16 Monate seit Planungsbeginn und noch ist der Baubeginn nicht in Sicht: Beim früheren Markdorfer und jetzigen Ravensburger Bauträger Betz und Weber und seinem Projektentwickler Pfau Immobilien ist man nicht glücklich über das Bauvorhaben in der Biberacherhofstraße. Dort soll anstelle des dort noch stehenden Ex-Lebensmittelmarktes Mancino und rückwärtig davon ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und einer Tiefgarage mit zehn Stellplätzen entstehen.

Nichts geht voran

Seit dem 23. Juli liegt nun die Baugenehmigung für das Vorhaben vor, die Abrissgenehmigung wurde im Technischen Ausschuss am 10. September erteilt. Und doch geht nach wie vor nichts voran. „Ein Ende ist für uns nicht in Sicht, weil laut Regierungspräsidium angeblich noch Einwendungen aus der Nachbarschaft gegen unser Vorhaben bestehen“, sagt Markus Pfau, der für Betz und Weber den Neubau entwickelt.

Mehrere Einwendungen aus der Nachbarschaft

Die Uneinigkeit mit den Nachbarn zieht sich bereits seit Monaten hin, im Wesentlichen geht es dabei um Wegerechte und Grunddienstbarkeiten – also zum Beispiel, wer wann und wie gemeinsame Grundstücksflächen nutzen darf. Mehrfach sei man den Einwendern entgegengekommen, sagt Pfau. Doch mehrere Male sei eine Einigung auch in letzter Minute wieder an neuen Einsprüchen gescheitert.

Das gelbe Haus an der Ecke Hauptstraße/Biberacherhofstraße bleibt erhalten, ebenso wie die beiden angrenzenden Häuser rechts davon in der Hauptstraße.
Das gelbe Haus an der Ecke Hauptstraße/Biberacherhofstraße bleibt erhalten, ebenso wie die beiden angrenzenden Häuser rechts davon in der Hauptstraße. | Bild: Helmar Grupp

Uneinig über Umgebungsbebauung

Problematisch sei aber nicht nur die Abstimmung mit den Anliegern, sondern auch die Abstimmung des Vorhabens mit der Stadtverwaltung gewesen, sagen Pfau und Betz-und-Weber-Geschäftsführer Alexander Weber im Gespräch mit dem SÜDKURIER: Für das Grundstück gibt es keinen Bebauungsplan, es gilt der Paragraf 34 Baugesetzbuch für den unbeplanten Innenbereich, demzufolge sich ein Neubau an der bestehenden Umgebungsbebauung zu orientieren hat. Die sehen Pfau und Weber vor allem in der direkten Nachbarschaft mit dem Proma und dem Stadthaus, beides mehrstöckige Wohn-/Geschäftshäuser mit moderner Architektur. Vom Aussehen und der Größe her angelehnt an das benachbarte Stadthaus habe man den Neubau ursprünglich geplant, sagt Pfau.

Rathaus und Bauträger waren verschiedener Ansicht

Im Rathaus, so der Projektentwickler, habe man den Paragrafen 34 anders ausgelegt: Maßgebend sei die Bebauung Richtung Osten, also die ältere kleinere Bebauung, habe es geheißen. „Die Stadt wollte in der Hauptstraße westlich der Biberacherhofstraße die kleinteiligere Bebauung beibehalten und keine solch größeren Gebäude mehr wie östlich der Biberacherhofstraße„, sagt Pfau. Infolgedessen habe man das Vorhaben mehrfach umplanen müssen, außerdem auch wegen neu hinzugekommener Änderungswünsche der Stadt hinsichtlich der Fassadengestaltung. Nachvollziehen könne er dies nicht, sagt Pfau: „Einfügen in die Umgebungsbebauung heißt nicht, an die Nachbargebäude, sondern ans Quartier.“ Und dort stünden nun auch einmal Proma und Stadthaus.

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Vor Jahren bereits grünes Licht für ominöses „Teralife“-Projekt

Ärgerlich sei es auch deswegen, weil vor Jahren für das Grundstück bereits schon einmal eine Baugenehmigung für ein größeres Neubauvorhaben erteilt worden sei – für das „Teralife“-Projekt des vorgeblichen Investors Decker, der urplötzlich wieder von der Bildfläche verschwunden war. „Deswegen sind wir natürlich auch davon ausgegangen, dass dort eine recht massive Bebauung möglich sein würde“, sagt Pfau. Weber wiederum sieht hier eine Diskrepanz zwischen Anspruch der Stadt und ihrem tatsächlichen Agieren. Man könne nicht einerseits über fehlende Möglichkeiten zur Wohnbauentwicklung klagen, andererseits aber neue Bauvorhaben wieder eindampfen. So helfe man der Wohnungsnot nicht ab, kritisiert Weber.

An diesem Weg vom Gehweg an der Hauptstraße in den rückwärtigen Biberacherhofstraße-Bereich schieden sich die Geister: Er war Anlass für eine der mehreren Einwendungen aus der Nachbarschaft. Die Fläche ist Gemeinschaftsgrundstück, sie gehört teils Betz und Weber, teils einem angrenzenden Nachbarn. Es ging um die Frage, wie er von wem künftig zu nutzen sei.
An diesem Weg vom Gehweg an der Hauptstraße in den rückwärtigen Biberacherhofstraße-Bereich schieden sich die Geister: Er war Anlass für eine der mehreren Einwendungen aus der Nachbarschaft. Die Fläche ist Gemeinschaftsgrundstück, sie gehört teils Betz und Weber, teils einem angrenzenden Nachbarn. Es ging um die Frage, wie er von wem künftig zu nutzen sei. | Bild: Helmar Grupp

Aktuell Vorarbeiten für die Baufreigabe

Sei das Einvernehmen mit der Stadt hergestellt gewesen, seien die nachbarschaftlichen Einwendungen gekommen, sagt Weber. Nun warte man die Entscheidung darüber ab. „Richtig loszulegen macht vorher keinen Sinn“, sagt Pfau. Zwischenzeitlich würden aktuell die nötigen Vorarbeiten für die Baufreigabe erledigt, so Weber: Die Statiker-Aufträge, das Entsorgungskonzept für den Abriss-Bauschutt. Mit dem Abriss zumindest soll demnächst begonnen werden. Baubeginn soll laut Weber dann im nächsten Frühjahr sein.

Im Rathaus sieht man das Vorhaben positiv

Bei der Stadt hingegen ist man zufrieden mit dem Vorhaben. Für sein Dafürhalten sei das Projekt aus Sicht der Stadt insgesamt „ohne größere Geräusche durchgegangen“, sagt Bürgermeister Georg Riedmann. Die nachbarschaftlichen Einwendungen seien Sache des Baurechtsamtes gewesen. „Wir sind grundsätzlich dankbar, wenn Wohnraum entsteht, der bezahlbar ist“, so Riedmann. Dies sei auch bei diesem Bauvorhaben der Fall: „Für uns war es eines der üblichen Bauträgerprojekte, ohne größere Besonderheiten.“