Nicht jede Stadt ist durch und durch schön. Und so gibt es auch in Friedrichshafen neben den charmanten Orten direkt am See einige weniger attraktive Stellen. Bei einem Spaziergang hat der SÜDKURIER subjektive Eindrücke der Zeppelinstadt im Spätsommer gesammelt.

Beginnen wir mit unserem Fußmarsch in der Häfler Innenstadt, genauer gesagt in der Friedrichstraße. An der Kreuzung zur Schanzstraße begegnet mir ein etwas unheimlicher Anblick: Ein privater Spielplatz, der zu einem Kinderhaus gehört. Eigentlich eine schöne Sache. Doch dieser Spielplatz ist verwahrlost. Eine einsame Rutsche, ein alter Plastiktisch mit einem Plastikstuhl, direkt daneben stehen Mülltonnen.

Bild: Mona Lippisch
Bild: Mona Lippisch

Von dem Ort, der gerne ein Spielplatz wäre, jegliche Kriterien aber nicht erfüllt, geht es weiter am Bio-Supermarkt vorbei in die Metzstraße. Geradeaus liegen die Bahngleise. Eine Unterführung kündigt an, dass es nun in die Nordstadt geht.

Blick in die dunkle Unterführung

„Willkommen in der Nordstadt“, steht in weißen, dicken Buchstaben auf rotem Hintergrund. Wirklich willkommen fühle ich mich aber nicht, wenn ich in die dunkle Unterführung blicke. Neben mir steht ein alter Mülleimer, der mit vielen Stickern beklebt ist, deren Sinn ich nicht erahnen kann.

Bild: Mona Lippisch

Weil ich mich bei dem Blick in die Unterführung nicht wohl fühle, mache ich einen Schlenker nach links und biege in die Möttelistraße ein. Eine kleine Straße, eher eine Gasse.

Zahlreiche Garagen begrenzen die Straße auf der einen Seite. Auf der anderen Seite thronen große Wohnhäuser. Es ist dunkel und riecht nach Abgasen. Wie ungemütlich es hier am Abend ist, mag ich mir nicht vorstellen.

Bild: Mona Lippisch

Abgehend von der Möttelistraße gibt es einige kleinere Durchgänge, wie die Laimgasse. Eine gemütliche Wohngegend sieht anders aus. Alles wirkt alt und heruntergekommen. Ich sehe einen großen Blumenkasten in dem grüne Pflanzen wild wuchern, alten Straßenbelag und Markierungsstreifen die auf Parkplätze hindeuten.

Bild: Mona Lippisch

Weiter führt der Spaziergang mich vom Ende der Möttelistraße auf die Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Riedleparkstraße. Die Brücke macht durchaus Sinn und ist prima, um auf die andere Seite der Straße in Richtung Stadtbahnhof zu gelangen.

Strahlendes Blau, kombiniert mit rostigem Braun

Doch wirklich schön ist diese Brücke nicht. In strahlend blauer Farbe leuchtet die glasähnliche Fassade im Sonnenschein. In Kombination mit dem rostbraunen Brückenfundament ein sich beißendes Bild.

Bild: Mona Lippisch

Als nächstes geht es am Stadtbahnhof vorbei. Da Bahnhöfe eigentlich immer nicht besonders schön anzusehen sind, gibt es hier keine weiteren Details. Die nächste Ecke, an der ich erstaunt stehen bleibe, hat aber auch etwas mit der Bahn zu tun. Es ist der Bahnübergang in der Olgastraße.

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Egal, in welche Richtung man schaut: Es wird nicht schöner. Richtung Norden fällt mir ein geschmackloses Graffiti auf. Was genau der Künstler, wenn man ihn überhaupt so nennen mag, mit diesem Gebilde ausdrücken wollte, weiß ich nicht.

Bild: Mona Lippisch

Ein Blick in Richtung Süden beweist: Auf einem alten Bahnhäuschen ist ein Schild angebracht. „Friedrichshafen Stadt“ steht dort in Druckbuchstaben. Unter dem Schild hat sich ein weiterer Sprayer verewigt, in weißer Farbe mit schwarzen Umrandungen. Schön ist anders.

Bild: Mona Lippisch

Nachdem der Graffiti-Schock überwunden ist, setzte ich meine Runde fort. Es geht weiter nach Hofen. Am dortigen Kreisel erwartet mich ein kurioses Bild: Hier gibt es Kaugummis, Zigaretten und einen Stromverteilerkasten direkt nebeneinander. Ob die Kaugummis im Jahr 2020 überhaupt noch essbar sind?

Bild: Mona Lippisch

Das nächste unschöne Fleckchen findet sich an der Colsmanstraße nahe des MTU-Werkes. Dort gibt es eine Unterführung, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hat. Wo früher einmal blaue Farbe war, ist heute an vielen Stellen nur noch ein trübes Grau zu erkennen. Und wofür das gebogene Gestell über dem Weg steht, bleibt ein Rätsel.

Bild: Mona Lippisch

Nur wenige Schritte weiter die Colsmanstraße entlang gleich der nächste Schreck für die Augen: das Sauerstoffwerk. Egal von welcher Seite, es ist und bleibt einfach unschön, wie es da protzig mitten an der stark befahrenen Straße steht.

Bild: Mona Lippisch

Eine Drehung um etwa 90 Grad beweist, dass dieses Fleckchen in Friedrichshafen zwar nicht schöner wird, dafür aber kurioser. Hier steht das Häuschen der Arbeiterwohlfahrt, das auf einer Seite komplett von Graffitis verziert ist. Ein paar Schritte näher in Richtung des Hauses und ich erkenne eine Katze, die mich mit großen, leeren Augen anstarrt. Etwas gruselig.

Bild: Mona Lippisch
Bild: Mona Lippisch

Weiter geht es mit mysteriöser Kunst in der Unterführung in der Ailinger Straße. Dort sind die Balken mit abstrakten Mustern bemalt. Vielleicht gaben die Kunstwerke vor vielen Jahren einmal etwas her. Heute wirken sie heruntergekommen und verloren in der zweispurigen, stark befahrenen Unterführung.

Bild: Mona Lippisch

Bevor der Spaziergang an seinem Ausgangspunkt in der Friedrichstraße endet, gibt es noch einen weiteren Einblick in die Unterführungs-Kunst. Von der Eckenerstraße geht es unter den Bahngleisen hindurch in die Wilhelmstraße.

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Auf der rechten Wand der Unterführung sind Mäuse aufgemalt, in Art von Kinderbildern. Eigentlich eine süße Idee. Doch leider haben andere „Künstler“ die Malereien verunstaltet und verdreckt.

Bild: Mona Lippisch
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Der Fußmarsch durch Friedrichshafen hat gezeigt, dass es in der Zeppelinstadt Örtchen gibt, die – durch meine Augen betrachtet – nicht sonderlich attraktiv sind. Gewiss kann man die Stadt auch anders porträtieren. Es gibt sie, die schöne Stellen Friedrichshafens, wie etwa den Uferabschnitt an der Schlosskirche. Doch das ist eben nicht alles.

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