Mit welchen Projekten, die in Ihrer Amtszeit realisiert wurden, sind Sie besonders zufrieden?

In den 16 Jahren ist natürlich unglaublich vieles gelaufen und ich habe fast den gesamten Ort umgegraben. Aber besonders zufrieden bin ich über die Beseitigung der beiden großen Industriebrachen mit dem ETO-Gelände und der ehemaligen Maschinenfabrik Beck, wo sich heute der tolle Edekamarkt und der Seniorenwohnpark Seefelder Aach befinden. Auch mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses und dem Neubau der Tourist-Information mit Welterbesaal bin ich außerordentlich zufrieden. Die Betreuung unter drei Jahren sind wir frühzeitig angegangen und haben sie erfolgreich gelöst. Als kleines Projekt möchte ich aber noch den Bürgerpark Aachinsel erwähnen, der zusammen mit der Wasserkraftanlage sehr gelungen ist.

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Welche Projekte hätten Sie sich anders gewünscht beziehungsweise gibt es etwas, was Sie gerne verwirklicht gesehen hätten?

Gut, da kann ich Ihnen natürlich sofort die Ortsmitte in Mühlhofen nennen, wo durch die Passivität des Berliner Insolvenzverwalters inzwischen auch der Hauptgläubigerin, einem seeübergreifenden Geldinstitut, der Kragen geplatzt ist. Sehr gerne hätte ich noch die Fertigstellung des Neubaus des Kinderhauses Sonnenschein erlebt, genauso wie die Neubauten des Bauhofes und des Hafenmeistergebäudes mit der Fertigstellung der Uferpromenade. Das Projekt Schulstraße 12 in Unteruhldingen hätte ich ebenfalls gerne noch in meiner Amtszeit gelöst.

Noch mal zurück zur Ortsmitte Mühlhofen: Zuletzt stand ja die Zwangsversteigerung für das Grundstück im Raum, wo die Aach-Arkaden hätten entstehen sollen. Wo steht das Verfahren inzwischen?

Es kommt Bewegung in dieses Thema und ein Kaufvertrag noch vor der Versteigerung des Grundstücks scheint tatsächlich näher zu rücken. Die Zielsetzung der Gemeinde sind Geschäfte im Erdgeschoss und Wohnungen darüber. Auch das Thema Drogeriemarkt könnte sich wieder neu auftun. Mehr will ich aber dazu heute noch nicht sagen.

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Was hat Sie in den zurückliegenden 16 Jahren ganz besonders gefreut beziehungsweise geärgert?

Riesig gefreut habe ich mich über eine tolle Zusammenarbeit mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde, den Gemeinderäten und der gesamten Bürgerschaft. Die Zusammenarbeit mit den Betrieben, den Kirchen und unseren Vereinen sowie allen ehrenamtlichen Tätigen war für mich immer tief beeindruckend und ich möchte mich dafür herzlich bedanken. Ärgern kann man mich zumindest langfristig nicht; ich explodiere zwar innerlich ab und zu, aber am anderen Tag habe ich das verarbeitet. Ich lass mich vom Ärger nicht auffressen, denn sonst hätte ich diesen schönen Beruf nicht ausüben können.

In Ihren Jahren als Bürgermeister gab es den ein oder anderen öffentlichen Konflikt. Hätten Sie im Rückblick etwas anders gemacht, beispielsweise bei der Feuerwehr-Steueraffäre?

Bei den Steuernachzahlungen bei der Feuerwehr bestand die große Gefahr, dass die Feuerwehr auseinander bricht und unsere Gemeinde keine einsatzfähige Feuerwehr mehr gehabt hätte. Hinzu kam noch das Problem, dass zwei Beschäftigte der Gemeinde indirekt betroffen waren. Für mich hatte der Schutz der Betroffenen oberste Priorität. Meine Zielsetzung war, das Problem ohne großen Wirbel zu lösen, denn das Thema war für die Gemeinde schon etwas peinlich. Es gab damals noch drei Abteilungen bei der Feuerwehr, wenn man das Birnauer Weinfest auf alle drei Abteilungen verteilt hätte, wären gar keine Steuern zu zahlen gewesen. Ich hatte damals riesige andere Baustellen in der Gemeinde und das Birnauer Weinfest als bereits bestehendes jahrzehntelanges Weinfest traf mich völlig unvorbereitet. Und ich konnte am wenigsten etwas für diese Steuerangelegenheit. Wobei die Gemeinde noch Glück gehabt hat, denn wäre die zweieinhalbseitige Anzeige beim Finanzamt nicht gegen den Kommandanten persönlich mit der Privatanschrift gerichtet gewesen, sondern gegen die Feuerwehr, die ja eine Gemeindeeinrichtung ist, dann hätten wir mithilfe der Beratungsfirma PWC keine nachträglichen Steuererklärungen mehr abgeben können. Im Nachhinein hätte ich, laufendes Verfahren hin oder her, einfach mit der Veröffentlichung von Unterlagen die böswillig verbreiteten Lügen einer bestimmten und immer wiederkehrenden Personengruppe widerlegen sollen. Das war mein großer Fehler und ich hätte natürlich auch früher den Gemeinderat unterrichten sollen. Hinterher ist man immer schlauer.

