„Die Stadt hat es geschafft, den Druck etwas abzubauen.“ Dieses Zwischenfazit zieht Ekkehard Badent, der eine Autowerkstatt im Fallenbrunnen betreibt. Er hatte wie alle anderen Gewerbemieter in den alten Kasernenbauten Ende Juni von der Stadt die Kündigung erhalten. Nach einem Gespräch mit Baubürgermeister Stefan Köhler und Mitarbeitern des Rathauses sieht die Zukunft des 60-jährigen Geschäftsinhabers nun nicht mehr ganz so schwarz aus.

Eigentlich sollten er und die 16 anderen Gewerbetreibenden, die in Fallenbrunnen-Nordost seit rund 20 Jahren das frühere Militärareal bewirtschaften, bis Ende September – also binnen drei Monaten – das Feld räumen. Die Stadt will die Altlasten entfernen und die Böden für die künftige Bebauung sanieren lassen. Dafür müssen die alten Bauten weg. Weil der Bund die Altlastensanierung nur mit einem Millionenbetrag fördert, wenn die Arbeiten spätestens sechs Jahre nach dem Verkauf 2015 begonnen wurden, drängt die Zeit. Doch genaue Pläne für die Nachnutzung gibt es noch nicht.

Gewerbeflächen sind rar und teuer

Genau das war der Hauptkritikpunkt der Gewerbetreibenden im Fallenbrunnen. Nicht nur „Ekki‘s Werkstatt“ steht vor dem Aus, wenn er ausziehen muss. Auch wenn alle Geschäftsinhaber wussten, dass sie früher oder später die Kündigung bekommen: Räumliche Alternativen hat keiner gefunden. Gewerbeflächen sind in der Stadt rar und teuer. Nicht nur Ekkehard Badent möchte im Fallenbrunnen bleiben, wie der SÜDKURIER berichtet hat.

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Mitte Juli lud die Stadt die betroffenen Gewerbemieter daraufhin zu einem Gespräch ins Rathaus ein. „Ich persönlich glaube, dass sich die Stadt nicht wirklich damit auseinandergesetzt hatte, was da losgetreten wird“, meint der Kfz-Mechaniker im Nachhinein. Bei zirka 100 Kündigungen von Gewerbemietern im Fallenbrunnen in den vergangenen Jahren habe diese Prozedur ja auch geklappt. „Dass sich die Rahmenbedingungen derart verschlechtert haben, wurde nicht berücksichtigt“, meint er.

Sanierungsplan soll im September vorgestellt werden

Wohl deshalb habe die Stadt auch in gewisser Hinsicht eingelenkt. Die Stadtverwaltung wolle nun einen Sanierungsplan für das frühere Militärgelände erstellen. Der soll im September den Betrieben vorgestellt und dann auch besprochen werden, wann welche Firma gehen muss. Zugesagt sei inzwischen verbindlich, dass bis zum Jahresende niemand ausziehen muss, mancher unter Umständen sogar bis März 2020 bleiben könne. Mehr noch: In dem Gespräch verschloss sich laut Ekkehard Badent die Verwaltung auch nicht dem Vorschlag, dass derzeit leere Flächen zuerst saniert werden und Betriebe auf diese Flächen umziehen könnten.

Ekkehard Badent repariert in einem alten Kasernenbau zusammen mit seinen Söhnen Autos. Er hofft nach einem Gespräch mit der Stadt, dass er „Ekki‘s Werkstatt“ doch länger betreiben kann. Im Juni hatten er und die restlichen Gewerbemieter in Fallenbrunnen-Nordost die Kündigung erhalten.
Ekkehard Badent repariert in einem alten Kasernenbau zusammen mit seinen Söhnen Autos. Er hofft nach einem Gespräch mit der Stadt, dass er „Ekki‘s Werkstatt“ doch länger betreiben kann. Im Juni hatten er und die restlichen Gewerbemieter in Fallenbrunnen-Nordost die Kündigung erhalten. | Bild: Katy Cuko

