Den Vorschlag der Stadtverwaltung, zunächst mehrere Planungsbüros mit der Ideenfindung zu beauftragen, lehnten die meisten Gemeinderat ab. Stattdessen gaben sie der Stadtverwaltung den Auftrag mit, "in naher Zukunft" einen Plan mit den gestaltungsfähigen Potenzialflächen zu erarbeiten.

Bürgermeister Stefan Köhler: "Alle haben Einfluss auf den Handel vor Ort"

"Der Einzelhandel steht aus verschiedenen Gründen unter enormem Druck“, sagte Erster Bürgermeister Stefan Köhler. Das größte Problem sei die Konkurrenz durch den Online-Handel. Wenngleich darauf kaum Einfluss genommen werden könne, wolle er doch deutlich vorweg gestellt wissen: „Alle haben durch ihr persönliches Verhalten Einfluss auf den Handel vor Ort, in Friedrichshafen und jeder anderen Stadt.“

So begrüßen es denn auch die Häfler Einzelhändler, dass etwas für die Innenstadt getan werden soll. „Ein lange ersehnter Wunsch wird wahr“, sagte Stadtmarketing-Chef Thomas Goldschmidt und signalisierte die Bereitschaft seitens der Händler, sich an der Weiterentwicklung zu beteiligen.

Ungenutzte Flächen wie das ehemalige Zollamt im Fokus

Warum aber ist die Häfler Innenstadt offenbar kein attraktives Pflaster mehr für analoges Bummeln und Flanieren? Kritikpunkte wurden beispielsweise im Zusammenhang mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept Isek gesammelt: Mangelnde Belebung der Innenstadt, fehlende kleine inhabergeführte Geschäfte, wenig Angebote für junge Menschen und zu hohe Geschäftsmieten gehören dazu. Aber auch ungenutzte Flächen wie das Zollareal, wenig Sitzmöglichkeiten und gestalterische Defizite. Insbesondere auf letztere Punkte kann und soll Einfluss genommen werden. Und das möglichst rasch. "Es ist fünf vor zwölf", drängte Gerlinde Ajiboye-Ames (FDP) darauf, dieses Vorhaben möglichst rasch anzugehen. "Wir müssen es schaffen, dass die Häfler wieder gerne im Hafen einkaufen."

Zweifel an allzu umfangreichen Gestaltungspotenzialen

„Das in vielen Gemeinden bekannte Problem der Innenstadt-Verödung wird Friedrichshafen nicht lösen können“, sagte Heinz Tautkus (SPD). Dafür brauche es eine Anstrengung, die größer sei als Isek. Auf Forschung basierende Vorschläge, wie Städte auf dieses Problem der Verödung reagieren können, etwa. „Alles andere ist Kosmetik und sonst nichts“, sagte Tautkus. Er sprach sich gegen die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene umgehende Mehrfachbeauftragung mitsamt Workshopverfahren aus. Sein Vorschlag: In "Räumen" denken und dann "klein, aber dafür schnell“ handeln.

Seine Vermutung, dass am Ende einer Analyse ohnehin nur wenige Räume bleiben werden, die überhaupt gestaltet werden können, äußerte auch Daniel Oberschelp (CDU): "Ich glaube, das Potenzial ist nicht riesig." Die Lebendigkeit lasse sich durch markante Projekte wie zuletzt das K42 steigern. Vergleichbare Projekte könnten Platz auf dem alten Zollareal finden. Bislang ist das allerdings Zukunftsmusik. "Wir brauchen in manchen Bereichen jetzt nicht mit dem Gestalten anfangen, wenn da in fünf Jahren vielleicht alles anders ist", sagte Oberschelp.

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„Klein-klein an vielen Stellen ist auch groß“, sagte Ulrich Heliosch (Grüne). Bedenken am von der Stadt vorgeschlagenen Vorgehen teilte er nicht. Für ein einheitliches Gesamtbild brauche es ein Konzept, argumentierte er. Heliosch sähe die Friedrichstraße bei den Überlegungen gerne integriert. "Mit dem Zoll-Areal könnten wir mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen", schlug Karl-Heinz Mommertz (SPD) vor, das Gebäude an der Schanzstraße mit in die Überlegungen aufzunehmen. Sowohl die City-Passage, als auch die Eugen-Bolz-Straße könnten dadurch mit aufgewertet werden. Thematisiert werden soll die Zukunft des alten Zollamtes zunächst unabhängig von der Innenstadt-Aufwertung (siehe unten). Ganz entscheidend bei dem Versuch, den Einkauf zum Erlebnis zu machen, seien Cafés und Kneipen, sagte Mommertz und ergänzte: "Wir müssen versuchen, eine ordentliche Kneipenszene zu etablieren."

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Das Isek-Handlungskonzept sieht verschiedene Schritte zur Attraktivierung vor, die bei den Überlegungen Berücksichtigung finden sollen: eine Überprüfung der Funktionalität und Aufwertung der innerstädtischen Plätze, einen Lichtmasterplan, Kunst im öffentlichen Raum sowie eine qualitätvolle innerstädtische Begrünung etwa. Nur: Wo könnte überhaupt ein Baum gepflanzt werden? Und braucht es dafür Planungsbüros? Daniel Oberschelp stellte letztlich den Antrag, dem der Ausschuss mehrheitlich zustimmte. Über das weitere Vorgehen soll beraten werden, wenn gestaltbare Flächen ausgelotet sind.

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