Drei Architekten, Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, Dietmar Kathan, Vorsitzender der Kammergruppe Bodensee, sowie sein Stellvertreter Johann Senner schlagen vor, eine Bundesgartenschau (Buga) 2031 oder 2033 nach Friedrichshafen zu holen, um neue Perspektiven für die Stadtentwicklung zu gewinnen. Das hat zu unterschiedlichen Reaktionen der Parteien geführt – bis hin zum Vorschlag der Grünen, den Flughafen zu schließen und dort eine Bundesgartenschau zu entwickeln.

Der Uferpark, dessen Neugestaltung im Herbst vom Gemeinderat beschlossen werden könnte, sollte nach Ansicht einiger Befragter nicht durch Buga-Planung verzögert werden. Für Markus Müller zerteilt und beeinträchtigt die Bahnlinie, hier von der Bismarckstraße gesehen, die Innenstadt.
Der Uferpark, dessen Neugestaltung im Herbst vom Gemeinderat beschlossen werden könnte, sollte nach Ansicht einiger Befragter nicht durch Buga-Planung verzögert werden. Für Markus Müller zerteilt und beeinträchtigt die Bahnlinie, hier von der Bismarckstraße gesehen, die Innenstadt. | Bild: Wex, Georg

Das sagt die Stadtverwaltung

Überlegungen zur Bewerbung für eine Buga gab es bisher bei der Stadt nicht, berichtet Pressesprecherin Monika Blank, noch entsprechende Anträge aus dem Gemeinderat. „Mit der Ausrichtung einer Gartenschau lassen sich in jeder Stadt wichtige und sinnvolle Impulse setzen, das zeigen die Bundes- und Landesgartenschauen, aber auch die Internationalen Gartenausstellungen (IGA)“, erklärt Blank. 2007 war Friedrichshafen teil einer IGA-Bewerbung, die 2017 hätte stattfinden sollen, aber letztlich an den unterschiedlichen Interessen der 23 beteiligten Kommunen um den Bodensee und Organisatoren scheiterte. Aber daraus entstand die Landesgartenschau (LGS) 2020 in Überlingen. In Friedrichshafen wurden beziehungsweise werden laut Blank einige Maßnahmen aus den IGA-Überlegungen umgesetzt: Erledigt ist die Sanierung des Schlosshafens, geplant sind die Neugestaltung des Uferparks, der Friedrichstraße und des Bahnhofsvorplatzes.

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Das sagen die Grünen

Die Grünen können sich grundsätzlich eine Bundesgartenschau in Friedrichshafen vorstellen, schreiben sie in einer Stellungnahme zu dem Vorschlag: „Dadurch könnte Friedrichshafen im Sinne einer grünen und lebenswerten Stadt weiterentwickelt werden.“ Mit einer Bundes- oder Landesgartenschau könnten Probleme ganzheitlich angegangen werden – „vom Grün in der Stadt bis zu Wohnen und Verkehr“. Voraussetzung wäre die Verbesserung der umweltschonenden Verkehrsverbindungen. Da bei einer Buga in der Regel Brachflächen, alte Industrieanlagen oder Konversionsflächen umgenutzt würden, schlagen sie das Flughafengelände für eine Gartenschau vor.

Der defizitäre Flughafen Friedrichshafen sei „vor dem Hintergrund des Klimawandels überholt“ und „nicht mehr zu verantworten“. Zudem müssten die Planungen zum Uferpark weiterlaufen und die Planung zur Neugestaltung des Museumsquartiers am Hinteren Hafen eingebunden werden. Sie stellen auch die Fragen, ob die Buga die Einheimischen Eintritt kosten werde und was im Bugajahr mit den eintrittsfreien Festen im Uferpark geschehe.

