Das Kulturhaus Caserne in Friedrichshafen setzt auf Veranstaltungen im Freien. Die noch junge Bühne im Innenhof, die im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde, bewährt sich jetzt. „Wir können hier alles machen: Kabarett, Theater, Konzerte“, erklärt Claus-Michael Haydt. Der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH hinter dem Kulturhaus freut sich, dass wieder Veranstaltungen stattfinden können: „Kultur ist gerade in diesen Zeiten absolut wichtig, auch als gesellschaftlich verbindendes Element.“

Für Innenhofveranstaltungen werden je 80 Karten verkauft

Gleichzeitig sei es ihm wichtig, den Infektionsschutz ernstzunehmen: „Wir haben unser Hygienekonzept an die Stadt zur Abnahme ­geschickt.“ Bereits am 12. März hatte das Kulturhaus sämtliche Veranstaltungen für März und April abgesagt, ergänzt Sylvio Godon. Für die Veranstaltungen im Innenhof würden je 80 Karten verkauft, sodass im Falle von Regen im Innenraum des Casinos alle unter Einhaltung der Abstandsregeln Platz fänden.

Draußen sei natürlich grundsätzlich auch mit Abstand Platz für 99 Personen, betont Haydt. Für sie solle nicht einfach „stupide bestuhlt“ werden: „Wir möchten den Hof kreativ gestalten, damit der Aufenthalt auch unter den aktuellen Umständen zu etwas Besonderem wird.“ Auch ein Programmpunkt, der eigentlich vom Kulturverein Caserne im Atrium geplant war, wurde ins Außenbühnenprogramm des Kulturhauses übernommen: Das Improvisationstheater „Utobia“ kommt zu Besuch.

Keine Veranstaltungen im Atrium

Regine Ankermann vom Vorstand des Kulturvereins Caserne begründet die Absage der Veranstaltungen im Atrium: „Die wörtliche Nähe zum Publikum, die sonst unser Alleinstellungsmerkmal ist, wurde uns jetzt zum Verhängnis.“

Leere Schaukästen: Der Kinosaal bleibt voererst unbespielt.
Leere Schaukästen: Der Kinosaal bleibt voererst unbespielt. | Bild: Lena Reiner

Mit Abstand der ersten Reihe zur Bühne und entsprechender Bestuhlung könnten maximal 20 Personen im Atrium Platz finden, dasselbe gilt für das Kino „Studio 17“. Der Vorstand habe daher beschlossen, vor der Sommerpause keine Veranstaltungen mehr durchzuführen: „Die Verordnung ist für uns nicht praktikabel. Man steht praktisch immer mit einem Fuß in einer Ordnungswidrigkeit durch die parallel geltenden, teils widersprüchlichen Regelungen.“ Der Verein habe aber genug Rücklagen, um die Schließungszeit zu überstehen.

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Auch Bahnhof Fischbach noch ausgebremst

Reinhard Klumpp, der die Gastronomie im Bahnhof Fischbach derzeit führt, bittet um Geduld. Aktuell könne er nicht sagen, wann wieder Veranstaltungen stattfänden. „Das wird vermutlich erst möglich, wenn Großveranstaltungen wieder erlaubt sind.“ Gerade die beliebtesten Formate, wie die 80er- und 90er-Jahre-Partys seien, unter den gegebenen Umständen nicht denkbar.

Für den städtischen Kulturbetrieb im Haus stehe ein Gespräch mit der Stadt an, Näheres dazu könne er noch nicht sagen. Dass eine Pandemie den Betrieb ausbremst, stimmt Klumpp traurig: „Der Vorverkauf für das erste Halbjahr lag 50 Prozent über dem des Vorjahres.“

Autokonzerte beim „Flieger“

Hardy Huber vom Tettnanger Musikcafé Flieger hat sich entschlossen, seine virtuelle Konzertreihe mit Bands fortzusetzen, die auf seiner Musikbühne ohne Publikum vor Ort spielen und online übertragen werden. Außerdem möchte er ab 13. Juni Autokonzerte veranstalten, drei Monate lang, direkt neben dem Flieger an der Bahnhofstraße.

Vom Mischpult aus betrachtet, sieht das Konzert im Tettnanger „Flieger“ fast normal aus: Hier fallen die vor Ort fehlenden Zuschauer kaum auf, die online zuschauen.
Vom Mischpult aus betrachtet, sieht das Konzert im Tettnanger „Flieger“ fast normal aus: Hier fallen die vor Ort fehlenden Zuschauer kaum auf, die online zuschauen. | Bild: Lena Reiner

„Das Ordnungsamt unterstützt mich“, betont er und erklärt die Platzierung der Bühne auf Fuß- und Radweg. Während der drei Monate dürfe die Bühne aufgebaut bleiben. Die Zuschauer sollen mit ihren Autos auf dem Parkplatz gegenüber stehen und dürfen auch auf Rasenstreifen und Radweg parken. Die Straße selbst bleibt als Rettungsgasse frei und wird während der Konzerte zur Durchfahrt gesperrt sein. „So haben dann etwa 100 oder 150 Autos hier Platz.“

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Vorlese-Aktion beim Schulmuseum

Im Medienhaus am See geht es derweil noch ruhiger zu als normalerweise. Die Leseecken sind gesperrt, es gibt eine Maximalbesucherzahl und der Ausguck, der sonst bei Veranstaltungen der Unterhaltung von Kindern dient, ist aktuell zum Lager der nicht nutzbaren Sitzgelegenheiten geworden. Alternativ soll das übliche Vorleseangebot nun ab 6. Juni im Garten des Schulmuseums stattfinden: mit einer Begrenzung auf 15 Kinder, Kissen im Gras und bei hoffentlich sonnigem Wetter.

Ins Medienhaus – und damit auch zum Kiesel – geht‘s aktuell nur linksherum: Die Wegeführung ermöglicht das Abstandhalten beim Gang ins und aus dem Gebäude.
Ins Medienhaus – und damit auch zum Kiesel – geht‘s aktuell nur linksherum: Die Wegeführung ermöglicht das Abstandhalten beim Gang ins und aus dem Gebäude. | Bild: Lena Reiner

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