Vertan sei die Zeit zu Hause nicht gewesen: Das sagen viele Schüler bei einer – freilich nicht repräsentativen – Umfrage am Gymnasium am Markdorfer Bildungszentrum (BZM). Es klingt auch keine Unzufriedenheit an, zumindest nicht bei den befragten Fünftklässlern, wenn sie über ihre Erfahrungen mit dem Distanz-Unterricht, dem Homeschooling berichten. Im Gegenteil: Es zeigt sich, dass der Lernstoff auch dann bei den Elf- und Zwölfjährigen ankam, wenn er per Internet nach Haus kam und nicht wie sonst im Klassenzimmer vom Lehrer mündlich oder schriftlich präsentiert wurde.

Maria Probst, 14 Jahre: „Ich find‘ es gut, dass es in der Schule die Vorsichtsmaßnahmen gibt wegen Corona.“
Maria Probst, 14 Jahre: „Ich find‘ es gut, dass es in der Schule die Vorsichtsmaßnahmen gibt wegen Corona.“ | Bild: Jörg Büsche

In manchen Fächern etwas mehr zu tun als in der Schule

„Wie ganz normale Schule“ empfand Hedlira es, wenn sie ihre Hausaufgaben machte. Ihre Mitschülerin Mira schildert, dass es freilich auch vorgekommen sei, „dass wir in manchen Fächern etwas mehr machen mussten als sonst, als in der Schule.“

Sechstklässler fanden Video-Chats gut

Allgemein als positiv bewerten die Sechstklässler, wie die Video-Chats zum Einsatz kamen. Einerseits konnten die Schüler sich dadurch untereinander austauschen. Andererseits „haben wie aber auch direkte Rückmeldung von den Lehrern bekommen“, erklärt Nova.

Alltag im Präsenzunterricht während der Coronakrise: Englischlehrerin Conny Sacotte muss ihre Lerngruppe vor dem Unterricht vor dem Schulgebäude abholen.
Alltag im Präsenzunterricht während der Coronakrise: Englischlehrerin Conny Sacotte muss ihre Lerngruppe vor dem Unterricht vor dem Schulgebäude abholen. | Bild: Jörg Büsche

Lehrer beschäftigten sich in den Osterferien mit Videokonferenzlösung

Wie Englischlehrerin Conny Sacotte aus dem Kollegium des Schulverbunds berichtet, „haben wir Lehrer die Osterferien genutzt, um uns mit einer Videokonferenzlösung auseinanderzusetzen“. Mit Erfolg offenbar. Denn Schüler Filip aus der 5d ist zufrieden. „Keine Probleme“, sagt er über die Konferenzschaltungen. Diana, ebenfalls in der 5d, erklärt: „Bei Verständnisfragen bin ich zu meinen Eltern gegangen.“ An diesem Punkt kommt es dann doch: Lehrer seien schon die kompetenteren Ansprechpartner, wenn es um die Schule geht. Insofern begrüßen die Fünft- und Sechstklässler, dass sie wieder Präsenzunterricht haben.

Julian Pfleghaar, 14 Jahre: „Im Präsenzunterricht gibt es wieder etwas weniger Aufgaben als beim Homeschooling. Schlecht war online aber nicht.“
Julian Pfleghaar, 14 Jahre: „Im Präsenzunterricht gibt es wieder etwas weniger Aufgaben als beim Homeschooling. Schlecht war online aber nicht.“ | Bild: Jörg Büsche

Mehr Zeit mit der Familie, aber Freund und Mitschüler vermisst

„Es ist gut, wieder hier zu sein“, erklärt Jule, natürlich auch, weil die Freunde und Mitschüler gefehlt hätten. Die strengen Vorgaben des Lockdown verhinderten jedes Treffen. Die Sechstklässlerin sagt, ihr habe es gefallen, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu dürfen, als das sonst jenseits der Ferien möglich ist. Trotzdem begrüßt sie es, dass seit 14 Tagen am BZM wieder fast ganz normaler Unterricht stattfindet.

Das könnte Sie auch interessieren

Klassen geteilt und an unterschiedlichen Tagen in der Schule

Von der Normalität freilich ist er immer noch recht weit entfernt, zumal die Klassen geteilt sind. Maximal 15 Schüler dürfen in ihr Klassenzimmer und die halbierten Lerngruppen besuchen die Schule an unterschiedlichen Tagen. Dadurch treffen sich manche Mitschüler nicht.

Beria Acin, 15 Jahre: „Das Homeschooling fand ich ganz okay. Wir wurden ziemlich gut betreut von unseren Lehrern.“
Beria Acin, 15 Jahre: „Das Homeschooling fand ich ganz okay. Wir wurden ziemlich gut betreut von unseren Lehrern.“ | Bild: Jörg Büsche

Lehrer skeptisch, dass positive Erfahrungen aus dem Lockdown nachwirken werden

Stefan Ferguson, Englischlehrer in der 6a des Gymnasiums, ist skeptisch. Er glaube nicht, dass die Erfahrungen des Lockdowns die Verhältnisse in den Familien „revolutionieren“ werde. Er vermutet, der Lockdown wurde als Ausnahmesituation erlebt. Als Phase, die neben etlichen Nachteilen auch manche sehr positive Erfahrung mit sich gebracht habe. Im Alltag, der nicht mehr von der Krise geprägt ist, würden diese Dinge wieder verdrängt, sodass es weitestgehend wieder so aussehe wie vor der Corona-Krise.

Endlich wieder Präsenz-Unterricht, endlich wieder Englischtests – hier ausgeteilt von Stefan Ferguson.
Endlich wieder Präsenz-Unterricht, endlich wieder Englischtests – hier ausgeteilt von Stefan Ferguson. | Bild: Jörg Büsche

Manche halten Sommerferien nicht für nötig, andere freuen sich drauf

Bei der Ferienfrage teilen sich die Meinungen. So richtig dringend seien die Ferien nicht gerade, finden die einen. An Freizeit habe es in der Phase des Distanzunterrichts nicht gemangelt – selbst wenn das Lern- und Arbeitspensum reichlich bemessen war. Andere freuen sich trotzdem auf die Sommerferien. Das von Psychologen und Pädagogen ins Spiel gebrachte Wort vom Corona-Stress fällt nicht in der 6a.

Dominik, 15 Jahre: „Ich bin froh, dass wir wieder in die Schule können. Zu Hause war mir doch ziemlich langweilig auf Dauer.“
Dominik, 15 Jahre: „Ich bin froh, dass wir wieder in die Schule können. Zu Hause war mir doch ziemlich langweilig auf Dauer.“ | Bild: Jörg Büsche

Keine Sorgen wegen der Infektionsgefahr

Auch scheinen sich die Schüler keine allzu großen Sorgen wegen der Infektionsgefahr zu machen. „Eine Umstellung wird es schon sein, wenn nach den Sommerferien die Schule wieder richtig los geht“, sagt Mira. Die Sechstklässlerin vertraut jedoch auf die Sicherheitsmaßnahmen der Schule. Und selber aufpassen müsse man halt auch noch.