Herr Dimmeler, die Winzer sehen sich offenbar zur Zeit mit einigen Problemen konfrontiert?

Ja, das Volksbegehren, der von uns eingebrachte Volksantrag und das sogenannte Eckpunktepapier der Regierung sind bei uns derzeit ganz klar die vorherrschenden Themen.

Was stört sie denn am Artenschutz?

Gar nichts, im Gegenteil: Wir Landwirte treten ja schon lange aktiv für den Schutz der Arten ein. Gerade im Weinbau setzen wir dabei schon seit Beginn der 90-er Jahre auf umweltfreundliche Techniken, etwa die Verwirrmethode bei den Traubenwicklern, säen blühende Pflanzen und Bienenweiden ein und behandeln im Obstbau bei Schädlingsbefall die Bäume mit sehr selektiven und nützlingsschonenden Mitteln. Es gibt sehr gute Studien, die belegen, dass der Pflanzenschutz nur eine untergeordnete Ursache für das Artensterben ist. Die tatsächlichen Ursachen sind vielfältiger. Das Volksbegehren wurde durch das Eckpunktepapier der Landesregierung im Moment zurückgezogen. Das Eckpunktepapier ist ein sehr guter Ansatz, die Insekten zu fördern. Jedoch ist es fachlich und sachlich nicht richtig gemacht. Pauschale Forderungen nach Mittelreduzierungen sind nicht einfach so machbar und nicht zielführend.

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Aber das Volksbegehren beziehungsweise jetzt das Eckpunktepapier fordert eine pauschale und starke Reduzierung aller Mittel; herkömmliche Fungizide sollen zum Beispiel durch den Einsatz von Kupferpräparaten reduziert werden, welche aus meiner Sicht wesentlich schädlicher sind. Den zulässigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Tonnagen festzuschreiben, ist völliger Schwachsinn! Es gibt Mittel, da braucht man 85 Gramm auf den Hektar; bei Präparaten wie Schwefel, der ja auch im Biobereich eingesetzt wird, liegt die Aufwandmenge zum Beispiel bei 3,6 Kilogramm pro Hektar. Man darf den fachlich und sachlich richtigen Weg nicht aus ideologischen Gründen und aus politischen Motiven heraus verlassen!

Wie sieht es mit umweltfreundlichen Alternativen aus?

Ich sehe die Zukunft im Anbau von resistenten Pflanzen. Damit ist es tatsächlich möglich, Pflanzenschutzmittel in größerem Stil einzusparen. Jedoch müssen diese neuen Wein- und Apfelsorten dann auch die Akzeptanz der Verbraucher finden. Leider wurden in den vergangenen Jahren die Gelder für Forschung und für staatliche Institutionen, wie zum Beispiel beim KOB in Bavendorf, sehr stark zurückgefahren. Züchtung findet fast nur noch auf privater Ebene statt. Vielleicht gibt es ja auch in näherer Zukunft Pflanzenschutzmittel, die noch umweltfreundlicher sind. Um es zusammen zu fassen: Wir wollen einen besseren Artenschutz, der aber auch uns Landwirten ein wirtschaftliches Überleben ermöglicht. Leider waren unsere Vertreter, anders als vom Minister Hauck behauptet wird, beim Erarbeiten des Eckpunktepapieres nicht dabei.

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Wie betrifft der Klimawandel die Landwirte am Bodensee?

Wir merken die Veränderungen von Jahr zu Jahr. Zum einen haben wir häufiger Unwetter, wie Starkregen oder Hagel. Dann haben wir immer häufiger lange Trockenphasen mit hohen Temperaturen. Im Jahresschnitt können wir einen kontinuierlichen Anstieg der Temperaturen feststellen. Bisher gibt es für den Bodensee eher Vorteile: Wir können jetzt Sorten anbauen, die wegen der Höhenlage der Region früher nicht möglich waren. Das trifft vor allem auf einige Rotweinsorten zu. Andererseits brauchen wir eine bessere Risikovorsorge bei der Frost- und Hagelversicherung. Ab diesem Jahr soll es deshalb vom Land Unterstützung dafür geben.

Wie soll sich die Einteilung der Güteklassen ändern?

Das stimmt. Damit denkt man an den Verbraucher und passt sich internationalen Gepflogenheiten an. Mit Bezeichnungen wie „Spätlese“ oder „Kabinett“ kann der Kunde nicht viel anfangen. Deshalb werden wir in Deutschland vermutlich auch auf das „romanische Modell“ umsteigen, das sich an den Anbaugebieten und Lagen orientiert. Wie das konkret aussehen soll, wird gerade diskutiert. Das Prinzip ist aber klar: Wird nur das Anbaugebiet genannt, Bodensee, dann ist es ein normaler Wein, die nächste Stufe wäre zum Beispiel eine Großlage wie westliches Nordufer, gefolgt vom Ort wie Hagnau und einer besonderen Lage wie zum Beispiel Burgstall. Je kleiner der Bereich, desto höher sind die Ansprüche an die Qualität.

Zur Person

Fabian Dimmeler aus Hagnau.
Fabian Dimmeler aus Hagnau. | Bild: Uwe Petersen

Fabian Dimmeler sitzt für die Freien Wähler im Hagnauer Gemeinderat. 15 Jahre lang war er Vorsitzender des badischen Winzerverbands für den Bereich Bodensee. Außerdem ist er im Vorstand des Winzervereins Hagnau. Dimmeler ist Winzermeister und Obstbauer in Hagnau.

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