Manch einer könnte meinen, das Leben in Fischbach ist zum Stillstand gekommen. Seit der direkte Weg von und nach Immenstaad gesperrt ist, hat der motorisierte Verkehr auf der Ortsdurchfahrt deutlich abgenommen. Das Fahrrad ist nun die erste Wahl unter den Fortbewegungsmitteln. Doch mit der eingekehrten Ruhe sind nicht alle glücklich.

An jeder Kreuzung wird der Verkehr umgeleitet.
An jeder Kreuzung wird der Verkehr umgeleitet. | Bild: Lange, Tobias

Freude, Ärger und Humor

Ellen Schmidt ist mit ihrem Fahrrad unterwegs und genießt die autofreie Zeit. „Erholung pur“, urteilt sie. „Ein neues Lebensgefühl.“ Jeden Tag überquert sie den Zebrastreifen auf Höhe Eichenmühleweg. „Ich kann gar nicht sagen, was ich da schon erlebt habe“, sagt sie. Denn entgegen der Vorschrift halten nicht alle Fahrer an, um sie herüber zu lassen. „Das ist manchmal lebensgefährlich“, klagt sie. Selbst auf dem Geh- und Radweg fühlt sich die Radfahrerin nicht immer sicher. „An Lkw vorbei zu fahren ist Horror.“

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Vom ausbleibenden Verkehr wenig begeistert ist hingegen Elke Höpker vom Blumenhaus Höpker, das direkt an der B 31 liegt. Sie beklagt sich über die Auswirkungen auf das Geschäft. „Dass es für unsere Kunden nicht schön ist, zweieinhalb Stunden im Stau zu stehen, ist klar“, sagt sie. „Dass sie genervt sind, ist auch klar.“ Es sei alles andere als schön, dass ihre Kunden aus Immenstaad für den Besuch im Laden stundenlang unterwegs sind.

Gähnende Leere am Ortsschild.
Gähnende Leere am Ortsschild. | Bild: Lange, Tobias

In den sozialen Netzwerken sorgt die leere Straße für Erheiterung. So schreibt ein Nutzer auf der SÜDKURIER-Facebookseite: „Fischbach ist jetzt ein Erholungsort und Luftkurort. Ein beschauliches keines Vorstädtchen mit schöner ruhige Lage.“ Einen Seitenhieb gegen die staugeplagten Auto- und Lasterfahrer kann er sich aber nicht verkneifen: „Danke für euer Verständnis“, schiebt er spöttisch hinterher.

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Autofahrer lernen dazu

Gesperrt ist die B 31 schon ab der Einmündung Spaltensteiner Straße. Ab hier dürfen eigentlich nur noch Anlieger weiterfahren. Die wenigen Autos, die ab hier auf der Ortsdurchfahrt unterwegs sind, haben überwiegend auswärtige Kennzeichen – Köln, Berlin, Hamburg. Ein Rottweiler fährt an der Absperrung vorbei. Er wolle auf den Campingplatz, sagt er.

Manch ein Autofahrer umfährt die Sperrung an der Einmündung Spaltensteiner Straße. Ab hier gilt für Anlieger frei.
Manch ein Autofahrer umfährt die Sperrung an der Einmündung Spaltensteiner Straße. Ab hier gilt für Anlieger frei. | Bild: Lange, Tobias

Tatsächlich scheint sich das mit der Straßensperrung mittlerweile herumgesprochen zu haben. Anfangs berichteten Zeugen in den sozialen Netzwerken von Verkehrsteilnehmern, die sämtliche Warnungen ignorierten, um dann vor der Baustelle zu wenden. Seit Beginn der Sperrung hat sich das sichtlich verbessert, die Straße zwischen Ortsschild und Baustelle ist frei von Verkehr.

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Obacht vor Radfahrern

Doch auch ohne Autos und Laster ist der Spaziergang an der Ortsdurchfahrt für Fußgänger nicht ganz ungefährlich. Denn schnell kommt man einem der Fahrradfahrer in die Quere. Von denen sind in Fischbach derzeit viele unterwegs. Denn sie können weiterhin direkt nach Immenstaad fahren.

Das Fahrrad ist in Fischbach derzeit Fortbewegungsmittel Nummer 1.
Das Fahrrad ist in Fischbach derzeit Fortbewegungsmittel Nummer 1. | Bild: Lange, Tobias

Der Radweg ist auf der Südseite der Straße zum größten Teil befahrbar. Nur im Bereich der Lipbachbrücke geht es ein Stück über die Baustelle. Hier ist dann schieben und gegenseitige Rücksichtnahme angesagt. Die Radler nehmen diese kleine Unannehmlichkeit mit Humor. „Das ist ja mal ein richtiges Abenteuer“, sagt eine.

Radfahrer können entspannt auf dem Radweg entlang der Baustelle entlangradeln.
Radfahrer können entspannt auf dem Radweg entlang der Baustelle entlangradeln. | Bild: Gisela Keller