Erich Wölk ist die Enttäuschung am Telefon anzumerken. „Wir probieren, dass die Kinder trotzdem ihren Nikolaus bekommen und wir ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfen“, sagt er. Der 63-Jährige schlüpft bereits seit 40 Jahren am 6. Dezember in die Rolle des Nikolaus. Besuche in Familien seien in diesem Jahr mitten in der Corona-Pandemie aber gar nicht so einfach, da der Nikolaus immer von Knecht Ruprecht begleitet wird und beide bereits aus zwei Haushalten kommen. Denn die aktuelle Corona-Verordnung schreibt vor, dass sich höchstens zehn Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen.

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Wie die Nikolausbesuche unter Corona-Regeln ablaufen sollen

Von Seiten des Landratsamts gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine pauschale Empfehlung, die Nikolausbesuche abzusagen, teilt Pressesprecher Robert Schwarz mit. „Vorausgesetzt, dass Abstände eingehalten werden, die Besuche an der frischen Luft stattfinden und man sich nicht zu nahe kommt, damit keine Übertragungswege entstehen“, sagt Schwarz. Da sich wegen der derzeitigen Lage kurzfristig alles nochmal ändern kann, gilt die Empfehlung für Besuche der ehrenamtlichen Nikoläuse aber nur vorläufig.

Die Nikolausgilde hat bereits ein entsprechendes Hygienekonzept ausgearbeitet und wird voraussichtlich mit vier Paaren unterwegs sein. Die Besuche finden ausschließlich draußen statt, zum Beispiel im Hof, an der Straße vor dem Haus, im Garten oder auf einem Parkplatz, damit der Abstand von zwei Metern eingehalten werden kann.

Ein Teil des Teams der Nikolausgilde Friedrichshafen. Das Kostüm kostet circa 400 Euro, der Bart 300 bis 350 Euro, sagt Mitglied Erich Wölk.
Ein Teil des Teams der Nikolausgilde Friedrichshafen. Das Kostüm kostet circa 400 Euro, der Bart 300 bis 350 Euro, sagt Mitglied Erich Wölk. | Bild: Nikolausgilde Friedrichshafen

Wetter muss mitspielen

Trotz der kalten Temperaturen kann Wölk dem alternativen Besuch etwas Positives abgewinnen. „Draußen kann es auch nett sein mit einer Feuerschale und wenn Schnee liegt. Das hatte ich schon mal bei einem Besuch einer Familie in den vergangenen Jahren. Das war so was Tolles“, schwärmt er. Wenn das Wetter allerdings nicht mitspielt, behalten sie es sich vor, kurz vorher abzusagen.

Außerdem wird aufgrund der fehlenden Privatsphäre unter freiem Himmel auf das Austeilen von Lob und Tadel verzichtet. „Wir werden dann mehr über den Nikolaus erzählen. Da er keine Märchenfigur ist, sondern tatsächlich gelebt hat, gibt es vieles zu berichten“, sagt Berthold Schwarz. Er ist Gründungsmitglied der Nikolausgilde. Er hofft, dass durch die Erzählungen der Austausch mit den Kindern intensiver wird, trotz des Abstandes.

„Wir haben gemeinsam beschlossen, nicht mit Maske anzutreten, da es bei unseren Bärten nicht möglich ist. Der Oberlippenbart ist angeklebt und somit können wir unter dem Bart keine Maske tragen, nur über dem Bart, sagt Berthold Schwarz, Gründungsmitglied der Nikolausgilde.“
„Wir haben gemeinsam beschlossen, nicht mit Maske anzutreten, da es bei unseren Bärten nicht möglich ist. Der Oberlippenbart ist angeklebt und somit können wir unter dem Bart keine Maske tragen, nur über dem Bart, sagt Berthold Schwarz, Gründungsmitglied der Nikolausgilde.“ | Bild: Jud, Marcel

Kirchengemeinde St. Columban in drei Teams unterwegs

Die Häfler Kirchengemeinde St. Columban handhabt es wie die Nikolausgilde: Nur Besuche im Freien, sprich im „Coronamodus“, schreibt Angelika Fischer vom Pfarramt St. Columban. Die Familien seien bereits im Vorfeld über die Maßnahmen informiert worden. „Unsere drei Teams sind nur am 5. und 6. Dezember unterwegs und bereits bis auf zwei Termine ausgebucht“, so Fischer.

Eine andere Lösung hat die St. Jodokus Kirchengemeinde in Immenstaad. Wer sich angemeldet hat, bei dem wird der Nikolaus am Haus vorbei laufen, am Fenster winken und etwas in den Briefkasten werfen. „Mal schauen, wie das alternative Angebot angenommen wird. Ganz ausfallen zu lassen wäre schade“, sagt Monika Birkhofer, Pfarrgemeinderätin und Mitglied im Gemeindeteam.

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Von der Caritas kommt kein Nikolaus vorbei

Dem Familientreff der Caritas Bodensee-Oberschwaben ist das Risiko hingegen zu hoch, von Haus zu Haus zu gehen. Normalerweise sind sie in drei Teams in etwa vierzig Haushalten unterwegs. „Unser Anliegen ist das Brauchtum in die Familie zu tragen. Ein Besuch vom Nikolaus, wie es sich viele vorstellen, ist dieses Jahr nicht möglich. Man kann nicht nah zu den Menschen kommen oder ein Bild machen, wie es sich Kinder oft wünschen“, begründet Elmar Pfund, Mitglied im Nikolaus-Team, die Entscheidung.

Nikoläuse des Familientreffs der Caritas.
Nikoläuse des Familientreffs der Caritas. | Bild: Caritas

Auch das Deutsche Rote Kreuz sagt Nikolausbesuche ab

Zwanzig Freiwillige hatten sich schon als Nikolaus gemeldet, aber das Organisationsteam des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat sich dazu entschieden, aufgrund der Beschränkung auf zwei Haushalte und der Ungewissheit abzusagen. „Zwar ist die neue Coronaverordnung befristet bis zum 30. November 2020, aber niemand weiß, was kommen wird. Werden die Regeln noch weiter verschärft oder doch gelockert?“, schreibt Gerhard Krayss, Geschäftsführer des Kreisverbands Ravensburg, in einer Pressemitteilung.

„Wie gerne hätten wir auch dieses Jahr wieder die leuchtenden Kinderaugen gesehen und allen Familien den Gruß vom Nikolaus ausgerichtet.“
Gerhard Krayss, Geschäftsführer des Kreisverbands Ravensburg