Deggenhausertal – Rund zwei Wochen ist es her, dass in Untersiggingen auf einer Teilstrecke der Landesstraße 204 eine Beschränkung auf Tempo 30 – von 7 bis 17 Uhr – eingeführt wurde. Wer sich auf dem Bänkle beim Fuchsbau niederlässt und den Verkehr beobachtet, merkt jedoch recht schnell, dass sich kaum etwas geändert hat. Schwerlast-Lkw, Autos, Motorroller und Motorräder fahren mit teils hoher Geschwindigkeit durch den Ort. Und wenn sich tatsächlich einer an Tempo 30 hält, fahren die übrigen Autofahrer offensichtlich verärgert dicht auf. Wie kommt's?

Zwar wurden die Schilder für die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufgestellt. Dennoch sind sie eher dezent platziert. Ein Anwohner, der nicht namentlich genannt werden will, erklärt: "Erst wenn regelmäßig Strafzettel verteilt werden, wird sich wohl etwas ändern." Und Elli von Ow-Haag sowie ihre Mutter Erika von Ow, Mesnerin der Pfarrkirche Maria Königin, die oftmals den Straßenabschnitt auf dem Gehweg benutzen, meint: "Kaum jemand hat bemerkt, dass die Schilder aufgestellt wurden und nur wenige halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung."

Auch der Schwerlastverkehr scheint die neue Tempo-30-Beschilderung in Untersiggingen zu übersehen und fährt mit hohem Tempo durchs Dorf. Links die Kirche Maria Königin, im Hintergrund links der Waldorfkindergarten.
Auch der Schwerlastverkehr scheint die neue Tempo-30-Beschilderung in Untersiggingen zu übersehen und fährt mit hohem Tempo durchs Dorf. Links die Kirche Maria Königin, im Hintergrund links der Waldorfkindergarten. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Seit Jahren schon kämpften viele Bürger von Untersiggingen, einem Teilort der Gemeinde Deggenhausertal, um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Landesstraße 204 in der Ortsdurchfahrt von Untersiggingen. Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen ist diese Hinterlandtrasse eine gute Alternative für viele Autofahrer, um den Staus auf der Bundesstraße 33 – unter anderem in Markdorf – zu entgehen. Dadurch hat der Verkehr im Tal und in Untersiggingen deutlich zugenommen – gerade auch der Schwerlastverkehr nutzt diese Route.

Zwei Kindergärten an der Strecke

Ein Anwohner in Untersiggingen zählte jüngst 164 Fahrzeuge in einer Viertelstunde, wobei das natürlich nicht repräsentativ ist. Auch ist die Landesstraße in einem recht schlechten Zustand, was zu einem erhöhten Lärmpegel beiträgt. Zudem werden bei Nässe die Fußgänger von oben bis unten vollgespritzt. Als wichtigster Punkt zählt wohl die Tatsache, dass es in Untersiggingen zwei Kindergärten gibt – den Waldorfkindergarten und den gemeindlichen Kindergarten mit Kinderhaus – und der Schutz der Kinder oberste Priorität genießt. Nach gut fünf Jahren ein Erfolg.

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Bürgermeister Fabian Meschenmoser berichtete in der Juni-Sitzung des Gemeinderats: "Im Rahmen einer Verkehrsschau mit den verschiedenen Ämtern im Deggenhausertal wurde entschieden, für den Bereich zwischen der Aachbrücke und der Abfahrt nach Grünwangen (an der Kirche) auf der Landesstraße 204 in der Ortsdurchfahrt Untersiggingen von Montag bis Freitag zwischen 7 und 17 Uhr eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h zu verfügen." Anfang August wurden die entsprechenden Schilder vermutlich aufgestellt.

"Änderungen müssen sich erst etablieren"

Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts Bodenseekreis, über die neue Geschwindigkeitsbegrenzung.

Gibt es eine Möglichkeit, deutlicher auf die Neuregelung hinzuweisen?

Die Schilder sind in der regulären Größe aufgestellt und daher gut wahrnehmbar. Größere Schilder sollen nicht von der Aufmerksamkeit auf Fußgänger ablenken. Diese wären kontraproduktiv. Im Übrigen müssen sich alle verkehrlichen Änderungen erst etablieren. Es hat deshalb keinen Sinn, gleich zu Beginn einer Neuregelung in Aktionismus zu verfallen. Wir warten die Entwicklung erst einmal ab, bevor wir Nachbesserung für dringlich ansehen.

Kann auf der Fahrbahn ein weiterer Hinweis durch eine 30-Markierung aufgetragen werden?

Dies stellen wir in das Ermessen der Gemeinde. Allerdings müsste je Fahrtrichtung dann auch wieder Tempo 50 markiert werden, weil Tempo 30 nach einem kurzen Stück wieder endet.

Ist beabsichtigt, mehr oder weniger häufig einen mobilen Blitzer aufzustellen – gerade in der Anfangszeit?

Nach einer Einführungszeit der neuen Geschwindigkeitsregelung sind durchaus mobile Messungen vorgesehen.

Besteht die Möglichkeit, einen stationären Blitzer aufzustellen?

Hierzu müssen einige Hürden und Prüfschritte absolviert werden: In der Regel beantragen die jeweiligen Gemeinden stationäre Messanlagen für ihren innerörtlichen Bereich. Diese Antragsliste wird dann durch die Straßenverkehrsbehörde priorisiert und im Rahmen des durch den Kreistag bewilligten Budgetrahmens umgesetzt, wobei auch auf eine sinnvolle Verteilung im Landkreis geachtet wird. Für das laufende Jahr sind jedoch keine Mittel für neue stationäre Standorte vorgesehen.

Warum wurde am Ende der Tempo-30-Zone kein Schild aufgestellt, das die Geschwindigkeitsbegrenzung wieder aufhebt?

Da die Geschwindigkeitsbegrenzung mit dem Zusatz „Kindergarten“ versehen ist, ist für die Autofahrer auch gut erkennbar, wo dieser Beschränkungsgrund endet. In solch einem Fall ist ein Aufhebungsschild verzichtbar.

Fragen: Wolf-Dieter Guip