Erst vor wenigen Tagen hat der Häfler Gemeinderat die Jahresbilanz des Klinikums Friedrichshafen für 2019 abgesegnet und ein Rekord-Minus von 42 Millionen Euro für den Medizin Campus Bodensee (MCB) zur Kenntnis nehmen müssen – auch wenn dieser enorme Betrag vor allem der Abwicklung des Weingartener Krankenhauses geschuldet ist.

Klinikbetrieb ist finanziell schwer angeschlagen

Dabei bleibt es nicht: Bereits im Sommer genehmigte der Rat Zuschüsse von insgesamt 36 Millionen Euro bis 2021, sowohl für den Verlustausgleich als auch für die Betriebskosten. Mit anderen Worten: Der MCB ist wirtschaftlich schwer angeschlagen.

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Mit solchen Zahlen im Rücken hat jede Chefetage einen schweren Stand. Seit einem Jahr ist Margita Geiger Geschäftsführerin des Klinikums wie des MCB. Nach dem Jahreswechsel ist sie in dieser Rolle nicht mehr allein. Mit dem 59-jährigen Franz Klöckner hat der Aufsichtsrat nun einen zweiten Geschäftsführer für die Klinikum Friedrichshafen GmbH bestellt.

Margita Geiger nur noch für medizinische Entscheidungen verantwortlich

Er wird ab dem 1. Januar in der Doppelspitze den kaufmännischen Bereich verantworten, teilte der MCB heute mit. Margita Geiger sei künftig für den medizinischen Bereich zuständig. Damit werden ihr wirtschaftliche Entscheidungen aus der Hand genommen, was man als Akt des Misstrauens werten kann, den MCB aus den roten Zahlen zu führen. Allerdings steckte der MCB bereits in der finanziellen Krise, bevor Margita Geiger die Geschäftsleitung übernahm.

Margita Geiger ist Januar 2020 Geschäftsführerin des Medizin Campus Bodensee (MCB). Ab Januar 2021 verantwortet sie nur noch den medizinischen Bereich.
Margita Geiger ist Januar 2020 Geschäftsführerin des Medizin Campus Bodensee (MCB). Ab Januar 2021 verantwortet sie nur noch den medizinischen Bereich. | Bild: Cuko, Katy

Franz Klöckner kann auf eine mehrjährige Erfahrung als Prokurist und kaufmännischer Direktor verweisen, der ab 2012 Geschäftsführer der Eichsfeld Klinikum gGmbH in Thüringen war. Als examinierter Krankenpfleger kenne er zudem den Klinikalltag „am Bett“, teilt der MCB mit.

Kein geräuschloser Abgang

Klöckners Abgang im Eichsfeld-Klinikum im März 2020 verlief allerdings nicht geräuschlos. Er wurde laut Medienberichten abgelöst, weil er den Neubau eines zentralen Krankenhauses im Landkreis Eichsfeld forciert hat. Die Parallelen zum MCB sind da: Die Klinikgesellschaft in Thüringen hat drei Standorte. Ein Gutachten sah in einer Konzentration des Klinikbetriebs an einem Standort die wirtschaftlichste Lösung, was politisch aber umstritten ist.

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Die Medizinstrategie des kommunalen Klinikverbunds MCB sieht nach der in diesem Jahr beschlossenen Schließung des Standorts Weingarten „eine Weiterentwicklung und Stärkung der Standorte Klinikum Friedrichshafen und Krankenhaus Tettnang vor“, so der MCB. „Mit der Entscheidung für eine Doppelspitze möchten wir die Geschäftsführung stärken und die Entwicklung des Klinikverbunds MCB sowohl medizinisch als auch kaufmännisch auf eine breite Basis stellen“, wird Andreas Brand, Aufsichtsratsvorsitzender der Klinikum Friedrichshafen GmbH und Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen, in der Pressemeldung zitiert.

Mehr Schlagkraft mit Doppelspitze

Die Doppelspitze und ihre Besetzung sei für den Aufsichtsrat nach einer Phase der personellen Neuorientierung und der organisatorischen Umstrukturierung ein schlagkräftiger Auftakt. „Wir sind überzeugt, dass Margita Geiger und Franz Klöckner gemeinsam unseren Klinikverbund durch die medizinischen, strategischen und kaufmännischen Herausforderungen der Zukunft führen werden“, so Brand.

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Ex-Geschäftsführer Jochen Wolf geht

Und noch eine Personalie: Zum Jahresende wird Jochen Wolf den MCB verlassen, wie das Klinikum auf Anfrage bestätigt hat. Wolf war bis zum Ausscheiden des langjährigen Geschäftsführer Johannes Weindel Ende 2018 Prokurist des Klinikums und wurde zum Interimsgeschäftsführer berufen. Im Januar 2020 löste ihn Margita Geiger als neue Klinikchefin ab.