Das bestätigt Erster Bürgermeister Stefan Köhler, der von einem „guten Gespräch“ mit den Gewerbemietern im Fallenbrunnen spricht. Die Fachleute im Rathaus erstellen derzeit den Sanierungsfahrplan. Nach dem richte sich dann, welcher Mieter wann die Räume verlassen muss. Es sei auch nicht komplett ausgeschlossen, dass einzelne Betriebe länger bleiben können. „Es kann sein, dass diese Rochade möglich ist“, so Köhler auf Anfrage unserer Zeitung. Letztlich müsse auch das der Gemeinderat entscheiden.

Denn bisher gibt es nichts, was die Entwicklung des Fallenbrunnen-Areals im Nordosten konkret skizziert. Die Stadt hat die Fläche für gewerbliche Zwecke gekauft. Beschlusslage des Gemeinderats ist, Fallenbrunnen-Nordost mit hochschulaffinem Gewerbe und Dienstleistungen zu entwickeln. Mit Betrieben also, die zu den Bildungsträgern dort passen – Zeppelin-Universität und Duale Hochschule. Doch was genau ist „hochschulaffin“?

Konkrete Pläne gibt‘s noch nicht

Dazu kommt, dass auch im Gemeinderat bereits die Idee die Runde machte, etwa ein Drittel dieser rund elf Hektar für die Wohnbebauung vorzusehen. 130 Wohnungen könnten hier nach Vorschlägen des Rathauses entstehen, denn auch die werden dringend gebraucht. Stefan Köhler bestätigt aber, dass die Stadt das restliche Areal im Fallenbrunnen als künftige Gewerbefläche vom Bund gekauft hat. Will man jetzt auf einem Teil Wohnungen bauen, muss die Stadt einen ordentlichen Nachschlag auf den Kaufpreis zahlen, denn Bauland für Wohnungen ist deutlich teurer.

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Entwicklungsziel für den Fallenbrunnen ist bis dato ein „Wissenspark“. Konkrete Pläne für den Nordosten des Geländes gibt es aber noch nicht. Ende dieses Jahres ist ein „Hackathon“ geplant: Die Verwaltung soll mit Studierenden nach Ideen forschen, die „einen Impuls für die Quartiersentwicklung“ liefern. So hat es der Gemeinderat zumindest im April beschlossen. Dann braucht es ein Nutzungskonzept für den nächsten Schritt: einen stadtebaulichen Wettbewerb, in dem Architekten ihre Vorschläge unterbreiten. Und all das muss letztendlich in einen Bebauungsplan einfließen. Das braucht Zeit. Der mögliche Zeitplan, der im April dem Gemeinderat zur Kenntnis gegeben wurde, sieht für den Fallenbrunnen nach einer langen Planungsphase auch mit Workshops und Bürgerbeteiligung Baurecht erst ab Anfang 2023 vor.

Was ist „hochschulaffin“?

In dieser Phase wird sich der Gemeinderat auch mit der Frage auseinandersetzen müssen, was „hochschulaffin“ genau bedeutet. Ob heutige Gewerbemieter in den alten Kasernen im Fallenbrunnen ein Angebot bekommen, im „neuen“ Fallenbrunnen bleiben zu dürfen, „muss der Rat entscheiden“, sagt Bürgermeister Stefan Köhler. Er geht allerdings davon aus, dass ein Großteil der Betriebe die dann fälligen Preise nicht zahlen kann.

Für Ekkehard Badent jedenfalls war das Gespräch mit dem Ersten Bürgermeister und seinen Leuten aus dem Rathaus „in gewisser Weise ein Lichtblick“. Einige Gewerbetreibenden hoffen sogar, dass sie nicht nur deutlich länger bleiben können als bis Jahresende, sondern dass es für sie vielleicht doch noch ein Plätzchen im „Wissenspark Fallenbrunnen„ geben wird.