Licht an, Bass laut und dann ist sie da: Nena gibt bei ihrem Konzert im Graf-Zeppelin-Haus alles. Sie hüpft von links nach rechts, auf und ab, immer im Takt mit ihren Zuhörern. Die 59 Jahre merkt man der Sängerin dabei kaum an. Und das bewundert das Publikum.

Sabine Lövenich und Tochter Amina (von links) sind das erste Mal gemeinsam auf einem Konzert. „Nena ist eine Sängerin, die finden wir beide super“, sagt Sabine Lövenich.
Sabine Lövenich und Tochter Amina (von links) sind das erste Mal gemeinsam auf einem Konzert. „Nena ist eine Sängerin, die finden wir beide super“, sagt Sabine Lövenich. | Bild: Mona Lippisch

„Nena ist unglaublich. Sie wirkt auf uns sehr jugendlich“, sagt etwa Sabine Lövenich, die gemeinsam mit ihrer Tochter Amina zum Konzert gekommen ist. „Es ist für mich das erste Konzert und dann gleich Nena„, freut sich Amina. „Dass das Konzert nach drinnen verlegt wurde, ist wirklich schade“, sagt Sabine Lövenich allerdings auch.

Sabine und Norbert Löffler sind mit Tochter Vanessa ins Graf-Zeppelin-Haus gekommen. Für die Achtjährige ist es das erste Konzert. „Ich kenne die Lieder von Nena, weil wir im Auto eine CD haben, die wir oft anhören“, erzählt Vanessa. Ihr Lieblingslied ist „99 Luftballons“.
Sabine und Norbert Löffler sind mit Tochter Vanessa ins Graf-Zeppelin-Haus gekommen. Für die Achtjährige ist es das erste Konzert. „Ich kenne die Lieder von Nena, weil wir im Auto eine CD haben, die wir oft anhören“, erzählt Vanessa. Ihr Lieblingslied ist „99 Luftballons“. | Bild: Mona Lippisch

Es ist kaum eine halbe Stunde ihres Auftrittes vergangen, da springt Nena auf einer etwa vier Quadratmeter großen Plattform inmitten ihrer Fans. Das Publikum grölt. „Fast so, wie in meinem Proberaum 1977“, vergleicht die Sängerin die kleine Bühne mit den Anfängen ihrer Karriere. Schon immer sei ihr die Nähe zu den Fans sehr wichtig gewesen. „Es war ganz besonders. Auf einmal war sie uns so nah“, sagt Mara Förster, die aus Überlingen zum Konzert gekommen ist.

Am ersten der beiden Konzertabende zog Sängerin Nena auf ihrer „Nichts versäumt“-Tour alle Blicke auf sich.
Am ersten der beiden Konzertabende zog Sängerin Nena auf ihrer „Nichts versäumt“-Tour alle Blicke auf sich. | Bild: Mona Lippisch

Mit Klassikern wie „Vollmond“, „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ und „99 Luftballons“ reißt Nena nicht nur ihre Fans der ersten Stunde mit. Und auch die neuen Lieder überzeugen. Auf ihrer Sommertour durch Deutschland hat die Sängerin ihren Sohn Sakias Kerner dabei. Mit ihm singt sie das Lied „Manchmal ist ein Tag“. Der Funke springt über, die Besucher tanzen und singen. Nena wirkt euphorisch: „Obwohl ich schon seit 40 Jahren auf der Bühne stehe und eigentlich Routine habe, ist jedes Konzert aufs Neue etwas ganz besonderes. Einfach faszinierend, berauschend. Danke Friedrichshafen.“

Dagmar Boos (links) und Karin Rasch-Boos helfen bei der Getränkeausgabe. Mit den Einnahmen bessern sie die Vereinskasse des TSV Tettnang auf.
Dagmar Boos (links) und Karin Rasch-Boos helfen bei der Getränkeausgabe. Mit den Einnahmen bessern sie die Vereinskasse des TSV Tettnang auf. | Bild: Mona Lippisch

Einigen Konzertbesuchern wird es im Saal zu zu warm

Auch am zweiten der beiden Konzertabende, die eigentlich unter freiem Himmel hätten stattfinden sollen, kocht der Saal regelrecht. „Das geht ja heiß los!“, kommentiert Michael Patrick Kelly, der von einem singenden Publikum begrüßt wird. In der ersten Reihe fließen sogar Freudentränen, als er die Bühne betritt. 2900 Zuschauer jubeln ihm zu. Viele von ihnen kennen jede Silbe seiner Lieder. Bei „Shake away“ schließlich tanzt und singt nicht nur der Saal – sondern auch das Foyer. Hierhin sind rund 200 Menschen ausgewichen, denen es ganz drinnen zu warm geworden ist.