Die Grünen wollen für eine Bundes- oder Landesgartenschau das Flughafengelände nutzen und den Bodenseeairport schließen.
Die Grünen wollen für eine Bundes- oder Landesgartenschau das Flughafengelände nutzen und den Bodenseeairport schließen. | Bild: Wex, Georg

Das sagt die CDU

Eine klare Gegenposition bezieht die CDU-Fraktion. „Neue Dauerbaustellen über Jahre, drohende Überlastung der örtlichen Infrastruktur mit unzumutbaren Belastungen für die Häfler und das Problem fehlender Großflächen, sind die Gegenargumente“, teilt Norbert Fröhlich mit: „Die Abschaffung des Flughafens Friedrichshafen für diesen oder andere Zwecke, wie das manche ganz unverhohlen fordern, halten wir für Unfug.“ „Eine Buga würde überdies Geld verschleudern, das anderswo weit dringender gebraucht wird“, findet Martin Baur. „Andere Projekte, die ebenfalls Geld kosten, zum Beispiel Museumskonzept und Hinterer Hafen, könnten teils stillstehen oder in die Warteschleife geraten, weil eine Buga unweigerlich Vorfahrt bei Planung und Mitteln beanspruchen würde.“ „Riedleparktunnel, Schul- und Schulhofsanierungen, Kita-Personal und Bildung, dort gilt es das Geld hineinzustecken, statt mit einer Buga ein potenzielles Millionengrab anzustreben“, meint Daniel Oberschelp.

Das sagen die Freien Wähler

Angelika Drießen von den den Freien Wählern (FW) berichtet auf Nachfrage, für eine Fraktionsstellungnahme sei es derzeit durch die Kommunalwahl zu früh. Die neue FW-Fraktion wolle sich erst einmal beraten und im Juli positionieren. Persönlich finde sie den Vorschlag der Architektenkammer schwierig. „Wo sollen die Flächen dafür sein?“, sagt Drießen. „Ich bin für den Erhalt des Flughafens„, bezieht sie klar Stellung zur Idee der Grünen, den Flughafen zu schließen. „Isek und der Uferpark haben für uns Vorrang“, so Drießen.

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Das sagt die SPD

„Wir werden das Thema am 19. Juni durchsprechen und uns eine vorläufige Meinung bilden“, sagt Wolfgang Sigg. Man stehe der Idee offen gegenüber. Allerdings müsse eine solche Planung zur Integrierten Stadtentwicklung (Isek) passen und eine Fläche zur Verfügung stehen. Es sei nach genauer Prüfung eventuell vorstellbar, Isek und Buga „in Verbindung“ umzusetzen. Zur Flughafen-Idee der Grünen meint Sigg: „Die Diskussion wollen wir nicht führen.“ Er sehe da auch keine Verbindung. „Der Flughafen ist notwendig für unsere Region“, sagt Sigg.

Das sagt das Netzwerk für Friedrichshafen

Das Netzwerk für Friedrichshafen würde nach Auskunft von Philipp Fuhrmann eine Bewerbung der Stadt für eine Bundesgartenschau unterstützen, wenn drei Kriterien erfüllt seien: Die Buga müsse sowohl in der Planung als auch in der Durchführung 100 Prozent klimaneutral sein oder es sogar verbessern, sie müsse modellhaft ökologisches und soziales Wohnen zeigen sowie Flächen renaturieren und keine naturbelassenen Flächen bebauen. Das Netzwerk schlägt konkret folgende Projekte vor: Umbau des RAB-Geländes zur grünen Stadtmitte, ökologischer Wohnungsbau am Fallenbrunnen, Renaturierter Rotachpark von der Quelle bis zur Mündung sowie eine durchgrünte Stadt mit einem klimaneutralen Verkehrskonzept. Von einer Umnutzung des Flughafengeländes hält Fuhrmann nichts: „Es gibt andere Konversionsflächen und blinde Stellen.“

Für das Netzwerk für Friedrichshafen erscheint das RAB-Gelände an der Eugenstraße für die Stadtentwicklung interessant.
Für das Netzwerk für Friedrichshafen erscheint das RAB-Gelände an der Eugenstraße für die Stadtentwicklung interessant. | Bild: Wex, Georg

Das sagt die FDP

„Prinzipiell treten wir der Idee offen gegenüber“, sagt Gaby Lamparsky. In der Vergangenheit habe man es bedauert, dass die ab 2007 geplante Internationale Gartenbauausstellung nicht zustande kam. Auch sie hat Isek im Blick und man müsse hier abwägen. Dazu fehlten ihr allerdings noch Informationen. „Auf keinen Fall darf es passieren, dass infolgedessen der Uferpark auf Eis gelegt wird“, stellt sie fest. Zur Flughafenidee der Grünen meint sie: „Wir haben derzeit noch so viele verkehrliche Nachteile, dass wir den Flughafen unbedingt brauchen.“

