Das katholische Stadtdiakonat Friedrichshafen bietet ab Dienstag, 17. September, alle 14 Tage eine kostenlose Schuldnerberatung an. Peter Oelbermann, Fachanwalt für Insolvenzrecht, und Fritz Kesenheimer von der Schuldner- und Insolvenzberatung SOS Ausweg in Ravensburg übernehmen den neuen Dienst für Friedrichshafener in einer finanziellen Notsituation ehrenamtlich. Diakon Ulrich Föhr koordiniert die Termine.

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  • An wen richtet sich die Schuldnerberatung im Stadtdiakonat? Mit Unterstützung von „Häfler helfen“ richtet sie sich ausschließlich an Menschen aus Friedrichshafen, die überschuldet sind. Dies kann den Empfänger von Arbeitslosengeld II ebenso betreffen wie den gut bezahlten Akademiker. Überschuldung bedeutet, dass die Schulden höher sind als das Vermögen und dass sie aus dem laufenden Einkommen nicht zurückgezahlt werden können. Ulrich Föhr betont, dass die Schuldnerberatung keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu der beim Landratsamt und bei der Caritas sein soll.
  • Wie viele Menschen sind in Friedrichshafen von Schulden betroffen? Dazu gibt es keine Zahlen. Bekannt ist aber, dass in Deutschland jeder zehnte Haushalt überschuldet ist.
  • Wie läuft eine Schuldnerberatung ab? Zunächst ist eine Bestandsaufnahme notwendig, damit der Berater einen Überblick über die Verschuldung bekommt. Ratsuchende können den Ablauf der Schuldnerberatung beschleunigen, indem sie sich gründlich auf den Termin vorbereiten und alle Unterlagen mitbringen. Zunächst prüft der Berater, ob existenzsichernde Maßnahmen und Vollstreckungsschutzmaßnahmen erforderlich sind. So rutscht zum Beispiel der betroffene Schuldner im Falle von hohen Mietschulden nicht in die Obdachlosigkeit. Ein Schuldenregulierungsplan ist die Basis für einen außergerichtlichen Vergleich mit den Gläubigern. Scheitert eine solche Einigung, unterstützt die Schuldnerberatung auf dem Weg zu einem möglichen Verbraucherinsolvenzverfahren.
  • Wie funktioniert ein Verbraucherinsolvenzverfahren? Voraussetzung für einen Antrag beim Insolvenzgericht ist ein außergerichtlicher Einigungsversuch. Wenn es das Gericht für sinnvoll hält, folgt ein Schuldenbereinigungsverfahren, das heißt, ein weiterer Versuch einer Einigung mit den Gläubigern mit Unterstützung des Gerichts. Scheitert es, folgt das Insolvenzverfahren mit Feststellung der Vermögens- und Schuldensituation und der Verwertung des vorhandenen pfändbaren Vermögens. Während der folgenden sechs Jahre nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens, der sogenannten Wohlverhaltensphase, tritt der Schuldner sein pfändbares Einkommen an einen Insolvenzverwalter ab. Dieser verteilt die eingezogenen Beträge an die Gläubiger. Der Schuldner ist zu zumutbarer Arbeit verpflichtet, muss wesentliche Veränderungen an Gericht und Insolvenzverwalter melden und sollte keine weiteren Schulden machen. Nach Ablauf der sechs Jahre erfolgt ein Schuldenschnitt und die restlichen Schulden werden erlassen.
  • Auf welche Weise unterstützt „Häfler helfendie Schuldnerberatung? Kommt es zu einem Vergleich mit dem Gläubiger, dann kann der Betrag zum Beispiel in Form einer einmaligen Zahlung übernommen werden. Dabei ist dem Friedrichshafener Diakon Ulrich Föhr wichtig, dass jeder Fall eine Einzelentscheidung ist.
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