Jugendbeteiligung – aber wie? Das war die Frage, die sich rund 50 Jugendliche – überwiegend aus Markdorf – im Sitzungssaal des Rathauses gestellt haben. Mit dabei waren Bürgermeister Georg Riedmann, Vertreter der Gemeinderatsfraktionen und Vereinen. „Dies ist genau der richtige Raum“, erklärte Riedmann, „hier werden die für die Bürger wichtigen Entscheidungen gefällt.“ Von daher müsse der Ratssaal auch Ausgangspunkt für die Jugendbeteiligung sein.

Hasret Cicek: „Hätte nicht gedacht, dass wir so weit kommen. Vereine und die Stadt haben toll mitgemacht, viel Engagement gezeigt.“
Hasret Cicek: „Hätte nicht gedacht, dass wir so weit kommen. Vereine und die Stadt haben toll mitgemacht, viel Engagement gezeigt.“ | Bild: Jörg Büsche

Spätestens im Sommer 2020 soll ein Jugendrat gewählt sein. So lautete der Appell des Bürgermeisters zum Abschluss der samstäglichen Runde. Mit dem Treffen sei das Projekt Jugendbeteiligung endgültig „an den Start gegangen“.

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Riedmann zeigte sich zuversichtlich, dass die nächsten Schritte bis dahin gemacht werden. Großen Wert lege er darauf, dass der nun projektierte Jugendrat sich als „stabil und kontinuierlich arbeitend“ erweist – während eines längeren Zeitraums. Das erfordere aber „anhaltendes Engagement“ der Markdorfer Jugendlichen.

Lena Haas: „Mich hat die Offenheit von Bürgermeister Riedmann gefreut. Er sagt, dass grundsätzlich alle Themen in der Stadt jugendrelevant sind.“
Lena Haas: „Mich hat die Offenheit von Bürgermeister Riedmann gefreut. Er sagt, dass grundsätzlich alle Themen in der Stadt jugendrelevant sind.“ | Bild: Jörg Büsche

Wie die Weichenstellungen hin zu solchem Engagement aussehen könnten, das hatten sich die jungen Leute bei dem Treffen in verschiedenen Arbeitsgruppen ausgemalt.

Vereinsvertreter sollen mit im Boot sein

Uwe Schulz, Vertreter für den SC Markdorf und die Historische Narrenzunft, zeigte sich begeistert von der Atmosphäre und vom zu beobachtenden Engagement im Ratssaal. „Und vergesst nicht, die Vereinsvertreter mit ins Boot zu holen“, riet er. Die nämlich seien gerne bereit, sich einzubringen.

Jugendbeauftragter Jan Münzer im Gespräch mit Hasret und Nick.
Jugendbeauftragter Jan Münzer im Gespräch mit Hasret und Nick. | Bild: Jörg Büsche

„Wir müssen immer wieder zu Events einladen“, lautete der Vorschlag von Evelyn. Das blonde Mädchen erläutert den um sie herum Sitzenden in ihrer Arbeitsgruppe, dass das ein Weg sei, damit Jugendliche bei der Stange blieben.

Gefallen auch an trockenen Themen finden

Wenn sie mitorganisierten, was ihnen gefällt, dann fänden sie sehr wahrscheinlich auch Gefallen an den etwas trockeneren Themen, die in der Markdorfer Kommunalpolitik zur Entscheidung anstehen.

Luis Klauß: „Es gibt noch einiges zu tun. Zum Beispiel bei der Frage, wer sich für den Jugendrat zur Wahl aufstellen lassen darf.“
Luis Klauß: „Es gibt noch einiges zu tun. Zum Beispiel bei der Frage, wer sich für den Jugendrat zur Wahl aufstellen lassen darf.“ | Bild: Jörg Büsche

Diskutiert wurde an den vier Tischen im großen Sitzungssaal, welche Rechte und welche Pflichten ein Jugendrat besitzen könnte? Wie die Jugendbeteiligung überhaupt aussehen – wie sich seine Zusammenarbeit mit der Verwaltung gestalten und wie er überhaupt gewählt werden könnte, waren weitere Diskussionspunkte in den Arbeitsgruppen.

Nick Blassmann: „Mich interessiert das Thema Jugendbeteiligung in der Stadt schon länger. Es braucht ein Konzept, das die Rechten und Pflichten regelt.“
Nick Blassmann: „Mich interessiert das Thema Jugendbeteiligung in der Stadt schon länger. Es braucht ein Konzept, das die Rechten und Pflichten regelt.“ | Bild: Jörg Büsche

„Einfach ausprobieren“, lautete der Vorschlag von Jonas Alber, seit dieser Sitzungsperiode UWG-Mitglied im Gemeinderat. Wichtig sei, dass überhaupt gewählt werde, die Modalitäten könnte man später anpassen. An das, was sich als sinnvoll erwiesen habe.

„Wenn die 25-Jährigen mitwählen dürfen, dann aber keiner an die Urne kommt, kann man sie ja später wieder herausnehmen“, war Albers Vorschlag.

Die Arbeitsgruppen präsentieren ihre Ergebnisse.
Die Arbeitsgruppen präsentieren ihre Ergebnisse. | Bild: Jörg Büsche

Linda Staerke skizziert, wie die Jugendbeteiligung funktionieren könnte. „Der Jugendrat wäre ein Gremium, das im Dialog mit dem Bürgermeister, dem Gemeinderat und der Verwaltung steht.“ Er hätte dann beratende Funktionen bei allen Themen, die die Jugend angehen.

Und an geht die Markdorfer Jugend eigentlich alles in der Stadt, so hatte Bürgermeister Riedmann in der Runde erklärt. Sein Wunsch wäre zum Beispiel gewesen, dass sich die Jugendlichen stärker in die Bischofsschloss-Diskussion eingebracht hätten.

Schließlich sei es dabei um Entscheidungen für ihre Zukunft gegangen, weniger für die der Über-60-Jährigen, den tatsächlichen Diskussionsführern bei diesem Thema.

Das Für und Wider des Jugendgemeinderats im Detail – als Ergebnis der Diskussionen.
Das Für und Wider des Jugendgemeinderats im Detail – als Ergebnis der Diskussionen. | Bild: Jörg Büsche

Es war keineswegs der erste Anlauf in Sachen Jugendbeteiligung. Schon vor vier Jahren hatten sich Jugendliche in der Stadthalle getroffen, um über Jugendthemen, unter anderem auch über einen Jugendrat oder einen eigenen Jugendgemeinderat, zu diskutieren.

Erste Schritte waren im Sand verlaufen

Diese ersten Schritte, so erinnerte der Bürgermeister, seien dann aber im Sande verlaufen. Ein Grund sei die mehrfach unterbrochene Kontinuität im städtischen Jugendreferat gewesen.

Insgesamt hat es vier Themenkreise beim Treffen im Ratssaal gegeben.
Insgesamt hat es vier Themenkreise beim Treffen im Ratssaal gegeben. | Bild: Jörg Büsche

Mittlerweile laufen die Arbeitsprozesse in den Händen von Jan Münzer, Jugendbeauftragter, und Jugendreferen Ralf Waldenmayer reibungslos und laut Riedmann vor allem „stabil“.

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Unter der Mitarbeit mehrerer Jugendlicher entwickeln die beiden seit einigen Wochen das Verfahren, die Markdorfer Jugend am Entscheidungsprozess der für sie relevanten Themen zu beteiligen. So sollen Wege zu mehr Jugend-Engagement gefunden werden.