Der ursprüngliche Plan war, zu beschließen, was der Gemeinderat bereits Ende Februar beraten hatte: Den Umbau und die Erweiterung der Jakob-Gretser-Grundschule, für den das Nürtinger Planungsbüro Weinbrenner.Single.Arabzadeh nun der Stadt seine genaueren Kostenrechnungen vorgelegt hatte. Doch es kam anders.

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Kosten galoppieren davon

War vor vier Monaten noch von knapp 23 Millionen Euro die Rede, so veranschlagt die Architgektengemeinschaft nun einen weit höheren Betrag: Aktuell stehen 28,4 Millionen im Raum. Und Bürgermeister Georg Riedmann deutete im Gemeinderat an, dass die Gesamtkosten für das laut Projektplan im Mai 2023 abzuschließende Vorhaben wegen der zu erwartenden Baukostensteigerungen durchaus auch auf 30 Millionen anwachsen könnten. Sein Eingangssatz: „Wir haben ein erhebliches Problem.“ Angesichts dieser Summe und der Steigerung um 30 Prozent müsse man das Vorhaben nochmals grundsätzlich diskutieren und auf den Prüfstand stellen. Seine Devise: „Nicht ohne Diskussion und Innehalten.“ Mit rund 30 Millionen nur für dieses Projekt würde sich die Stadt auf Jahre hinaus finanziell zu stark binden. Vor dem Hintergrund, dass Kämmerer Michael Lissner eher von künftig sinkenden Gewerbesteuereinnahmen ausgehe, gelte es, das Projekt zu überdenken – „sonst sind wir in wenigen Jahren all unsere Rücklagen los“. Riedmann erinnerte die Räte an die Bischofsschloss-Entscheidung: Beim Plan, das Rathaus ins Schloss umzuziehen, habe man geglaubt, auf weitere Diskussionen und ein Innehalten verzichten zu können, so Riedmann. Dies sei im Nachhinein ein Fehler gewesen, den man nun nicht wiederholen sollte.

Christiane Oßwald (UWG): „Wir waren uns nie einig.“
Christiane Oßwald (UWG): „Wir waren uns nie einig.“ | Bild: SK

Oßwald: „Waren uns nie einig“

Unter dem „Versprechen an die Eltern, dass die Schulentwicklung nach wie vor die höchste Priorität besitzt“, verwies der Bürgermeister auf mögliche Grundschul-Alternativen der Verwaltung (siehe Erklärtext). Christiane Oßwald (UWG) begann die Diskussion – indem sie dem Bürgermeister gleich vehement widersprach. Riedmann hatte angeführt, Rat und Verwaltung seien sich bei den bisherigen Beschlüssen zum Schulumbau ja immer „extrem einig“ gewesen. „Wir waren uns nie einig“, sagte Oßwald. Die UWG habe sich der Mehrheit lediglich angeschlossen, da ihre Position überstimmt worden sei. Auch heute setze sich die UWG nach wie vor für einen dritten Standort im Süden der Stadt ein. Die von der Verwaltung angesetzte Sechszügigkeit beider Grundschulen (vier Züge Gretser, zwei Züge Leimbach) bezeichnete sie als unrealistisch: „Das ist doch viel zu sehr auf Kante genäht.“ Die Geburtenrate der vergangenen Jahre zeige, dass man in fünf, sechs Jahren mindestens noch einen siebten Zug brauche. Dann einräumen zu müssen, dass die an der Gretser-Grundschule verbauten 30 Millionen doch das Ziel verfehlt hätten, wäre verheerend.

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Beispiel Oberteuringen

Oßwald monierte, dass die Option 1, die Gretser-Schule zu sanieren, die Grundschule Leimbach zu erweitern und den Neubau einer dritten Schule „auf der grünen Wiese“ im Süden der Stadt zu realisieren, „absichtlich schlecht gerechnet“ worden sei. Die UWG sei überzeugt, dass die Gretser-Grundschule auch für weniger als für zehn Millionen zu sanieren sei. Überdies zeige das Beispiel Oberteuringen, wo man für den Schulneubau 8,8 Millionen einplant, dass sich Grundschulen auch für weniger als die in Markdorf für den dritten Standort veranschlagten 13 Millionen Euro erstellen ließen. Bei dieser Option gebe es also erhebliches Einsparungspotenzial.

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Bitzenhofer: Innehalten ist richtig

FW-Sprecher Dietmar Bitzenhofer begrüßte das Innehalten. „Die Kosten erfordern das, obwohl der bisher an der Jakob-Gretser-Grundschule beschrittene Weg der richtige war.“ Als „solitäres Projekt“ müsste der teure Umbau dort nun hinterfragt werden. Es gelte auch geeignete Sondernutzungsflächen für einen Schulneubau zu suchen, über Alternativen im Bereich um die Gehrenbergsportanlagen nachzudenken und zu prüfen, ob das Pestalozzi-Schulgebäude eine Option sei. Letzteres bezweifelte Riedmann, da der Landkreis, dem das Gebäude gehört, sich selbst noch unklar sei über dessen Zukunft.

