Übung macht den Meister: Bei kaum einer Berufsgruppe trifft das mehr zu als bei den Freiwilligen Feuerwehren (FFW). Damit im Ernstfall stets jeder Handgriff bestmöglich sitzt, gehört regelmäßiges Proben zum Alltag der Feuerwehr.

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Doch um den Ausfall einzelner Einsatzkräfte oder gar ganzer Einheiten durch Quarantäne-Maßnahmen zu vermeiden, war dies seit der Corona-Pandemie nicht mehr möglich. Denn der Gesundheitsschutz der Feuerwehrangehörigen hat neben der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft für das Land Baden-Württemberg oberste Priorität.

Erhebliche Probleme in der Umsetzung

Karl-Heinz Bentele, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Deggenhausertal, sieht in der praktischen Umsetzung erhebliche Probleme. „Die Gruppengröße darf nicht größer als zehn Personen sein, zudem sind im Gerätehaus bei den Spinden 1,5 Meter Abstand zu halten, bei uns quasi unmöglich. Dann darf diese Gruppe nicht durchmischt werden, ebenfalls eigentlich nicht umsetzbar.“

Karl-Heinz Bentele, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Deggenhausertal.
Karl-Heinz Bentele, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Deggenhausertal. | Bild: Silke Magino

Bei größeren Berufsfeuerwehren, etwa in Friedrichshafen, sei dies möglich, aber nicht bei einer Dorffeuerwehr mit rund 80 Aktiven, die unter der Woche im gesamten Kreisgebiet verteilt arbeiten.

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Wie wichtig das ständige Proben ist, zeigte sich jüngst bei zwei Dachbränden im Deggenhausertal. „Seit März fand keine Probe statt und doch konnte ich mich bei beiden Einsätzen auf alle Kameraden zu 100 Prozent verlassen, das gab mir ein gutes Gefühl“, so Bentele.

Jeder Hand- und Fußtritt muss sitzen, denn ein sicherer Tritt auf einem nassem Dach muss geübt sein. Wie bei dem Dachstuhlbrand eines Wohnhauses in Jonistobel im Deggenhausertal im Juli.
Jeder Hand- und Fußtritt muss sitzen, denn ein sicherer Tritt auf einem nassem Dach muss geübt sein. Wie bei dem Dachstuhlbrand eines Wohnhauses in Jonistobel im Deggenhausertal im Juli. | Bild: Martin Scheerer

Hoher Leistungsstand ersetzt keine Proben

Dies solle jedoch nicht so verstanden werden, dass ein hoher Leistungsstand Proben unnötig mache. „Natürlich beherrschen die alten Hasen die allermeisten Handgriffe und Vorgänge wohl im Schlaf, doch hängen vom richtigen Ansatz der Handgriffe Leben ab, das darf man nicht vernachlässigen.“

Derzeit seien die einzigen, die regelmäßig proben, die Maschinisten und die Atemschutzträger, da diese unter Einhaltung der Abstände relativ eigenständig proben können.

Nachwuchskräfte verlieren Ausbildungszeit

Besonders hart habe es die Neulinge getroffen, deren Ausbildung gerade begonnen hatte. Ein Quartal Ausbildung sei praktisch verloren.

Ein zweites Quartal mit eingeschränktem Ausbildungsbetrieb sei gerade noch zu verkraften, „aber im Herbst muss es wieder losgehen und hoffentlich wird die Gruppengröße soweit erhöht, dass ein ganzer Löschzug als Einheit proben kann“, hofft Bentele.

Neuer Probenplan für Markdorf

Zusammen mit den einzelnen Gruppenführern teilten die Kommandanten der Feuerwehr Markdorf Gruppen mit maximal zehn Feuerwehrangehörigen ein und erstellten einen vollkommen neuen Probenplan. Martin Scheerer, Pressesprecher der Feuerwehr Markdorf, erzählt: „Durch die Sommerferien bedingt, werden die meisten Gruppen erst im September im zweiwöchigem Rhythmus mit den Proben beginnen können.“

Martin Scheerer, Pressesprecher Feuerwehr Markdorf
Martin Scheerer, Pressesprecher Feuerwehr Markdorf | Bild: Feuerwehr Markdorf

Teilweise hätten bereits einzelne Gruppen mit Übungen an der Drehleiter oder dem Tanklöschfahrzeug angefangen, da dies anspruchsvollere Fahrzeuge seien.

Einsatz in Corona-Zeiten: Als Mitte Juli ein Fahrzeug am östlichen Ortseingang von Markdorf eine Ölspur hinterließ, brachten die Einsatzkräfte das Ölbindemittel auf – unter Einhaltung der Maskenpflicht.
Einsatz in Corona-Zeiten: Als Mitte Juli ein Fahrzeug am östlichen Ortseingang von Markdorf eine Ölspur hinterließ, brachten die Einsatzkräfte das Ölbindemittel auf – unter Einhaltung der Maskenpflicht. | Bild: Martin Scheerer

In der Dienstplangestaltung habe man darauf geachtet, dass sich die Gruppen nicht vermischen, so wie es das Land vorgeschrieben hat. „Generell werden Proben an der frischen Luft vorgezogen und die Abstände werden eingehalten“, erklärt Scheerer weiter. Sollte das nicht möglich sein, werde Maske getragen.

Kameradschaft kommt zu kurz

Eine Sache komme coronabedingt derzeit laut Scheerer aber eindeutig zu kurz: „Was auch fehlt, ist die kameradschaftliche Nachbereitung, da es auf absehbare Zeit kein gemütliches Beisammensein im Feuerwehrhaus nach dem Dienst geben kann.“

FFW Bermatingen hofft auf Probenbetrieb im September

In Bermatingen ist man weit entfernt von einem Normalbetrieb, sagt Jürgen Gutemann, Gesamtkommandant der dortigen FFW.

Jürgen Gutemann, Kommandant der FFW Bermatingen
Jürgen Gutemann, Kommandant der FFW Bermatingen | Bild: Jan Manuel Heß

„Durch die Begrenzung der Gruppe auf maximal zehn Personen in Verbindung mit Mundschutz, Hygieneregeln und dem Umstand, dass keine Durchmischung stattfinden darf, sehe ich das derzeit als sehr problematisch an.“ Man erarbeite gerade einen Dienstplan, mit dem ab September ein Probenbetrieb starten könnte.

Vito Alvino ist Maschinist in der Abteilung Ahausen der FFW Bermatingen und bedient die Feuerlöschkreiselpumpe sowie die im Löschfahrzeug eingebauten Aggregate, wie etwa den Stromerzeuger.
Vito Alvino ist Maschinist in der Abteilung Ahausen der FFW Bermatingen und bedient die Feuerlöschkreiselpumpe sowie die im Löschfahrzeug eingebauten Aggregate, wie etwa den Stromerzeuger. | Bild: Jan Manuel Heß

„Wir wollten jetzt vor der Sommerpause nichts übers Knie brechen, dafür ist das Thema zu sensibel“, so Gutemann.

Video: Jan Manuel Heß

In Bermatingen gelte daher weiterhin als oberstes Prinzip die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft. Aufgrund von anstehenden Wahlen habe man die Erlaubnis bekommen, eine Hauptversammlung unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln im September abzuhalten.

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