Das sagt die ÖDP

Sylvia Hiß-Petrowitz (ÖDP) meint, grundsätzlich finde sie selbst die Idee nicht schlecht, aber: „Wir haben genug Baustellen in der Stadt, die wir umsetzen sollten.“ Zudem bezweifelt sie, dass bei der Personaldecke im Rathaus ein solches Großprojekt gestemmt werden könnte. Ihr persönlich würde als Fläche der Fallenbrunnen als Erstes einfallen. Den Vorschlag der Grünen, das Flughafenareal zu verwenden, sei „politisch verbohrt“. „Wir brauchen den Flughafen einfach aufgrund unserer Infrastruktur“, sagt Hiß-Petrowitz.

Das sagen die Linken

Noch keine abschließende Meinung hat man bei den Linken. Sander Frank, der im neuen Gemeinderat sitzt, meinte, die Tendenz sei, die Buga abzulehnen. Hier würden Flächen und Geld verschwendet, zudem fehle das üblicherweise große Gelände für die Umsetzung. Jetzt schon sei die Infrastruktur völlig überlastet. „Ich finde es richtig, den Flughafen zu überdenken“, erklärt er zur Idee der Grünen. Aber jetzt aus einer „Not eine Tugend“ machen zu wollen, findet er nicht sinnvoll. Es gebe, wenn der Flughafen einmal schließe, sicher weitere Möglichkeiten als für ein Prestigeprojekt Buga.

Das sagt die AfD

Kritik kommt von der AfD Bodenseekreis zur Idee, das Flughafengelände für eine Buga zu nutzen. Dies wäre ein riesiger Fehler. „Die Messe, der Tourismus und die hiesige Wirtschaft profitieren immens vom Flughafen in Friedrichshafen„, schreibt Christoph Högel, stellvertretender Vorsitzender.

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Wie die Architektenkammer ihren Vorschlag begründet

  • Chance für Stadtentwicklung: Idee der Architekten ist, dass „Sonderformat“ einer Bundesgartenschau (Buga) zu nutzen, um städtebauliche Ziele zu setzen und zu planen, die im Normalbetrieb nicht angepackt werden könnten, erläutert Markus Müller. Er sieht dabei keine Konkurrenz zum laufenden Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek). Isek sei ein vorgeschriebener Prozess, um an Städtebaufördermittel zu gelangen und fundamental, um den Bürgerwillen abzubilden. „Eine Buga wäre nicht konkurrierend, sondern ergänzend“, so Müller.
  • Bahnlinie zerschneidet Innenstadt: Müller sieht beispielsweise Verbesserungspotenzial in der Altstadt-Ost (Eckener Straße, Lindauer Straße, Kleiner-Berg-Quartier). Weitere Beispiel seien der Seewald, die Riedleparkstraße und die Maybachstraße. „100 Meter vom Ufer weg, spürt man nicht mehr, dass man am Bodensee ist“, sagt Markus Müller. Die Innenstadt werde durch die Bahnlinie zerschnitten. Er sei überzeugt, für die Klagen der Einzelhändler sei nicht der See im Süden ursächlich, sondern der Bahndamm im Norden. Natürlich sei dies eine „Herkulesaufgabe“. Den Flughafen sieht er als ein ganz anderes Thema und nicht verknüpft mit einer Buga.
  • Finanzstarkes Friedrichshafen: Ziel des Vorschlages sei eine Diskussion in Gang zu setzen und auch über das scheinbar undenkbare nachzudenken. Friedrichshafen habe mit seiner Industrie mehr Kraft als andere 60 000-Einwohner-Städte, sondern spiele eher in der Liga von 150 000- bis 200 000-Einwohner-Städten. Er verweist auf die Ergebnisse in Heilbronn, wo die gegenwärtige Bundesgartenschau stattfindet, sowie auf die erfolgreichen städtebaulichen Bemühungen in Ulm oder Karlsruhe. Diesen Geist „las es uns ehrgeizig angehen“ wolle man in einer Stadt der Innovationen auch im Städtebau wecken. „Als Architektenkammer ist es nicht unsere Aufgabe zu sagen: Lasst alles, wie es ist“, so Müller. (wex)