„Für die Warnung der Bevölkerung auf regionaler Ebene sind die unteren Katastrophenschutzbehörden auf Kreis- und kommunaler Ebene zuständig“, teilt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf Nachfrage mit. Im Rahmen des ersten bundesweiten Warntags am 10. September soll getestet werden, ob die entsprechenden Systeme auch funktionieren. Wie wollen sich die Kommunen im Bodenseekreis an der Aktion beteiligen?

Sirenen zur Alarmierung der Einsatzkräfte

Das Landratsamt des Bodenseekreises gibt Auskunft, dass in mehreren Gemeinden noch Sirenen vorhanden seien, diese aber voraussichtlich am Katastrophenwarntag nicht zum Einsatz kämen: „Diese dienen ausschließlich der Alarmierung der Einsatzkräfte bei Feuerwehr-Großlagen. Für den Bevölkerungsschutz spielen Sirenen in Baden-Württemberg schon lange keine Rolle mehr. Das System wurde in den 1990ern aufgegeben.“

Behörden des Bevölkerungsschutzes aktuell stark gefordert

Weiter heißt es, dass auch die Corona-Pandemie eine Rolle am Warntag spiele: „Aktuell und seit Monaten sind die Behörden des Bevölkerungsschutzes enorm gefordert, weshalb wir im Landkreis bewusst auf zusätzliche Aktionen am Warntag verzichtet haben.“

Sirenen zwar vorhanden, aber oftmals nicht mehr funktionstüchtig

Bermatingen, Daisendorf, Owingen, Überlingen und Tettnang verfügen noch über funktionierende Sirenen. Zur Sirenensituation in Friedrichshafen schreibt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung: „Zwar stehen auf einigen Dächern noch vereinzelt Masten – die alten Sirenen funktionieren aber nicht mehr.“

Sirenen gibt es noch vereinzelt, wie hier in Tettnang-Obereisenbach oder in Tettnang-Tannau.
Sirenen gibt es noch vereinzelt, wie hier in Tettnang-Obereisenbach oder in Tettnang-Tannau. | Bild: Mommsen, Kerstin

Marco Pudimat, der Leiter des Ordnungsamts in Tettnang, gibt nach einem Planungstreffen Auskunft: „Wir fühlen uns ein bisschen im Stich gelassen. Es gibt zwar diese bundesweite Webseite, aber darüber hinaus wurden uns keinerlei Informationen zur Verfügung gestellt. Es wirkt irgendwie so, als sollten wir einfach selbst schauen, was wir machen wollen.“

In Tettnang können die Sirenen manuell aktiviert werden

In Tettnang sei das Thema nicht neu, da die Digitalisierung der Sirenen seit Jahren diskutiert werde. Dass dies noch nicht erfolgt sei, sei nun von Vorteil, da die Sirenen manuell aktiviert werden könnten: „Da muss jemand hin und den Knopf drücken.“ Es folge dann ein zwei Minuten andauernder Sirenenton. Alle sieben Sirenen sollen so bei der Übung ausgelöst werden.

Warum die Sirenen in der Gemeinde erhalten werden sollen

Feuerwehrkommandant Konrad Wolf erklärt: „Wir haben gerade gestern beschlossen, dass wir mit der Digitalisierung der Sirenen noch abwarten, die Sirenen aber auf jeden Fall erhalten.“ Er sehe gerade in einer Gemeinde wie Tettnang keinen anderen Weg, die Bevölkerung im Katastrophenfall auch sicher zu erreichen: „Manche haben keinen Handyempfang und mit einem Lautsprecherwagen ist das schwierig mit dem ganzen Hinterland.“ Er erhoffe sich eine klare Aussage der Bundesregierung nach Auswertung des ersten Warntages.

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In Überlingen und Bermatingen werden die Sirenen schweigen

In Überlingen etwa werden aus demselben Grund die Sirenen am Warntag schweigen, da einen falschen Alarmton auszulösen nicht Sinn der Übung sei. Auch in Bermatingen kann lediglich der Warnton für die Feuerwehr ausgelöst werden. Den angekündigten Warntag möchte Hauptamtsleiterin Maria Wagner allerdings zum Anlass nehmen, eine zusätzliche Programmierung der Sirenen für den Katastrophenfall prüfen zu lassen, betont aber: „Unsere Sirenen funktionieren, das ist erst einmal das Wichtigste.“

Martin Weber von der Integrierten Leitstelle Bodensee-Oberschwaben erklärt: „Man muss sich dazu die Historie anschauen. Die Bundesregierung hat die Sirenen, die noch im Kalten Krieg eingesetzt wurden, und die zuständige Bundesstelle, die die Sirenen aktivieren konnte, eingestampft.“ Sie habe den Kommunen überlassen, ob und wie sie die Sirenen weiter einsetzen wollen. „Viele Sirenen sind noch auf den Dächern, eventuell auch in der Theorie funktional, aber werden nicht mehr genutzt.“

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