Eine Frau, ein Klavier, eine beeindruckende Stimme: Lløren gibt vor dem Auftritt von Michael Patrick Kelly in Friedrichshafen laut eigener Aussage ihr bisher größtes Konzert und begeistert auf ganzer Linie.
Eine Frau, ein Klavier, eine beeindruckende Stimme: Lløren gibt vor dem Auftritt von Michael Patrick Kelly in Friedrichshafen laut eigener Aussage ihr bisher größtes Konzert und begeistert auf ganzer Linie. | Bild: Lena Reiner

„Wäre es möglich gewesen, hätten wir die Karten zurückgegeben“

„Es ist praktisch, dass man von hier aus noch die Bühne sieht“, kommentiert Monika Congradyova, die ihren Junggesellinenabschied feiert und mit ihrem Tutu die Blicke auf sich zieht. Die Laune lässt sie sich dabei nicht verderben, auch wenn sie ganz klar sagt: „Es ist drinnen viel zu warm.“ Eine ihrer Begleiterinnen, Helena Ströbele, ergänzt: „Wir hatten mit dem Open-Air geplant. Wäre es möglich gewesen, hätten wir die Karten auch zurückgegeben und stattdessen auf dem Weinfest in Meckenbeuren gefeiert.“

Das könnte Sie auch interessieren

Andere loben die Konzert-Atmosphäre im GZH

Familie Fuchs hat ebenfalls den warmen Saal verlassen, ist sich aber einig: „Wir lassen uns die Laune nicht davon verderben, dass es kein Open-Air geworden ist. Das Konzert ist toll!“ Die achtjährige Maria steht auf einem Stuhl, um besser sehen zu können und tanzt dort oben mit.

2900 Besucher drängten sich am Samstagabend beim Konzert von Michael Patrick Kelly vor der Bühne im Hugo-Eckener-Saal des Graf-Zeppelin-Hauses.
2900 Besucher drängten sich am Samstagabend beim Konzert von Michael Patrick Kelly vor der Bühne im Hugo-Eckener-Saal des Graf-Zeppelin-Hauses. | Bild: Lena Reiner

Manche erfuhren erst vor Ort von der Verlegung

Auch Brigitte Wolf, die mit ihrem Mann Bernd aus Vöhringen nach Friedrichshafen gekommen ist, urteilt: „Es ist ein super Konzert, sehr angenehme Atmosphäre, top organisiert, akustisch klasse.“ Bernd Wolf räumt ein: „Natürlich wäre es noch cooler, würde es draußen stattfinden.“ Die beiden wurden von der Verlegung nach drinnen noch dazu überrumpelt: Sie erfuhren die Änderung erst bei ihrer Ankunft. Aber – auch da sind sich die beiden einig: „Wir kommen wieder, wenn hier wieder etwas in der Art stattfindet.“

Echte Fans: Ralf Leuter und Karin Schneider aus Meersburg hofften am Samstagabend darauf, dass irgendjemand spontan zwei Tickets weiterverkauft: Weder vom Nieselwetter noch der Verlegung in den Saal ließen sie sich die Vorfreude nehmen.
Echte Fans: Ralf Leuter und Karin Schneider aus Meersburg hofften am Samstagabend darauf, dass irgendjemand spontan zwei Tickets weiterverkauft: Weder vom Nieselwetter noch der Verlegung in den Saal ließen sie sich die Vorfreude nehmen. | Bild: Lena Reiner

Die ersten Fans sind schon früh angereist

Dirk Beckmann, Geschäftsführer der Zehrer Gastronomie, der an diesem Konzertabend entspannt dem Konzert lauschen kann, weil er nicht fürs Catering zuständig ist, zeigt sich beeindruckt von Kellys treuen Fans. „Die Ersten sind schon gestern Früh um 8 Uhr angereist“, verrät er. Sie seien zum Kaffeetrinken ins Restaurant gekommen. Zuerst habe er gedacht, Nena-Fans vor sich zu haben, doch er wurde eines Besseren belehrt: „Sie wollten sichergehen, auch ja ganz vorn einen Platz zu ergattern.“

Festivalflair? Vor dem Graf-Zeppelin-Haus schaut‘s trotz Saalkonzert ein wenig wie nach einem Open-Air aus.
Festivalflair? Vor dem Graf-Zeppelin-Haus schaut‘s trotz Saalkonzert ein wenig wie nach einem Open-Air aus. | Bild: Lena Reiner

Was nach den zwei Konzerten bleibt, sind erschöpfte, glückliche Gesichter und der vielfach geäußerte Publikumswunsch: Große Stehkonzerte im Graf-Zeppelin-Haus sollten nicht nur eine Notlösung für abgesagte Open-Air-Veranstaltungen bleiben.