Wenn ein Flugkapitän den Autopiloten einschaltet, hängen daran Hunderte von Menschenleben. Wer die Assistenzsysteme im Auto nutzt, sollte dagegen weiterhin konzentriert bleiben: Wer weiß, ob sie in besonders kritischen Situationen richtig reagieren. Hier klafft die Sicherheitslücke, die Christian Meyer und Thomas Wichert schließen wollen: mit Technologie aus der Luftfahrt, wie sie sie bei Airbus/Hensoldt in Immenstaad viele Jahre lang mitentwickelt haben. Mit Laser-Scannern, mit Know-how und einer ausgeklügelten Software.

Mit Anfang 50 das Abenteuer Selbstständigkeit gestartet

„Was bringt einen dazu, mit Anfang 50 bei Airbus auszusteigen und ein Abenteuer zu wagen, das einem vom Risiko her einiges abverlangt?“, sagt Christian Meyer. Courage und Selbstvertrauen musste der Geschäftsführer von Lake Fusion Technologies (LFT) schon mitbringen. Ebenso Vertriebsleiter Thomas Wichert, als sie vor zwei Jahren die Etage über einem Bekleidungsfilialisten im Markdorfer Schießstattweg bezogen hatten.

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Derzeit arbeiten hier 14 Menschen, Platz wäre für über 40: Die junge Firma ist auf Wachstum ausgelegt. Man sei zwar kein Start-up mehr, sagt Thomas Wichert, aber immer noch im Aufbau. Durchaus grundfinanziert und in der Lage, den Markteintritt auch in unglücklichen Krisenumständen durchzuziehen. Niemand musste in Kurzarbeit: Von der Pandemie habe man sich nicht einschränken lassen, das Produkt weiterentwickelt und schärfer definiert, sagt der Vertriebsleiter.

Es sind Softwaresysteme, die das autonome Fahren praxistauglicher machen sollen. „Pilotensicher“, sagt man bei LFT. Mit Laser-Technologie ergänzt man die Radarsysteme, die bisher in Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Diese Kombination, das ist die „Fusion“ im Firmennamen. Bisher sei das „weit weg von der öffentlichen Wahrnehmung“, sagt Thomas Wichert. „Die Technologie ist bereits da, aber noch nicht für den breiten, zivilen Massenmarkt.“

Sensoren nach allen Seiten: Thomas Münsterer, Technischer Leiter bei LFT, und Geschäftsführungsassistentin Maria Boos mit dem Testfahrzeug für autonomes Fahren.
Sensoren nach allen Seiten: Thomas Münsterer, Technischer Leiter bei LFT, und Geschäftsführungsassistentin Maria Boos mit dem Testfahrzeug für autonomes Fahren. | Bild: Thomas Kapitel

Die Umfelderkennung sei das Entscheidende: „Die herkömmliche Sensorentechnik erkennt, sagen wir mal, zehn Regentropfen. Wir brauchen einen ganzen Bach voll.“ Radarsensor und Kamera, die Geschwindigkeiten und bewegte Hindernisse einrechnen können, werden komplettiert durch einen Laser-Scanner, der mit einem fächerartigen Strahl die Außenwelt abtastet, und ein System, das all diese Informationen zusammenführt.

Die Markdorfer wollen Pioniere in der Entwicklung sein

Ziel der Entwicklung ist ein serienreifes Produkt zur Absicherung der Umfelderkennung, auf das sich sogar ein Hubschrauberpilot verlassen könnte. Hier der Pionier unter den Entwicklern zu sein, ist das Ziel von Christian Meyer und Thomas Wichert. Dafür haben die beiden Diplom-Ingenieure die besten Köpfe ihrer früheren Abteilung gewinnen können. Thomas Münsterer etwa: Der promovierte Experte trägt bei LFT die technische Gesamtverantwortung, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Bildverarbeitung und der Entwicklung von 3D-Algorithmen.

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Zum Einsatz sollen die Systeme zunächst in geregelten Verkehrsbahnen kommen: bei „People Movern“, das sind Personentransporter, im Nahverkehr, bei Shuttles und Zubringerfahrzeugen, etwa auf Flughäfen. Später ließe sich die Technologie auch breiter einsetzen. Bei Spezialfahrzeugen im Offroad-Bereich, bei Minen-Fahrzeugen und Baggern. Aber auch zur Sicherheit beim Einsatz von Robotern in Produktionsstätten, wo bisher der Mensch durch eine Wand oder einen Zaun vor Fehlfunktionen gesichert sein muss: „Hier haben wir bereits einen ersten Ballon mit dem Fraunhofer-Institut am Steigen“, sagt Christian Meyer.

Ein erster größerer Auftrag ist schon an Land gezogen

Die Kundenakquise erfordert Geduld in Corona-Zeiten. Vor allem, weil keine Messen stattfinden. Immerhin konnte sich LFT bei der IAA 2019 noch bei den großen Automotive-Konzernen und Zulieferern vorstellen. Als Erfolg verbuchte man bislang ein Assessment mit VW und einen ersten großen Auftrag von Audi: „Da sind wir schon stolz darauf.“ Den Marktvorteil sieht Christian Meyer in einer kleinen, agilen Expertenfirma mit kurzen Entscheidungswegen.

Lob für die Stadtverwaltung und ihren Bürgermeister

Dass diese nun in Markdorf beheimatet ist, sei kein Zufall: Stadtverwaltung und Bürgermeister seien bei der Suche nach Räumen ausgesprochen hilfsbereit gewesen. Zudem seien die Mieten hier in der Tat günstiger als direkt am See.

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Auch das „Lake“ im Firmennamen trägt man stolz: Viele Mitarbeiter hätten ihren Lebensmittelpunkt hier am Bodensee. Die Nähe zu großen Unternehmen wie ZF oder MTU und das gute Miteinander hier vor Ort komme noch dazu, sagen die beiden Chefs.