Die Stadt Markdorf will die Schulträgerschaft am Bildungszentrum (BZM) neu regeln. Dieser Schritt ist notwendig geworden, weil die von ihr bislang getragene Werkrealschule in dem neu gebildeten Schulverbund aus Real- und Werkrealschule aufgegangen ist. Bis jetzt beteiligt sich die Stadt mit 22 Prozent an den am BZM anfallenden Kosten. Künftig wird sich dieser Anteil auf 43 Prozent steigern. Die Gemeinderäte stimmten zu, diesen von den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags sowie des Markdorfer Gemeinderats mit ausgehandelten Kompromiss weiter zu verfolgen. Vor einem endgültigen Beschluss wird der Leiter des Kreis-Bau- und Liegenschaftsamts, Harald Betting, die Verbindlichkeiten näher erläutern, die der Stadt aus der Neuregelung der Schulträgerschaft am BZM erwachsen.

"Das war uns allen klar, was auf uns zu kommt", erklärte Bürgermeister Georg Riedmann. Er erinnerte an die Situation vor vier Jahren, als es darum ging, die Schulentwicklung am Bildungszentrum voranzubringen – und man ein Zwei-Säulen-Modell ins Auge fasste. Als Unterzentrum müsse Markdorf kein Gymnasium finanzieren, sich sehr wohl aber am Schulverbund aus Real- und Werkrealschule beteiligen, legte der Bürgermeister dar. Dies gehöre zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde.

Auf den Gemeinderat kommt noch eine weitere Entscheidung zu. Zu regeln ist, welche Rolle die alte Sporthalle am BZM künftig spielen wird. Als einzige im Landkreis verfüge sie über Zuschauertribünen, erklärte Riedmann. Warum auch immer, sei sie aber nicht als sogenannte Versammlungsstätte abgenommen. Um diesen Status zu erreichen, müssten eine Reihe Ergänzungen vorgenommen werden – etwa im Brandschutzbereich. Entschiede sich der Rat dagegen, um Kosten zu sparen, "wird es in Markdorf keine öffentlichen Sportveranstaltungen mehr geben", so der Bürgermeister. Ein Ausbau zur Versammlungsstätte für bis zu 800 Personen schlage mit 660.000 Euro zu Buche, rechnete Riedmann vor. Ein weiterer Kostenfaktor ergibt sich aus dem Investitionsstau im Bildungszentrum. Dort wurden in den vergangenen Jahren zwar sämtliche Klassenräume schrittweise saniert. Keine Sanierung erfuhren dagegen die Räume für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht. Hier würde der Kreis 78 Prozent der Kosten tragen.

Mit Blick auf den Verlauf der Verhandlungen erklärte der Bürgermeister: "Im Vergleich zur Ausgangslage haben wir viele große Schritte zu unserem Vorteil gemacht." Trotzdem formulierte Arnold Holstein von den Freien Wählern etliche kritische Einwände. Er befürchtet, dass "durch die Neuregelung der Schulträgerschaft sehr hohe Kosten auf die Stadt zukommen werden". Schockiert zeigt sich Holstein von der Äußerung einer Kreisrätin. Sie habe Begehrlichkeiten in Richtung Markdorf geäußert, die Stadt sei reich, da gebe es was zu holen. Eine gewisses Unbehagen brachte Christiane Oßwald von der Umweltgruppe zum Ausdruck.

"Kann es gerecht sein, wenn der Kreis für alle Schüler bezahlt, nicht aber für diejenigen, die aus Markdorf kommen?" Simon Pfluger (CDU) kommentierte die Versicherung Riedmanns, dass nach dem Abarbeiten des Investitionsstaus auf längere Sicht keine weitere Ausgaben an den BZM-Schulen entstünden, mit der Prophezeiung: "Wenn eines gewiss ist, so lehrt uns die Erfahrung mit Schulen, dann dies: Es werden weitere Kosten auf uns zukommen." Am Ende aber stimmten die Räte zu. Der Vertrag zur neuen Kostenträgerschaft wird weiter vorbereitet. Am 14. November folgt die eingehendere Erörterung.