Hans Jörg Walter und sein "Orchester der Musikfreunde Markdorf" hatten am vergangenen Samstagabend zu einem Serenadenkonzert eingeladen. Wiederum fand dies in der Stadthalle statt – und nicht etwa im Freien, wie dies ja auch eine Gepflogenheit bei Serenadenkonzerten ist, als abendliches Ständchen mit heiterer Note. Den lockereren, durchaus unterhaltsamen Charakter hatte das Konzert des Musikfreunde-Orchesters dann aber doch. Dank Hans Jörg Walters trefflicher Programm-Auswahl – mit Werken von Ferenc Farkas, Bela Bartok, Joseph Haydn und Franz Schubert.

"Das war sehr, sehr gut", richtete sich Hans Jörg Walter an sein Orchester. Der Dirigent raunte mehr, als dass er laut sprach. Er strahlte. Und dieses Strahlen spiegelte sich im Lächeln auf den Gesichtern der Musiker. Ihre Mienen hatten sich entspannt, während der Beifall des Publikums aufbrandete. Die große Anspannung war vorüber. Zum Schluss, dem programmatischen Finale des diesjährigen Serenadenkonzerts hatten sie Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5 in B-Dur gespielt. Ein wahres Meisterwerk der Klassik – zudem schönes Beispiel für Schuberts überaus differenzierte Satzkunst. Und es hatte einigen Mutes bedurft, dieses kompositorische Juwel aufzugreifen, handelt es sich beim Orchester der Musikfreunde doch um ein Laien-Orchester. Die Musiker sind zwar sehr ambitioniert und überraschen auch immer wieder durch herausragende Leistungen. Aber eine, oder besser diese Schubertsinfonie, das bedeutete dann doch schon ein ziemliches Wagnis.

Indes ist es geglückt. Die Proben-Mühen haben sich gelohnt. Mit quasi selbstverständlicher Geschmeidigkeit entwickelte das Orchester die Motive. Mal dezent zurückgenommen, gleichzeitig locker, dann wieder zupackend, ja energisch. Es war ein köstliches Wogen, motiviert von Walters präzis-zugewandter Art des Dirigierens. Unter Beweis stellen musste er diese Präzision auch beim Zweiten Klavierkonzert G-Dur von Joseph Haydn. Schließlich hatte Hans Jörg Walter dafür Elisa Ringendahl als Pianistin gewonnen. Sie ist eine junge Virtuosin aus Markdorf, die bereits einige Sprossen auf der internationalen Karriereleiter erklommen hat. Elisa Ringendahls interpretatorisches Einfühlungsvermögen leuchtete insbesondere bei den so anmutig schwebend daher kommenden Solo-Partien auf. Die junge Pianistin zeigte einerseits große Geschmeidigkeit in Haydns fließenden Passagen, artikulierte andererseits sehr pointiert, markierte einzelne Töne wie Wegsteine – scheinbar unverrückbar. Und sie bewies eine ausgeprägte Gabe, auf das Orchester einzugehen, was sich an den übrigen Stellen abzeichnete und das Orchester nur noch mehr beflügeln musste. Aber beflügelt war es ohnehin schon – durch Farkas ungarische und durch Bartoks rumänische Tänze, die Walter an den Beginn gesetzt hatte.

Schöne Beispiele für jene Behendigkeit und Grazilität, mit der ländliche Tanz-Weisen in die Kompositionen Bartoks, aber auch des jüngeren Farkas eingeflossen sind. Dirigent Walter hatte den Zuhörern vor Bartoks "Rumänischen Tänzen" einige "heiße Partien" in Aussicht gestellt. Partien, deren Feuer vom Geigensolo Andrea Dierschs nur noch zusätzlich angefacht wurden.

 

Das Programm

  • Ferenc Farkas: Antiche Danze Ungheresi, Bela Bartok: Rumänische Volkstänze, Joseph Haydn: Zweites Klavierkonzert G-Dur, Franz Schubert: Sinfonie Nr. 5 B-Dur. Es spielten Elisa Ringendahl am Klavier und das "Orchester der Musikfreunde Markdorf". Dirigent war Hans Jörg Walter.
  • Elisa Ringendahl wurde 1989 geboren. Sie ist mehrfache Preisträgerin von "Jugend musiziert", gewann den internationalen Wettbewerb "Heirs of Orpheus". 2016 beendete sie ihr musikalisches Master-Studium, außerdem ein Studium in Musikwissenschaft. Sie arbeitet in der Musik-Publizistik und unterrichtet Klavier.