Oft geht es ganz schnell. Ein bisschen Unwohlsein, ein kurzes Stechen und schon geht es um Leben und Tod. Gerade bei einem Herzinfarkt kann jede Minute entscheidend sein. Sobald ein Notruf abgesetzt wurde, piept es deshalb am Hosenbund oder auf den Nachttischen von vier Frauen und Männern in und um Meßkirch: Die sogenannten „Helfer vor Ort“ werden gerufen.

Vier Freiwillige unterstützen Rettungsdienst

Als „Helfer vor Ort“ oder „First Responder“ springen die gut ausgebildeten Ehrenamtlichen bei einem Notruf ein und leisten Hilfe. So lange, bis der Notarzt eintrifft. „Ersthelfer vor Ort sind sehr wertvoll“, sagt Armin Seifried, Bereitschaftsleiter und Vorsitzender beim Deutschen Roten Kreuz in Meßkirch. Er hat in Meßkirch eine Gruppe an Ehrenamtlichen aufgebaut, sucht aber dringend nach weiteren Ersthelfern. Innerhalb von 15 Minuten sollen Rettungswagen in Baden-Württemberg im Notfall eintreffen. In einigen Fällen ist das zu spät, in manchen geht es sogar noch deutlich länger. „Wenn der Rettungswagen gerade auf einer Transportfahrt ist, ist keiner da“, unterstreicht Seifried die Notwendigkeit der „First Responder“. Vier Freiwillige leisten in der Region bereits Dienst.

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Unbekannte Jungen retten Mann

Einer von ihnen hätte es auch sein können, der einem Meßkircher am 4. Januar das Leben gerettet hat. Dieser Mann, er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, ist in einem Hauseingang in der Meßkircher Hauptstraße schwer gestürzt und blieb bewusstlos liegen. Zwei unbekannte Jungen haben einen Notruf abgesetzt. „Sie haben mir das Leben gerettet. Nur ein paar Minuten später wäre ich verblutet“, sagt der Mann gegenüber dieser Zeitung. Er wurde sofort mit dem Rettungshubschrauber nach Villingen ins Schwarzwald-Baar Klinikum geflogen wurde. Erinnern kann der Mann sich an seinen Unfall nicht. Die Folgen seines Sturzes waren eine schwere Kopfverletzung und ein geprellter Arm. Inzwischen ist der Mann wieder zu Hause in Meßkirch und erholt sich von seinen Verletzungen. Er sucht über den SÜDKURIER seine Lebensretter, weil er sich bei den beiden Jungs bedanken möchte. „Sie haben toll reagiert“, so der Mann. Er habe von einem Sanitäter erst nach seiner Heimkehr erfahren, dass es zwei Jungen waren, die den Notruf abgesetzt haben. In der Klinik in Villingen habe der Chefarzt zu ihm gesagt, er sei der Glückspilz 2020, weil er sehr viel Blut verloren habe. Umso glücklicher ist der Mann, dass er rechtzeitig gefunden wurde.

In diesem Eingang stürzte am 4. Januar ein Mann und verletzte sich schwer.
In diesem Eingang stürzte am 4. Januar ein Mann und verletzte sich schwer. | Bild: Julia Lutz

 

DRK Meßkirch sucht weitere Helfer

„Diese beiden Jugendlichen waren zwar keine ‚Helfer vor Ort‘, aber als Ersthelfer haben sie absolut richtig gehandelt“, sagt Armin Seifried. Der Bereitschaftsleiter hat vier Ehrenamtliche in seinem Team, die eine Sanitäterausbildung haben und abwechselnd Einsätze fahren: Der Diensthabende bekommt das mit medizinischen Geräten ausgestattete Auto und wird bei jedem Notruf aus der Region sofort informiert, insofern ein medizinisch relevanter Zeitvorteil vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes besteht. Je früher jemand Erste Hilfe bekomme, desto besser und schneller könne er sich regenerieren. Nun hofft Armin Seifried, dass er noch mehr Ehrenamtliche für „Helfer vor Ort“ begeistern kann.

Wie finanziert sich „Helfer vor Ort“?

Im Gegensatz zum Rettungsdienst werden die Helfer vor Ort nicht von den Krankenkassen finanziert. Die Gruppe wird unterstützt durch Spenden von Unternehmen sowie der Stadt Meßkirch und den Gemeinden Sauldorf und Leibertingen. Nur so war die Anschaffung von zwei Fahrzeugen für die Gruppe möglich sowie die Schutzausrüstung inklusive Melderempfänger.

  • Die beiden Jungen werden gebeten sich beim SÜDKURIER in Meßkirch, Hauptstraße 24, Telefon 0 75 75 92 11 61 43, zu melden. Die Meldung wird vertraulich behandelt.
Ein Helfer vor Ort wird durch das DRK mit einer entsprechenden Ausrüstung unterstützt. Dafür sorgt Armin Seifried, der seit 48 Jahren selbst beim DRK engagiert ist.
Ein Helfer vor Ort wird durch das DRK mit einer entsprechenden Ausrüstung unterstützt. Dafür sorgt Armin Seifried, der seit 48 Jahren selbst beim DRK engagiert ist. | Bild: Julia Lutz

 

„Helfer vor Ort“

„Helfer vor Ort“ kommen immer dann zum Einsatz, wenn die ehrenamtlichen Helfer den Ort eines Notfalls schneller erreichen können als der Rettungsdienst oder aber, wenn das nächste Rettungsfahrzeug noch im Einsatz ist. Die Ehrenamtlichen übernehmen die Versorgung des Patienten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Sie führen lebenserhaltende Sofortmaßnahmen wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch und betreuen die Patienten. Die ehrenamtlichen Lebensretter legen einen Erste Hilfe Kurs sowie eine Sanitäterausbildung mit 50 Stunden ab. Hinzu kommen Praktika und Fortbildungen. Die „Helfer vor Ort“ sind Mitglieder der Bereitschaften und werden von diesen gestellt. Material sowie Fahrzeuge werden durch den DRK-Ortsverein in Meßkirch getragen.

  • Ansprechpartner DRK Meßkirch, Bereitschaftsleiter Armin Seifried, Telefon 0 75 75 46 39, Handy 01 74 6 18 59 30