Bei Ihrer Antrittsrede vor 16 Jahren forderten Sie die Bürger auf, nach besten Kräften bei der Kommunalpolitik mitzuwirken, denn bürgerschaftliches Engagement müsse in die Entscheidungsfindung der kommunalpolitisch verantwortlichen Gremien einfließen. Ist das in Uhldingen-Mühlhofen gelungen?

In den 16 Jahren haben wir vieles über das bürgerschaftliche Engagement in die Wege leiten können. Als Beispiel nenne ich hier den Masterplan Weltkulturerbe Pfahlbauten, den wir 2011/2012 in vielen Bürgerworkshops und Maien-Spaziergängen erarbeitet und inzwischen fast vollständig umgesetzt haben. Die damals als wichtig angesehenen Projekte wurden dann vor der Realisierung nochmals durch Workshops konkretisiert. Hierfür bedanke ich mich bei den Bürgerinnen und Bürgern recht herzlich.

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Sie wurden von einigen kommunalpolitisch aktiven Bürgern auch immer wieder sehr persönlich angegangen: Sind da Narben geblieben?

Nein, wieso denn? Ich habe noch nie Probleme mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern gehabt und berechtigte Punkte habe ich auch immer aufgenommen. Wenn Sie mit Ihrer Frage jedoch auf eine kleine, aber lautstark auftretende Gruppe abzielen, dann muss ich Ihnen antworten, das ist eine Minderheit, die meines Erachtens mehr Eigeninteressen und weniger das Allgemeinwohl im Blickfeld haben. Sowas nehme ich gar nicht ernst und deshalb sind da auch keine Narben vorhanden.

Der Konflikt zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Gastgeberverein Uhldingen-Mühlhofen hinsichtlich der elektronischen Meldepflicht und der Bedenken, dass der Datenschutz nicht gewahrt ist, wenn die Gästedaten an die Gemeinde weitergegeben werden, besteht weiterhin. Weshalb war die Gemeinde bislang nicht bereit, lediglich die Daten zu erfassen, die zur Ermittlung der Kurtaxe notwendig sind, und unter anderem auf den Namen des Gastes zu verzichten?

Jetzt muss ich wirklich schmunzeln, denn die Gemeinde verlangt nur die Daten, die gesetzlich zulässig sind. Wenn ich irgendwo auswärts übernachte, ist mein Name immer auf dem inzwischen fast überall angewendeten elektronischen Meldeschein angegeben und das ist auch richtig so. Wir haben einen Anwalt eingeschaltet und bei einer gerichtlichen Klärung wird auch dieser Personenkreis feststellen müssen, dass die Gemeinde im Recht ist. Ganz lachhaft wurde es vor kurzem, als einer dieser Verweigerer von Daten uns mit dem Hinweis auf das Coronavirus kritisiert hat und Großzügigkeit forderte, dabei hat er schon lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht einmal mehr die damals gültigen Papiermeldescheine abgegeben. Das ist wirklich Scheinheiligkeit pur. Die Hoffnung auf Vernunft habe ich hier schon längst aufgegeben.

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Zum Schluss Ihrer Amtszeit waren Sie mit der Corona-Pandemie konfrontiert, weshalb es vorläufig ja auch keine öffentliche Verabschiedung Ihrerseits geben wird. Wie sind Sie und das Rathausteam sowie die Bürger bislang durch diese Krise gekommen?

Das hat uns ja alle völlig überraschend und ohne Vorwarnung getroffen. Aber lassen Sie mich meinem Rathausteam und auch der Bürgerschaft ein großes Kompliment aussprechen, denn wie alle dies bisher unaufgeregt und mit Verständnis gemeistert haben, verdient großen Respekt und Anerkennung. Ich bin richtig stolz auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf unsere Bürger: Danke!

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Dominik Männle und der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen für die nächsten Jahre?

Ich wünsche unserem neuen Bürgermeister viel Erfolg bei der Umsetzung seiner Ziele und ich bin auch fest davon überzeugt, dass er ein sehr gutes Einvernehmen mit der Verwaltung, dem Gemeinderat und der Bürgerschaft pflegen wird. Dominik Männle ist unkompliziert, bodenständig und bürgernah, alles ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Politik.

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Am Sonntag ist für Sie der erste Ruhestandstag nach 44 Jahren und zehn Monaten Arbeit im öffentlichen Dienst. Was haben Sie nun als Erstes vor? Auf was freuen Sie sich?

Ich freue mich auf einen wunderschönen Sommer mit der Familie, einfach mal relaxen und die Seele baumeln lassen. Nachdem ich mein Büro im Rathaus aufgeräumt habe, steht das nun auch zu Hause an, aber hier gilt, es gibt keinen Zeitdruck mehr und ich mache es dann, wenn ich Lust dazu habe. Und ab dem Wintersemester bin ich Student an der Uni in Konstanz, zusammen mit ehemaligen Kollegen. Ich will ja geistig fit bleiben und körperlich unternehme ich mit meiner Frau Radtouren, dazu haben wir uns vor ein paar Tagen zwei E-Bikes gekauft. Der Ruhestand wird spannend.

Und wird sich der Bürger Edgar Lamm künftig vielleicht kommunalpolitisch engagieren?

Der Bürger Edgar Lamm wird noch bis 2024 Mitglied des Kreistages sein und in dieser Funktion einige Ämter wahrnehmen, aber kommunalpolitisch im Ort sich aus allen Themen raushalten. Wie man so schön sagt, ich bin dann mal weg und werde eine Privatperson, die keine öffentliche Profilierung mehr braucht.

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