Es ist kühl und ein wenig klamm am Sonntagmittag in der Innenstadt. Auf dem französischen Markt am oberen Buchhornplatz stehen daher zwar Neugierige an den Verkaufsständen, die Fläche mit Bierbänken und kleinen Tischen, die zum Verspeisen französischer Spezialitäten bereitstehen, bleibt aber erst einmal weitgehend leer.

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Nur Angela und Dieter Kolbe aus Salem sitzen an einem der Tische und lassen es sich schmecken. „Es regnet nicht, es friert nicht, es schneit nicht, also sitzen wir hier“, sagt er und dass sie beide frankophil seien: „Wir haben ein paar Jahre in Frankreich gelebt und gearbeitet.“ Vom Verkaufsoffenen Sonntag und dem dortigen französischen Markt hätten sie von Nachbarn erfahren. „Und dann dachten wir uns, da gehen wir hin“, schildert sie.

Angela und Dieter Kolbe sind extra aus Salem zum Verkaufsoffenen Sonntag nach Friedrichshafen gekommen. Sie trotzen schon früh Wind und Wetter und genießen französische Spezialitäten.
Angela und Dieter Kolbe sind extra aus Salem zum Verkaufsoffenen Sonntag nach Friedrichshafen gekommen. Sie trotzen schon früh Wind und Wetter und genießen französische Spezialitäten. | Bild: Lena Reiner

Etwas weiter vorn in der Fußgängerzone verbreitet auch Demet Beydilli gute Laune. Sie verteilt rosa Luftballons und lässt Passanten an ihrem Glücksrad drehen. Zu gewinnen gibt es Gebäck. Damit möchte sie neue Kunden in ihr „Bodensee Donuts“-Geschäft locken, das sie erst Ende Juni eröffnet hat. „Ich habe mir damit einen Traum erfüllt“, verrät sie und freut sich über das große Interesse der Passanten.

Demet Beydilli lockt mit einem Glücksrad Neugierige an. Zu gewinnen gibt es Donuts und Muffins.
Demet Beydilli lockt mit einem Glücksrad Neugierige an. Zu gewinnen gibt es Donuts und Muffins. | Bild: Lena Reiner

In der Parallelstraße geht es dafür noch sehr ruhig zu. Dabei lohnt sich genaues Hinsehen: Im Hinterhof der Buchhandlung Fiederer findet nämlich ein Flohmarkt statt.

Trödelfans werden bei einem kleinen Flohmarkt im Hinterhof der Buchhandlung Fiederer fündig.
Trödelfans werden bei einem kleinen Flohmarkt im Hinterhof der Buchhandlung Fiederer fündig. | Bild: Lena Reiner

Auf dem Adenauerplatz gibt es allerhand zu schmausen und auch heiße Getränke, um sich aufzuwärmen. Barbara Wagner schenkt am Stand des Weltladens Kaffee, Cappuccino und heiße Schokolade aus. Bisher sei die Nachfrage noch nicht so groß: „Ich denke, die Leute kommen dann zu uns, wenn sie ihren Flammkuchen und ihre Kässpätzle gegessen haben.“

Barbara Wagner vom Häfler Weltladen schenkt heiße Kaffeegetränke aus.
Barbara Wagner vom Häfler Weltladen schenkt heiße Kaffeegetränke aus. | Bild: Lena Reiner

Etwas weiter wirbt Sam Kretschmer mit Glüh-Gin statt des altbekannten Glühweins um Aufmerksamkeit. „Eigentlich müsste es jetzt noch zehn Grad kälter sein“, erklärt sie, als sie Probiergrößen des wärmenden Getränks ausschenkt.

Sam Kretschmer gießt Gin zum Testen ein. Besonders beliebt aufgrund der kühleren Temperaturen ist der Glüh-Gin.
Sam Kretschmer gießt Gin zum Testen ein. Besonders beliebt aufgrund der kühleren Temperaturen ist der Glüh-Gin. | Bild: Lena Reiner

Direkt gegenüber bleibt das Angebot kalt, ist aber deshalb nicht weniger beliebt. Fabian Kloos und Sven Kempf bieten Brot zum Probieren und Mitnehmen an. Kempf freut sich darüber, wie gut das Angebot wahrgenommen werde. Er kommt kaum zum Antworten, da sofort die nächste Kundin um Aufmerksamkeit bittet. „Hier ist gut was los“, sagt er. Schön am Probierstand sei, dass auch Kunden, die bereits zu ihnen kommen, so neue Brotsorten für sich entdeckten.

Sven Kempf verpackt Brot für eine Kundin. Das Angebot werde sehr gut angenommen: „Hier ist gut was los. Es kommt gut an, dass wir Brotsorten zum Probieren da haben. Auch Kunden, die schon zu uns kommen, entdecken so neue Sorten für sich.“
Sven Kempf verpackt Brot für eine Kundin. Das Angebot werde sehr gut angenommen: „Hier ist gut was los. Es kommt gut an, dass wir Brotsorten zum Probieren da haben. Auch Kunden, die schon zu uns kommen, entdecken so neue Sorten für sich.“ | Bild: Lena Reiner

Obwohl das Wetter weiterhin grau geblieben ist, füllt sich die Innenstadt deutlich. Das Interesse am Stöbern und Schmausen ist groß.

Video: Lena Reiner

Besonders vor den unterschiedlichen Essensständen bilden sich durchweg lange Schlangen. Dabei trügt auch nicht der Schein durch die pandemiebedingten Abstandsregeln: Das Interesse ist tatsächlich groß.

Vor den Essensständen sind die Schlangen lang. Das Interesse an den warmen Speisen ist groß.
Vor den Essensständen sind die Schlangen lang. Das Interesse an den warmen Speisen ist groß. | Bild: Lena Reiner

Doch nicht nur draußen auf der Straße und an den Verkaufsständen herrscht inzwischen reges Treiben. Auch drinnen in den Geschäften ist die Nachfrage groß. So schildert es jedenfalls Khurram Kiani, Geschäftsführer von Walisa Fashion am Buchhornplatz: „Es ist auf jeden Fall mehr los als an den sonstigen Tagen.“ Seit die Touristen weg seien, sei es sehr ruhig geworden in der Innenstadt, da sei es schön, dass heute deutlich mehr los sei und mehr noch: „Es sind heute mehr Menschen hier als an Verkaufsoffenen Sonntagen vor Corona.“

Khurram Kiani, Geschäftsführer von Walisa Fashion, freut sich über die große Nachfrage.
Khurram Kiani, Geschäftsführer von Walisa Fashion, freut sich über die große Nachfrage. | Bild: Lena Reiner

Gegenüber bei Witt Weiden freuen sich die Mitarbeiterinnen über das bisschen Normalität, das eingekehrt sei. „Es ist schön, dass wir wieder dürfen“, findet Jutta Schmid. Allerdings sei draußen doch deutlich mehr los als drinnen in den Geschäften: „Die Essensstände locken deutlich mehr Menschen an.“ Es sei allerdings ganz grundsätzlich schön, dass wieder Leben in der Innenstadt herrsche.

Draußen voll, drinnen eher weniger: So lautet das Zwischenfazit der Mitarbeiterinnen von Witt Weiden am Buchhornplatz.
Draußen voll, drinnen eher weniger: So lautet das Zwischenfazit der Mitarbeiterinnen von Witt Weiden am Buchhornplatz. | Bild: Lena Reiner

Und mit gut einer Stunde Verspätung – wenn man der Wettervorhersage Glauben geschenkt hatte – bricht dann doch noch die Sonne hervor.

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