Während in Friedrichshafen einige neue Hotels entstehen, herrscht in der Gehrenbergstadt in dieser Hinsicht weiterhin Stillstand. Auf dem Höchsten hat Gastronom Hans-Peter Kleemann seine Pläne geändert: Aus dem einst anvisierten Familienhotel in der ehemaligen Fachklinik in Rubacker soll ein Hotel mit 50 Zimmern und Wellness-Einrichtungen entstehen.

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Hoffnung auf erneutem Aufschwung in den Sommermonaten

„Wir gehen davon aus, dass wir zumindest in den Sommermonaten wieder einen Aufschwung erleben werden“, so Sylvia Westermann. Beliebt sei die Region bei Radfahrern, Wanderern und Pilgern. Nach wie vor fehle es aber an kurzfristigen Übernachtungsmöglichkeiten für dieses Klientel, das meist nur eine Nacht bleibe.

Die künftige Werbebotschaft der Region wird sich anpassen und den Urlaub mit „Abstand“ vom Bodensee in den Fokus nehmen. Die Internetseite wird ständig weiterentwickelt. Ab Mai sollen die Gastgeber an eine Internet-Plattform angebunden werden. „Die Online-Buchbarkeit ist sehr wichtig, hier arbeiten wir weiter dran“, betont Westermann. Die Verkehrsmittelwerbung „Wandern mit Weitblick“ wird fortgesetzt und neben einem Stadtbus in Stuttgart sind mittlerweile drei Lastwagen mit der Heckbeklebung „Bei uns ist der See – mit Abstand – am schönsten!“ international unterwegs.

Einige Veranstaltungen konnten 2020 stattfinden

2020 fand achtmal coronakonform die Sommermusik im Schlosshof statt, unter anderem mit den Bands Pause, Holzless, Pop Deluxe und Donato mit Freunden. Es kamen zwischen 30 und 80 Gäste, hauptsächlich aus Markdorf und Umgebung; Getränke gab es in der umliegenden Gastronomie. Die Führungen wie historische Stadtführung, Hexenturmführung, Nachtwächter-Rundgänge, Altschlossführung, Rebführung und die Bodensee-Guide-Touren waren immer ausgebucht.

Die Besucher genossen im August 2020 im Schlosshof ein Konzert der Band „Pause“.
Die Besucher genossen im August 2020 im Schlosshof ein Konzert der Band „Pause“. | Bild: Lang, Andreas
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Diese Führungen werden 2021 erneut angeboten, ergänzt werden soll das Programm ab Juni durch ein neu entwickeltes Angebot mit der Theatergruppe „kreuz & quer“. Je nach Corona-Lage gibt es Ideen für sommerliche Picknickkonzerte. Ab Mitte 2021 wird die „Apfelradlrunde“ offiziell ausgeschildert, eine Eröffnung ist in Bermatingen geplant. Außerdem soll es zwei neue kleine „Radelründle“ als Feierabendtour in Bermatingen und Oberteuringen geben.

Das Tourismusteam möchte sich verstärkt um die Themen Radfahren und Wandern kümmern und das Angebot – vor allem im Hinterland – weiter ausbauen.
Das Tourismusteam möchte sich verstärkt um die Themen Radfahren und Wandern kümmern und das Angebot – vor allem im Hinterland – weiter ausbauen. | Bild: Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee

Ausbau der Rad- und Wanderwege steht für 2021 im Fokus

Sylvia Westermann sieht sich und ihr Team als „Kreativbüro für die Region“, das derzeit daran arbeitet, die Region nicht nur für Touristen, sondern auch für die Einheimischen erlebbarer zu machen. Rad- und Wanderwege stehen für 2021 im Fokus. „Darauf werden wir uns konzentrieren und die Angebote der Rad-und Wanderweg weiter ausbauen“, so Westermann. Neben den Premiumwanderwege sollen auch kürzere Strecken besser ausgeschildert und beworben werden.