Eine Menschenmenge geht in Richtung Katamaran, Spaziergänger bummeln an der Promenade, Händler bauen ihre Stände auf dem Weihnachtsmarkt auf, dazwischen schlängeln sich Passanten hindurch. Es ist 11 Uhr, auf einzelnen Handys ploppt eine Warnung auf, bei den Feuerwehrleuten am Infostand auf dem Buchhornplatz erfolgt die Warnung über die installierten Apps mit hörbarem Warnton.

Cell Broadcast und eine Durchsage Video: Lena Reiner

Ein Blick auf die Menschen im Umfeld zeigt allerdings: Die meisten Smartphones sind in der Tasche geblieben.

Eine Schlange vor dem Katamaran um 11 Uhr. Als die Warnmeldungen abgesetzt werden, bleiben viele Handys in der Tasche.
Eine Schlange vor dem Katamaran um 11 Uhr. Als die Warnmeldungen abgesetzt werden, bleiben viele Handys in der Tasche. | Bild: Lena Reiner

Der neue Cell Broadcast geht auch denkbar leise über die Bühne, sofern das eigene Smartphone nicht sämtliche Benachrichtigungstöne laut eingestellt hat. Dem ersten Eindruck nach sind sowohl die Warnungen über Apps als auch der Cell Broadcast zuverlässig, auch wenn letzterer nur geeignete Smartphones erreichen soll.

So schaut die aufgeklappte Nina-Meldung aus.
So schaut die aufgeklappte Nina-Meldung aus. | Bild: Lena Reiner

Auch sonst bleibt es ruhig, bis die Feuerwehr eine Minute nach 11 Uhr eine kurze Zeit lang über ihren Kugellautsprecher am Ufer vor dem Zeppelin Museum den Probealarm mit Sirenen abspielt. Die lauten Warntöne lassen ein paar Vögel auffliegen. Ein Mann presst sich seine Handschuhhände auf die Ohren und eilt schnell vorbei, ein paar Köpfe drehen sich, eine Frau beginnt zu rennen. Die Resonanz ist deutlich größer als auf die Handywarnungen.

Sirenentöne vom Feuerwehrauto Video: Lena Reiner

Sirenen ziehen größere Aufmerksamkeit auf sich

Passantin Monika Helbig kommentiert: „Das sind ja altbekannte Töne!“ Sie ist auf dem Dorf in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen. Den Alarm verbindet sie mit ihrer Kindheit und Jugend. „Das war okay so“, erzählt sie von früher, „da haben wir alle sofort gewusst, wie wir uns zu verhalten haben.“ Ob sie froh sei, dass die Warnklänge nun wieder ertönten? „Ein Stück weit schon, weil man damit unabhängig von Handytechnik und Stromversorgung ist – die Sirenen waren ja früher auch über Notstrom versorgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Eben über die Versorgung im Notfall klärt auch Steffen Schmidt, der kommunale Sachgebietsleiter für Zivil- und Katastrophenschutz der Feuerwehr, gemeinsam mit seinen Kollegen an einem Stand auf.

Steffen Schmidt ist Sachgebietsleiter für Zivil- und Katastrophenschutz auf kommunaler Ebene.
Steffen Schmidt ist Sachgebietsleiter für Zivil- und Katastrophenschutz auf kommunaler Ebene. | Bild: Lena Reiner

Das Interesse an dem Stand war schon vor den lauten Tönen groß. Manche hatte der Aufbau daran erinnert, dass heute der Warntag stattfindet – so wird es im Vorbeigehen kommentiert und gemurmelt. Andere fragen gezielt nach und die Feuerwehrleute erklären gern; was für Notfälle eintreten können und wie man sich entsprechend vorbereiten kann.

Der Infostand der Feuerwehr zieht schon vor dem Probealarm neugierige Passanten an.
Der Infostand der Feuerwehr zieht schon vor dem Probealarm neugierige Passanten an. | Bild: Lena Reiner

Dabei – so betont Schmidt – gehe es weniger um den großen Blackout, der derzeit in aller Munde sei, sondern um Katastrophenszenarien, die eher eintreten könnten. Hochwasser etwa oder starker Schneefall sind die Themen, die sie hier konkret ansprechen.

Das Team am Infostand (von links): Steffen Schmidt, Christian Müller, Alexander Tobeländer und Sebastian Wagner
Das Team am Infostand (von links): Steffen Schmidt, Christian Müller, Alexander Tobeländer und Sebastian Wagner | Bild: Lena Reiner

Auch empfehlen die Fachleute die Installation der Warn-App Nina – eben jene, die je nach Nutzereinstellungen um 11 Uhr auch lautstarke Warntöne abgegeben hat. Schmidt ergänzt: „Für den Cell Broadcast, der jetzt heute neu getestet wird zur Warnung, ist es wichtig, dass das Smartphone geeignet ist. Daher sollte man auf jeden Fall darauf achten, die Firmware immer aktuell zu halten.“

Das könnte Sie auch interessieren

11.15 Uhr – immer noch in der Häfler Innenstadt – läuft der Alltag schon wieder ganz normal weiter, auch die lauten Töne scheinen vergessen. Nur kurz wird die Ruhe unterbrochen, denn ein einzelnes Smartphone spielt plötzlich einen Warnton ab. „Wir wissen doch schon Bescheid“, kommentiert die Besitzerin und wischt beiläufig übers Display.

Das Fazit der Stadt

„Wir sind zufrieden damit, wie der Warntag in Friedrichshafen gelaufen ist. Geschätzt sind rund 200 Menschen am Stand der Feuerwehr auf der Bodensee-Weihnacht vorbeigekommen“, resümiert eine Sprecherin der Stadt am Freitagnachmittag. Viele seien überrascht gewesen, dass die Feuerwehr vor Ort war. Die Resonanz sei jedoch durchweg positiv ausgefallen. „Bei manchen herrschte offenbar noch Verwirrung, warum die Warnmeldung nicht über das sogenannte Cell Broadcast auf dem eigenen Handy ankam. Mutmaßlich lag es vor allem an den fehlenden Updates der Smartphones oder auch daran, dass die Mobiltelefone im Schweizer Netz eingewählt waren, was an der Uferpromenade häufiger passiert.“ Auch beim Bespielen der städtischen Kommunikationskanäle habe alles reibungslos geklappt. Dennoch habe die Stadt einige Punkte gefunden, „wie wir unsere Online-Meldungen noch besser machen können“.

Keine Sirenen in Immenstaad

In Immenstaad blieb am Warntag um 11 Uhr alles ruhig, berichtet Leser Helmut Hubert. „Ich habe auch keine umliegenden Ortssirenen gehört.“ Auf Testmeldungen auf seinen Smartphones und Tablets wartete er zunächst vergeblich. Hubert nutzt Katwarn, eine Service-App zur Übermittlung von Gefahren- und Katastrophenwarnungen innerhalb Deutschlands, mit der sich auch via SMS Meldungen für das eigene Postleitzahlengebiet empfangen lassen. „Um 11.50 Uhr zeigte sich zuerst keine aktive Meldung. Dann kam ein Fenster, um die ‚Testwarnung‘ zu produzieren.“ Ergebnis sei eine Endlosschleife mit diesem Fenster gewesen; nach zehn Minuten und mehrmaligem Starten kam dann doch verspätet die Alarmierung, berichtet er.