Susanne Sträßle (CDU): „Für uns kommt ein neues Schulgebäude nicht in Frage.“
Susanne Sträßle (CDU): „Für uns kommt ein neues Schulgebäude nicht in Frage.“ | Bild: WWW.FOTODESIGN-SINGER.DE

Sträßle: Keine Diskussionen mehr

CDU-Sprecherin Susanne Sträßle lehnte einen dritten Standort kategorisch ab. Die bereits fünf Jahre währende Diskussion sei abgeschlossen, alle Fakten geprüft. Lehrer und Eltern hätten ihre Bedürfnisse dargestellt. Nach einem Umbau der beiden Grundschulen sei deren Zukunftsfähigkeit wieder hergestellt. Und gegen einen dritten Standort im Süden sprächen die damit einhergehenden zusätzlichen Betriebskosten. Stattdessen solle die Stadt gründlich prüfen, ob und wo im bestehenden Konzept noch Einsparungen möglich seien. Sparpotenzial sah Sträßle etwa bei der geplanten zweiten Sporthalle und bei den Ausstattungen. Ob denn ein Industrieparkett sein müsse, stellte sie in den Raum. Riedmann erwiderte, dass es bei solch hohen Mehrkosten von bis zu sieben Millionen Euro nicht mit Parkett oder Wandverkleidungen getan sei. Da müsse man deutlich und großzügig zusammenstreichen. Zudem frage sich die CDU auch, wie die nun plötzlich aufgetauchten Mehrkosten zustande gekommen seien. „Wir sollten prüfen, welche Gewerke diese Kostenexplosion verursacht haben“, mahnte auch FW-Rat Arnold Holstein an.

Mahnender Fehler aus der Vergangenheit: Schon der vor wenigen Jahren neu erstellte Mensa-Anbau war zu klein dimensioniert. Damals hatten Verwaltung und Gemeinderat die Pläne aus Kostengründen zusammengestrichen.
Mahnender Fehler aus der Vergangenheit: Schon der vor wenigen Jahren neu erstellte Mensa-Anbau war zu klein dimensioniert. Damals hatten Verwaltung und Gemeinderat die Pläne aus Kostengründen zusammengestrichen. | Bild: Jörg Büsche

Achilles: Vergleiche hinken

SPD-Chef Uwe Achilles bezweifelte die Vergleichbarkeit der im Raum stehenden drei Optionen. Zu verschieden seien die jeweiligen Bedingungen. „Das wäre wie ein Vergleich von Erdbeeren mit Himbeeren und Blaubeeren.“ So rührten die hohen Kosten der Gretser-Pläne doch auch vom Wunsch her, die dortigen Frei- und Grünflächen zu erhalten, was zu teuren Bauten im Erdreich nötige. Achilles erinnerte auch daran, dass die Stadt bisher noch nicht über das für einen dritten Standort nötige Grundstück verfüge. Für sein Dafürhalten gebe es zu viele Unwägbarkeiten, die SPD plädiere für eine Umsetzung der bisherigen Planung.

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Riedmann stellte abschließend klar: Falls vom bisherigen Plan, die vorhandenen Grundschulen zu erweitern beziehungsweise umzubauen, abzuweichen wäre, komme für die Verwaltung nur Option 1 in Betracht, mit Erweiterung in Leimbach, Umbau der Gretser-Schule und einem dreizügigen Neubau auf der „grünen Wiese“.

Die Chronologie

Im Gemeinderat: 15 Beratungen mit elf Beschlüssen (vier zur Kenntnisnahme) gab es bisher im Gemeinderat zur Gretser-Schule. Eine Auswahl: März 2015 Flächenbedarfsermittlung, September 2015 Aufstellung eines Raumprogrammes, April und September 2016 Beratungen übers weitere Vorgehen, Mai 2017 Beschluss über die Grundlage der pädagogischen Konzeption, Juli 2917 Beschluss über das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb Architekten, Dezember 2017 Ergebnis und Vergabe von Architektenleistungen, Juli 2018 Stufenweise Beauftragung der Leistungsphasen 1 bis 3, November 2018 Konzeption zur Neuordnung der Grundschülerbetreuung, Februar 2019 Beschluss über den Abschluss des Vorentwurfs, Juli 2019 Alles wird wieder auf Null gesetzt.

Die ersten Schritte: Bereits 2014 wurden die ersten Schritte vollzogen, mit der Untersuchung für eine Erweiterung der Grundschule um eine Sporthalle. Parallel zur Gretser-Schule wurde auch die Planung für den Umbau der Grundschule Leimbach aufgenommen. Die aktuelle Kostenberechnung von 28 Mio. Euro bedeutet einen Anstieg um rund 30 Prozent gegenüber der ersten Schätzung von 19,6 Mio. Euro im Juli 2017.

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