Mit gut zweimonatiger Verspätung wird am kommenden Freitag die Kreisstraße K 7785 von Frickingen nach Leustetten nach Abschluss der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen für den Verkehr wieder freigegeben. Fast neun Monate war das rund zwei Kilometer Straßenstück gesperrt.

Neun Monate, in denen die Bevölkerung mit einer gut zehn Kilometer langen Umleitung über Salem und Rickenbach leben musste. Umso mehr sorgten die rund drei Monate länger dauernden Bauarbeiten für Unmut.

Umsatzverlust von 1,5 Millionen Euro für Tankstelle durch Straßensperrung

„Ich habe durch die Straßensperrung einen Umsatzverlust von 1,5 Millionen Euro hinnehmen müssen“, klagt Josef Keßler, Inhaber einer Tankstelle in Leustetten. Für ihn steht die Notwendigkeit der Straßensanierung zwar außer Frage. „Aber“, so findet er, „man hätte diese auch schneller bewerkstelligen können.“ Er wirft dem Bauträger, dem Straßenbauamt des Bodenseekreises, schon Versäumnisse bei der Vorplanung vor.

Außerdem seien in der Regel nicht mehr als fünf Bauarbeiter tätig gewesen, die dann um 16 Uhr auch schon Feierabend gemacht hätten. Dasselbe Tiefbauunternehmen führe in seiner Nachbarschaft die Erschließungsarbeiten für ein Baugebiet durch, und da würde bis 17 Uhr gearbeitet.

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„Das Ganze hätte man schneller bauen können“, sagt der Tankstellenbesitzer und hält mit seiner Verärgerung nicht zurück. „Das Ganze ist eine Unverschämtheit“, betont er mit Blick auf seinen Umsatzeinbruch um 37 Prozent. Normalerweise fülle der Tankwagen bei ihm zwei Mal in der Woche auf, während der Straßensperrung habe einmal gereicht. „Ich kann es kaum erwarten, bis Freitag ist und meine Tankstelle wieder in den Normalmodus übergehen kann“, meint Keßler.

Leustetter nutzen Einkaufsmöglichkeiten auf Umleitungsstrecke

Josef Keßler ist nicht der Einzige, der den kommenden Freitag herbeisehnt. Auch Christoph Hiller, der Inhaber des gleichnamigen Edeka-Frischemarkts in Frickingen, ist froh, wenn, wie er humorvoll sagt, „die Wiedervereinigung der Dörfer“ kommt. Er habe während der Straßensperrung viele bekannte Gesichter aus Weildorf und Leustetten in seinem Laden vermisst. Tatsächlich ist in der Leustettener Bevölkerung zu hören, dass sie sich gleich in Salem und nicht in Frickingen mit Lebensmitteln versorgten, wenn sie schon auf der Umleitungsstrecke schon in Salem waren.

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Aber auch der Ortsreferent des Salemer Teilorts Rickenbach, Walter Hohl, ist froh, dass die Umleitung endlich aufgehoben wird. „Auch unser Ort zählte zu den Leidgeprüften“, sagt er. Denn der Verkehr habe in Rickenbach während der Sperrung der K 7785 deutlich zugenommen.

Straßenbauamt: „Bauablauf der Sanierungsmaßnahme nicht ideal gelaufen“

„Der Bauablauf der Sanierungsmaßnahme ist nicht ideal gelaufen“, räumt Andreas Pehlke vom Straßenbauamt des Bodenseekreises ein und führt verschiedene Gründe für die zeitlichen Verzögerungen an. Vor allem hätten Logistikprobleme wie beim Abfahren des angefallenen Bodenmaterials und coronabedingte Einschränkungen dazu geführt.

Kreisstraße war für ordnungsgemäßen Begegnungsverkehr zu schmal

Pehlke betont, genauso wie Frickingens Bürgermeister Jürgen Stukle, dass die Sanierung der K 7785 dringend notwendig gewesen sei. Bürgermeister Stukle verweist auf zwei Hangrutsche, die sich in den zurückliegenden Jahren schon ereignet haben. Diese Hangrutsche kamen nicht von ungefähr. „Mit 4,50 Metern Breite war die Straße für einen ordnungsgemäßen Begegnungsverkehr viel zu schmal“, erklärt Andreas Pehlke. Lastwagen seien nicht aneinander vorbeigekommen, ohne auf das Straßenbankett auszuweichen.

Um die Fahrbahn der K 7785 verbreitern zu können, musste eine 400 Meter lange Stützmauer errichtet werden.
Um die Fahrbahn der K 7785 verbreitern zu können, musste eine 400 Meter lange Stützmauer errichtet werden. | Bild: Peter Schober

Jetzt sei die Straße auf 6,50 Meter verbreitert worden. Damit erklärt Pehlke auch die Wuchtigkeit der Baustelle. Um Fläche für die Verbreiterung der Straße zu gewinnen, habe man auf der Südseite der Straße eine 400 Meter lange Stützmauer errichten müssen. Außerdem sei der gesamte Unterbau der Straße marode gewesen und habe von Grund auf erneuert werden müssen.

Weitere Straßensperrung im Frühjahr, um Feinasphalt aufzubringen

Im kommenden Frühjahr, etwa im März bis April, muss die Straße noch einmal für mindestens zwei Wochen gesperrt werden. Dann wird, wenn es die Witterung zulässt, der Feinasphalt aufgebracht. Dann aber, so versichert Pehlke, herrsche endgültig wieder freie Fahrt zwischen Leustetten und Frickingen.