Pfullendorf/Überlingen/Heiligenberg – Der geplante Windpark in Hilpensberg, der in den Wäldern der Spitalstiftung Überlingen entstehen soll, sorgt seit vielen Monaten für Wirbel. Gegen den Bau hat sich bekanntlich eine Bürgerinitiative gegründet und Anwohner protestieren auch gegen den Betrieb der drei schon in Betrieb befindlichen Windräder. Aktuell werden die notwendigen Gutachten erstellt, um weitere Windmühlen bei Hilpensberg zu platzieren.

Gutachten über Vögel

Die Genehmigungsbehörde verlangt unter anderem ein vogelkundliches Gutachten, deren Erstellung in etlichen Kommunen sehr kritisch gesehen wird. So legte die Stadt Pfullendorf ihre Windparkpläne in der Region ad acta, weil die Schutzradien zu Horsten des streng geschützten Rotmilans nicht eingehalten werden konnten. Und nun überprüfen die potenziellen neuen Windkraftbetreiber erneut die Milanpopulation in den Wäldern, wobei die Untersuchungsmethoden und Bewertungskriterien durchaus umstritten sind.

Expertenforum mit Windmüllern

Auch deshalb findet am kommenden Montag, 2. Juli, 19.30 Uhr, in der Andelsbachhalle in Denkingen ein Expertenforum unter dem Titel „Windenergie und Vogelschutz“ statt. Mit dabei sind Experten für Vogelkunde und Vogelschutz, Gutachter Johann Senner vom gleichnamigen Überlinger Planungsbüro und Vertreter aus dem Gutachterteam der Windparkbetreiber beziehungsweise -investoren Abo Wind und VenSol.

Veranstalter sind die Pfullendorfer und Heiligenberger

Man wolle nochmals alle relevanten Themen aufzeigen, erklärt Pfullendorfs Bürgermeister Thomas Kugler, warum die beiden Kommunen die Veranstaltung durchführen. „Wir wollen die Methode zeigen, nach welchen Entscheidungskriterien ein Genehmigungsverfahren abläuft“, nennt der Rathauschef im SÜDKURIER-Gespräch als Beispiel den Infraschall, wo aufgezeigt werden soll, wie dieses Thema von den Genehmigungsbehörden bewertet wird. Einen Einfluss auf die Entscheidung des Landratsamtes habe die Veranstaltung nicht, wobei nach Angaben von Kugler die potenzielle Betreiberfirma des neuen Windparks, die Firma VenSol, ihren Genehmigungsantrag erst nach den Sommerferien bei der Behörde stellen will.

Gegengutachten der Gemeinden

Zu diesem Antrag gehört auch ein artenschutzrechtliches Gutachten, bei dem der Rotmilan eine wichtige Rolle spielt. Bekanntlich haben Pfullendorf und Heiligenberg ein eigenes artenschutzrechtliches Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Untersuchungsergebnis allerdings erst im Herbst vorliegt. Grund ist, dass die im März begonnene Milanbeobachtung bis Ende August bzw. Anfang September dauert.

Solidaritätserklärung Richtung Hilpensberg kommt aus Überlingen

  • Die politische Gruppierung "BÜB+" aus Überlingen erklärt sich mit den Gegnern weiterer Windkraftanlagen auf dem Hilpensberg solidarisch. "Wir lehnen Windkraftanlagen nicht grundsätzlich ab. Vor allem offshore können sie einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung leisten", schreibt die BÜB+ in einem Pressetext nach Veröffentlichung des Zeitungsberichts "Windkraftgegner sieht Risiken für Stadt" (SÜDKURIER vom 22. Juni). "Im Landesinneren geraten sie aber schnell in Konflikt mit dem Landschafts- und Naturschutz, wie auch mit der betroffenen Bevölkerung, deren Lebensqualität massiv beeinträchtigt werden kann", so die Auffassung der Gruppierung um Dirk Diestel und Roland Biniossek.
  • Die Forderung nach Rücksichtnahme auf die Interessen der Bewohner auch außerhalb der eigenen Gemarkung sei in den Leitlinien der BÜB+, die bei den Kommunalwahlen 2019 antreten möchte, verankert. "Ein finanzieller Vorteil für den Spital- und Spendfonds der Stadt Überlingen darf keinesfalls zu Lasten der Betroffenen realisiert werden. Oberbürgermeister und Gemeinderat hatten sich in der Vergangenheit deutlich gegen Windkraftanlagen im Nesselwanger Tal ausgesprochen. Eine Politik nach dem Sankt-Floriansprinzip wird abgelehnt." Hinzu komme die Befürchtung, dass ein Ertrag durch die projektierten Windanlagen kaum zu erwarten sei. Die BÜB+ fordert der Spital- und Spendfonds dazu auf, vorhandene Ertragsberechnungen und die Konditionen der Verpachtung offen zu legen.
  • Auf Presseanfrage hatte die Stadtverwaltung Überlingen vergangene Woche mitgeteilt, dass sie, was artenschutzrechtliche und wirtschaftliche Bedenken betrifft, nicht der richtige Adressat sei. "Der Spital- und Spendenfonds ist nur Verpächter der Fläche. Das wirtschaftliche Risiko liegt beim Betreiber." Genehmigungsbehörde sei das Landratsamt Sigmaringen. "Deshalb steht der Stadtd Überlingen eine Beurteilung von artenschutzrechtlichen Argumenten nicht zu." (shi)