Mit der Unterschrift auf einem Dienstleistungs- und Beratervertrag zwischen der Gemeinde Deggenhausertal und der Energieagentur Ravensburg ist nun der Startschuss für die Zertifizierung der Gemeinde mit dem europäischen Qualitätsmanagement- und Auditierungsverfahren European Energy Award (EEA) erfolgt.

Teilnahme am EEA bereits 2018 beschlossen

„Wir begeben uns auf einen grünen Weg, mit dem viele Themen abgedeckt werden und es ist wichtig, dass man sich aktiv auf diesen Weg begibt“, unterstrich Bürgermeister Fabian Meschenmoser. Das Ausrufen eines Klimanotstands, wie es die Stadt Konstanz getan hat, sei zwar medial interessant und mache hellhörig, allerdings komme es auf die Umsetzung an. Deshalb habe der Gemeinderat von Deggenhausertal bereits 2018 die Teilnahme am EEA beschlossen. Warum die Vertragsunterzeichnung mit der Energieagentur erst jetzt erfolgt ist, begründete Fabian Meschenmoser damit, dass die Verwaltung zunächst die Kommunalwahlen habe abwarten wollen, um die neuen Räte von Beginn an in das Thema einzubeziehen.

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Erfassung des Ist-Zustands dauert ein Jahr

Walter Göppel, der Geschäftsführer der Energieagentur Ravensburg, betonte: „Heute ist ein ganz wichtiger Tag für die Gemeinde Deggenhausertal.“ Zunächst gelte es, ein Energieteam in der Gemeinde zu bilden. Auf Basis der Daten des Jahres 2018 sollen zunächst Energiekennzahlen für die verschiedenen Bereiche gebildet werden. Diese Erfassung des Ist-Zustands werde wohl ein Jahr in Anspruch nehmen. Aus dieser Schwächen- und Stärkenanalyse werde dann ein Maßnahmenkatalog entwickelt und diese Maßnahmen Schritt für Schritt umgesetzt.

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Nach vier Jahren erfolge dann die EEA-Zertifizierung nach einem Punktesystem, erläuterte Walter Göppel. Werden 50 Prozent der Punkte erreicht, erhalte die Gemeinde den European Energy Award; bei 75 Prozent der Punkte gebe es den Award in Gold.

Gemeinde trägt Kosten in Höhe von 4800 Euro

Die Beratungskosten durch die Energieagentur belaufen sich in diesen vier Jahren auf 14 800 Euro. Bei einem Landeszuschuss in Höhe von 10 000 Euro verbleiben 4800 Euro, die die Gemeinde tragen muss, was inklusive Mehrwertsteuer rund 2000 Euro pro Jahr bedeutet. Für bestimmte Maßnahmen, beispielsweise für die energetische Sanierung gemeindlicher Gebäude, gibt es zu den gewöhnlichen Zuschüssen zusätzlich vom Land Baden-Württemberg einen zehnprozentigen Zuschuss. Der European Energy Award sei mehr als Klimaschutz, meinte Göppel.

Schon beim Neubau des Rathauses in Wittenhofen 2013 wurde mit der Tiefbohrung die Möglichkeit geschaffen, das Gebäude mit Erdwärme zu versorgen. Im Sommer wird im umgekehrten Verfahren eine leichte Kühlung des Rathauses ohne Klimaanlage gewährleistet.
Schon beim Neubau des Rathauses in Wittenhofen 2013 wurde mit der Tiefbohrung die Möglichkeit geschaffen, das Gebäude mit Erdwärme zu versorgen. Im Sommer wird im umgekehrten Verfahren eine leichte Kühlung des Rathauses ohne Klimaanlage gewährleistet. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Ansatzpunkte bei Neubaugebieten, kommunalen Anlagen und Wasserversorgung

Aus sechs Handlungsfeldern erläuterte er anhand von Beispielen verschiedene Bereiche, die untersucht werden, um Verbesserungen oder Einsparungen zu realisieren. Bei der Entwicklungsplanung und Raumordnung mit der Ausweisung von Neubaugebieten im Flächennutzungsplan könnten im Baurecht bei Bebauungsplänen von vorn herein entsprechende Regeln festgelegt werden. Bei kommunalen Liegenschaften und Anlagen – etwa beim Hallenbad, der Alfons-Schmidmeister-Halle und der Schule – würden Einsparpotenziale erhoben. Bei der Wasserversorgung würden sich laut Walter Göppel ebenfalls Ansatzpunkte ergeben, ebenso wie bei der gemeindeeigenen, energieintensiven Kläranlage.

Mobilität im Fokus

Beim Thema Mobilität seien das Projekt Emma und die Ausweitung des öffentlichen Personennahverkehrs gute Ansätze, jedoch gelte es, die Bürger mit einzubeziehen und zu motivieren, umweltfreundliche Fahrzeuge zu nutzen. Auch in den Bereichen interne Organisation der Gemeinde sowie Kommunikation und Kooperation gebe es ein breites Betätigungsfeld.

Angesichts der vielen Aktionsfelder schloss Bürgermeister Fabian Meschenmoser: „Wir werden in der Praxis der Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen lernen.“

Klima- und Umweltschutz

  • In den Bereichen Klima- und Umweltschutz sowie Energieeinsparung ist die Gemeinde Deggenhausertal schon seit Jahren engagiert. Einige Beispiele: Das im Jahre 2014 bezogene neue Rathaus wird über Erdwärme beheizt und auf dem Dach befinden sich Fotovoltaik-Anlagen. Sämtliche gemeindlichen Liegenschaften werden mit Ökostrom versorgt. Das Dienstfahrzeug verfügt über Hybridtechnik. Es gibt eine neue Ladesäule für Elektrofahrzeuge. Die Fotovoltaik-Anlage beim Klärwerk wird genutzt, um die Maschinen und Pumpen dort zu betreiben. Auch auf der Alfons-Schmidmeister-Halle, die künftig mit LED-Beleuchtung ausgestattet werden soll, gibt es eine Fotovoltaik-Anlage. Aktuell läuft ein Projekt, die Straßenbeleuchtung im Tal auf LED umzustellen.
  • Seit 20 Jahren gibt es die Energieagentur im Landkreis Ravensburg und seit zwölf Jahren im Bodenseekreis; jetzt gehören auch die Landkreise Sigmaringen und Biberach dazu. Es ist eine unabhängige und produktneutrale Agentur. Geschäftsführer Walter Göppel betont: „Es geht darum, Kommunen in Richtung Klimaschutz und Energie unabhängig zu beraten und zu begleiten.“ Es gelte, Klimaschutz von unten herauf, also von der kommunalen Ebene her zu organisieren, weil die Kommunen die Entscheidungsträger in der breiten Fläche seien. Das EEA-Projekt ist eine EU-Maßnahme, die im Jahr 2006 in Baden-Württemberg für die Kommunen eingeführt wurde – auf der Grundlage von entsprechenden Projekten in Österreich und der Schweiz.

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