Viele Ursachen für Finanzmisere

Im vergangenen Jahr wandten sich 600 Bürger an die Schuldnerberatung im Landratsamt. „Gerade in der Urlaubszeit wird vielen Menschen bewusst, dass finanziell etwas nicht passt“, erzählt Stefan Walker von der Schuldnerberatung. Er und seine Kollegin Monika Jägers stehen mit Rat und Tat jedem zur Seite, der Geldsorgen hat. „Mehr Menschen als man glaubt, kämpfen mit finanziellen Problemen. Der Verlust der Arbeitsstelle, Erkrankungen, Trennung und Scheidung sind die Hauptauslöser für finanzielle Krisen. Aber auch eine misslungene Immobilienfinanzierung oder gescheiterte Selbstständigkeit bringen Probleme. Nur ein geringer Anteil der Schuldner kann tatsächlich nicht mit Geld umgehen oder ist schlichtweg überfordert“ berichtet Stefan Walker.

Druck durch Inkassodienste

Monika Jägers ergänzt: „Schuldner sind schnell dem Druck von Inkassodiensten und Rechtsanwälten ausgesetzt. Die Schreiben verunsichern und ängstigen durch die Auflistung möglicher Maßnahmen der Gläubiger bei Nichtzahlung. Natürlich muss Jeder seine Rechnungen begleichen, aber es kann eben Situationen geben, wo das gerade nicht möglich ist. Wenn dann zu den Forderungsbeträgen auch noch Inkasso- und Anwaltskosten sowie Kosten für Mahn- und Vollstreckungsbescheide hinzukommen, dann werden aus relativ geringen Beträgen schnell hohe Schulden.

Immer weitere Kosten

Bei erfolglosen Pfändungsversuchen kommen immer weitere Kosten hinzu. Trotzdem werden dann Ratenzahlungen vereinbart. „Das Geld, das zur Tilgung verwendet wird, fehlt dann aber an anderer Stelle, wie für Miete oder Strom“, machen Jägers und Walker klar. Die Zahl von Betroffenen, die aufgrund ihrer Schulden auch ihr Dach über dem Kopf verlieren, ist im Landkreis relativ gering.

Zwangsräumung eher selten

Vor einer Zwangsräumung informiert der Gerichtsvollzieher die Gemeindeverwaltung, denn Kommunen sind bei drohender Obdachlosigkeit verpflichtet, den Betroffenen einen Wohnraum zu bieten. „Wir schreiben diese an und bitten darum, sich rechtzeitig mit uns in Verbindung zu setzen“, erläutert Manuel Oberdorfer, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Pfullendorf das Prozedere. In den vergangenen Monaten habe man es zwei Zwangsräumungen zu tun gehabt, wobei die Verwaltung nur einmal gefordert war, Betroffenen eine Unterkunft bereit zu stellen.

Überblick über Finanzen verschaffen

Die Schuldnerberater wissen, wie schnell man den Überblick über seine Finanzen verlieren kann. Dabei sei es nicht kompliziert, diese wieder in den Griff zu bekommen. Kostenlose Apps oder Haushaltsbücher helfen, Einnahmen und Ausgaben gegenüber zu stellen und sich einen Überblick zu verschaffen. Um schon früh den richtigen Umgang mit Geld zu lernen um später mit dem ersten eigenen Geld gut umgehen zu können, empfehlen Walker und Jägers Kindern ein fest geregeltes Taschengeld zu geben. Auch hierzu gibt es Tipps. Betroffene sollten nicht zögern, sich Hilfe und Beratung zu suchen. „Schon ein Gespräch mit einer vertrauten Person kann entlasten.“ Die Schuldnerberatung bietet Unterstützung von der Budgetberatung bis hin zur Einleitung eines Insolvenzverfahrens.