Im Oktober begann der Abriss der früheren Tankstelle im Fallenbrunnen. Danach sind die Kriegsruine und der Löschteich um das Gebäude Fallenbrunnen 46 dran. Es folgt ab März nächsten Jahres der frühere Waffenprüfstand am Fallenbrunnen 4, weshalb der bis Jahresende zu räumen ist.

„Ekki‘s Werkstatt“ muss weichen

Damit muss „Ekki‘s Werkstatt“ weichen, die hier seit 19 Jahren ihr Domizil hat. Und auch der Nachbar, Getränkehandel Scherz, ist betroffen. Ende, aus? Die Mieter hätten darum gebeten, ihre Betriebe in die inzwischen leerstehenden Hallen der Firma Werner oder Kollmar im Fallenbrunnen 35 verlegen zu dürfen, stand in der Ratsvorlage, die in der vergangenen Woche im Gemeinderat Thema war. „Eine abschließende Klärung dieser Anfrage wird derzeit im Dezernat IV ausgearbeitet“, stand da zu lesen.

Ekkehard Badent muss mit seiner Autowerkstatt bis Jahresende aus dem Fallenbrunnen 4 ausziehen. Eine Zwischenlösung für ihn ist in Sicht, aber noch nicht sicher.
Ekkehard Badent muss mit seiner Autowerkstatt bis Jahresende aus dem Fallenbrunnen 4 ausziehen. Eine Zwischenlösung für ihn ist in Sicht, aber noch nicht sicher. | Bild: Cuko, Katy

Aussicht auf Zwischenlösung

Ekkehard Badent, Inhaber der Autowerkstatt, äußert sich zurückhaltend. Noch habe er keinen neuen Mietvertrag. Klar ist für ihn zudem, dass auch diese Lösung befristet und nur von kurzer Dauer wäre. Denn auch diese Hallen werden in den nächsten Monaten dem Erdboden gleichgemacht – wie alle restlichen, maroden Hinterlassenschaften der militärischen Ära im Fallenbrunnen. Dann sind über 30 Hektar frei, die die Stadt – passend zum Bildungscampus – entwickeln will. Auch wenn heute noch nicht feststeht, was genau wohin kommt.

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„Ekki‘s Werkstatt“ und vier weitere Mieter sind die restlichen von zuletzt noch 17 Gewerbetreibenden im Fallenbrunnen-Nordost, die im Juni die Kündigung mit drei Monaten Frist erhielten. Zwölf Betriebe sind inzwischen weg. Wenige hätten eine Alternative gefunden. Andere Mieter haben ihr Geschäft aufgelöst, weiß Ekkehard Badent. „Es gibt in Friedrichshafen und Umgebung keine akzeptablen Angebote“, sagt er. Die restlichen fünf Mieter hätten trotz intensiver Suche weder Mieträume noch Bauland in größerem Umkreis gefunden. Er selbst habe bis Sigmaringen gesucht, so der Automechaniker. Aber auch dort würden zuerst die ortsansässigen Gewerbetreibenden bedient.

Zuschüsse nur bis Dezember 2021

Auf der anderen Seite muss die Stadt nun aufs Tempo drücken. Mit dem Kaufvertrag im Dezember 2015 wurde vereinbart, dass der Bund als Vorbesitzer für die Sanierung von Altlasten und Kampfmittel Zuschüsse zahlt – und zwar maximal 3,7 Millionen Euro. Laut Ratsvorlage übernimmt der Bund großteils und anteilig jedoch nur die Kosten, die bis Dezember 2021 entstanden sind. Was länger dauert, muss die Stadt komplett selbst bezahlen. Insgesamt rechnet das Rathaus mit einer Summe von 9,5 Millionen Euro für die Beseitigung der Altlasten.

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Nach der Vorerkundung dessen, was an Schadstoffen wegzuräumen ist, geht die Stadt laut Vorlage allerdings von einer Dauer von 36 Monaten aus. Der gesamte Rückbau im Nordosten des Fallenbrunnens dauert laut Plan sogar bis April 2023. Deshalb beginnt die Stadt mit den Arbeiten auf den Arealen, auf denen die größten Altlasten zu erwarten sind – also dort, wo mit maximalen Zuschüssen des Bundes zu rechnen ist. Ob die Stadt die Zuschüsse des Bundes aufgrund der zeitlichen Knappheit voll ausschöpfen kann, scheint bereits fraglich.

Eine frühere Zufahrt ist abgesperrt und wird als Zwischenlager für Erdaushub genutzt.
Eine frühere Zufahrt ist abgesperrt und wird als Zwischenlager für Erdaushub genutzt. | Bild: Cuko, Katy

Zweites Kriterium für den Zeitplan war der Artenschutz. Im Fallenbrunnen haben in den letzten Jahrzehnten streng geschützte Arten ihren Lebensraum gefunden – von Fledermäusen über Vogelarten bis zur Zauneidechse. Und nicht zuletzt wurde der Zeitplan laut Vorlage auch so abgestimmt, dass den Gewerbebetrieben eine möglichst lange Bleibefrist eingeräumt werden kann. Am Ende bleibt trotzdem die Fragen offen, warum sich die Stadt nach dem Kauf der letzten Flächen im Fallenbrunnen fast vier Jahre Zeit ließ, die Altlastensanierung anzugehen.