Kurz nach 10.30 Uhr geht der ungewöhnliche Probe-Feuerwehreinsatz in Tettang los. Wir schließen uns Jochen Willar und Josef Hellmann an, die mit dem Feuerwehrauto nach Obereisenbach aufbrechen. Dort befindet sich eine von sieben Sirenen, die in Tettnang – zumindest theoretisch – noch aktivierbar sein sollten. Ob das tatsächlich der Fall ist, möchte die Tettnanger Feuerwehr im Rahmen des Warntags testen.

Josef Hellmann ist an diesem Tag für die Sirene in Obereisenbach mitverantwortlich. Er betont: „Das Wichtige ist, dass alle auch wissen, was sie tun sollen, wenn sie eine Sirene hören. Über die Sirene kann man ja keine Handlungsempfehlungen weitergeben, also heißt es dann: Radio einschalten oder sich online informieren.“

Video: Lena Reiner

Die Sirenen des Tettnanger Hinterlands sind allesamt nicht digitalisiert und daher nicht an die Leitstelle des Bodenseekreises angeschlossen. Im Kontext des Warntags ist das allerdings ein Vorteil: Die Sirenen können manuell ausgelöst werden. Da es zentral in Tettnang keine Sirenen mehr gibt, geht es erst einmal hinaus ins Grüne.

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„Das ist ganz einfach: Die Sirene läuft, wenn sie Strom bekommt“, erklärt Andreas Barth, der bereits vor Ort auf seine Kollegen gewartet hat. Als die Kirchenglocke 11 Uhr schlägt, geht es hinein in das kleine Feuerwehrhäuschen des Teilorts. Barth wartet noch kurz und lauscht: „Vielleicht wird die Sirene ja doch zentral aktiviert.“

Doch die Sirene bleibt stumm und so aktiviert er die Stoppuhrfunktion auf seinem Smartphone und drückt selbst den Knopf. Dabei muss er die Sirene sowohl aktivieren als auch deaktivieren. Zwölf Sekunden lang soll sie jeweils ertönen, dann folgen zwölf Sekunden Pause, das An- und Abschwellen signalisiert den Katastrophenfall.

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Die Sirene selbst sieht unscheinbar aus.

Bild: Lena Reiner

Als der Sirenenton ein letztes Mal langsam verklingt, ist es wieder still draußen. Die beiden Pferde, die direkt neben dem Feuerwehrstandort auf der Weide stehen, schauen noch eine Weile verdutzt in Richtung Sirene. Verängstigt wirken sie dabei allerdings nicht. Als es eine Weile ruhig bleibt, wenden sie sich wieder ab, um zu grasen.

Bild: Lena Reiner

Zurück am Feuerwehrhaus in Tettnang lässt die Katastrophenwarn-App Nina immer noch auf ihr Signal warten. Da hier die Sirenen nicht zu hören waren, ist vom Warntag nichts zu bemerken. Interessehalber läuft das Radio nebenbei: Auch hier ist keine Probewarnung abgespielt worden.

Um 11.23 Uhr trudelt dann eine erste Warnung ein, allerdings nur lokal für Lindau. Jochen Willar erhält die Nachricht, weil er seine bayerische Heimat zusätzlich zu Tettnang eingespeichert hat. Um 11.31 Uhr folgt dann eine bundesweit ausgelöste Warnung.

Bild: Lena Reiner

Willar ist in die Jugendfeuerwehr eingetreten, als er zehn Jahre alt war. Der 51-Jährige hat daher einige Probealarme miterlebt: „Ich war natürlich auch früher dabei, als wir noch den Sirenentest samstags hatten. Es ist schon wichtig zu wissen, ob und wie alles funktioniert.“ Plötzlich erklingt ein lauter Ton von seinem Smartphone. Er lacht und sagt: „Das war jetzt die Warn-App Kat. Die sagt mir jetzt, dass um 10.56 Uhr eigentlich ein Probealarm gewesen wäre.“ Selbiger sei ihm allerdings nicht angezeigt worden.

Bild: Lena Reiner

Judith Maier von der Gemeinde Tettnang war ebenfalls vor Ort, um den Sirenentest mitzuverfolgen: „Ich denke, nächstes Jahr wird die Bereitschaft seitens der Kommunen auch größer sein, am Warntag etwas zu machen. Wir haben ja auch über Aktivitäten über den Sirenentest hinaus verzichtet, da unsere Einsatzkräfte aktuell sowieso schon sehr gefordert sind.“ Sie möchte die Bevölkerung außerdem auf die Warn-App Nina hinweisen, die – anders als am Warntag – im Ernstfall bisher immer zuverlässig funktioniert habe.

Bild: Lena Reiner

Konrad Wolf, Kommandant der Tettnanger Feuerwehr, findet, dass sich der Warntag gelohnt hat: „Genau deshalb macht man ja so einen Warntag, damit man sieht, was eben auch nicht klappt.“ Auch er möchte betonen, dass die App normalerweise und gerade in Corona-Zeiten nicht nur sinnvoll, sondern auch zuverlässig sei. Zufrieden zeigt er sich auch darüber, dass in Tettnang alle Sirenen sofort aktivierbar gewesen seien.

Bild: Lena Reiner

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