Von Bauhaus weit und breit keine Spur. Jedenfalls in Markdorf nicht, so merkt eine Dame unter dem Regenschirm während eines Rundgangs anlässlich des Tages des offenen Denkmals an.

Vortrag zum Aktionstag im Rathaus-Foyer

Vor wenigen Minuten hat Hermann Zitzlsperger, Regionalhistoriker, Sachverständiger für alle Fragen der Kunst, seinen Vortrag zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ beendet.

Hermann Zitzlsperger (links) erläutert Besuchern im Rathaus-Foyer, wie Markdorf vor dem Stadtbrand zwischen Kirche und Obertor bebaut war.
Hermann Zitzlsperger (links) erläutert Besuchern im Rathaus-Foyer, wie Markdorf vor dem Stadtbrand zwischen Kirche und Obertor bebaut war. | Bild: Jörg Büsche

Des schlechten Wetters wegen hat der im Foyer des Rathauses stattgefunden. Wo die trotz Regens in stattlicher Zahl erschienen Zuhörer von Zitzlsperger und von Klaus Schiele, dem für die kulturellen Belange der Stadt zuständigen Hauptamtsleiter, zuhörten, wie Schiele eine eher erkenntnis- und geschichtstheoretische Perspektive zog. Und wie Zitzlsperger die überbordende Detailflut in hörergerechte Bahnen lenkte.

Manuela Gutermann: „Mich haben die städtebaulichen Aspekte besonders beeindruckt. Etwa, dass Markdorf nach dem Stadtbrand mehr städtischen Charakter bekommen hat.“
Manuela Gutermann: „Mich haben die städtebaulichen Aspekte besonders beeindruckt. Etwa, dass Markdorf nach dem Stadtbrand mehr städtischen Charakter bekommen hat.“ | Bild: Jörg Büsche

„Modern(e) – Umbrüche in Kunst und Architektur“ lautet das Motto des „Tags des offenen Denkmals“ dieses Mal. Und dies nicht von ungefähr, feiert man doch in Weimar und Dessau das hundertjährige Bestehen des „Staatlichen Bauhauses“, einer Bewegung, die auch die Gestaltung und die Architektur grundlegend veränderte. Sodass sich vielerorts Elemente entdecken lassen, die an diesen Reformansatz erinnern.

Gerhard Huber: „Unglaublich, mit welchem Detailreichtum Hermann Zitzlsperger aufwarten kann. Man bekommt einen Eindruck vom Leben der Menschen damals.“
Gerhard Huber: „Unglaublich, mit welchem Detailreichtum Hermann Zitzlsperger aufwarten kann. Man bekommt einen Eindruck vom Leben der Menschen damals.“ | Bild: Jörg Büsche

Nur nicht in der Markdorfer Innenstadt, merkt die Dame mit dem Schirm an. Wobei auch anzumerken wäre, dass sie keineswegs die einzige war, die bei Hermann Zitzlspergers kleiner Führung durch die Obertorstraße Schutz vor Regen suche. Zitzlsperger weist in die Peripherie. Weniger in der historischen Altstadt, dafür aber in den jüngeren Wohngebieten lassen sich Zitate des Bauhaus-Stils entdecken. Klare Kuben, viel Glas, Flachdächer – Erinnerungen an die Modernen-Bewegung nach 1919.

Mittelalterliche Gesellschaft mit festem Gefüge

Modernität, auch im Sinne von Umbrüchen haben Zitzlsperger und Schiele indes schon vorher eingebracht. Vormodern, das sei die mittelalterliche Gesellschaft gewesen mit ihrem festen Gefüge aus politischer Herrschaft, gesellschaftlicher Stabilität und religiös geprägter Weltanschauung.

Gesellschaftliche Ordnung gerät ins Wanken

Umbrüche gab es zur Zeit der Bauernkriege, als die gesellschaftliche Ordnung ins Wanken geriet. Als die aufständischen Bauern vor den Toren Markdorfs standen und die Bürger forderten, ihrem Anführer zu huldigen. Die wankende politische Ordnung zeichnete sich ab, Badische Revolutionäre schickten sich an, die Monarchie abzuschaffen. Auch sie fanden etliche Sympathisanten in Markdorf, aber kaum aktive Unterstützer.

Nach Brand die Oberstadt neu aufgebaut

Man hielt es wie nach dem Stadtbrand: Man neigte zu Veränderungen, baute die vernichtete Oberstadt mit moderat veränderten Gesicht wieder auf. Große Umbrüche aber gab‘s keine – also auch kein Bauhaus.