Die ersten Früchte der „essbaren Stadt“ konnte Kleingärtner Viktor Schlak mit den gereiften Kartoffeln Anfang der Woche schon mal ernten oder ernten lassen. Denn über den SÜDKURIER und einige Plakate hatte er zu der Ernte der tollen Knolle am Montag eingeladen. Viele Interessenten kamen allerdings nicht zu der gemeinsamen Aktion, schon gar niemand von der anvisierten Zielgruppe, den Tafelkunden. Vielleicht lag es ja auch an den heraufziehenden Regengüssen. Doch noch rechtzeitig griffen eine Handvoll Sympathisanten und Mitstreiterinnen von Schlak zu den Werkzeugen und buddelten einige Kartoffeln in ihrer ganzen Vielfalt aus.

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Mit dabei waren die Überlingerin Christine Menke, deren Hamburger Schwester Lillemor Mahlstaedt, die derzeit zu Besuch am Bodensee ist. „Mit gefällt diese Kleingartenanlage sehr“, sagt die Hamburgerin und wollte gerne mit anpacken. Gärtnerische Ambitionen hatten auch Almut Liese-Ullrich und Tanja und Rolf Briddigkeit, die zu den Geräten griffen.

Unrechtmäßig bepflanzt hat Viktor Schlak diese Parzelle mit Gemüse. Die Stadt gestand ihm trotz des gerichtlichen Unterlassungsbeschlusses zu, die Ernte nicht vernichten zu müssen, die er anderen zur Verfügung stellt.
Unrechtmäßig bepflanzt hat Viktor Schlak diese Parzelle mit Gemüse. Die Stadt gestand ihm trotz des gerichtlichen Unterlassungsbeschlusses zu, die Ernte nicht vernichten zu müssen, die er anderen zur Verfügung stellt. | Bild: Hanspeter Walter

Die erste kleine Ernte der Helfer will der Kleingärtner nun einlagern

Viktor Schlak selbst hielt sein wachsames Auge auf die Arbeit der Laienernter. Dass von Tafel und Tafelkunden nichts zu sehen war, konnte sich Schlak leicht erklären. „Ich war vergangene Woche noch dort und habe gesehen, dass es bei der Tafel Kartoffeln quasi im Überschuss gibt“, berichtet er. Zudem habe die Tafel nun drei Wochen Urlaub. Doch darauf nehmen die Kartoffeln in der Kleingartenanlage wenig Rücksicht. Die erste kleine Ernte der Helfer will der Kleingärtner nun solange einlagern, bis die Tafel wieder ihre Türen öffnet und die Kartoffeln vielleicht brauchen kann. Sonst müssen sie die Erntehelfer die Knollen eben selbst essen.

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Unterdessen hat Ulf Janicke am 28. Juli im Namen der Liste für Bürgerbeteiligung und Umweltschutz (LBU) mit dem Liegenschaftsamt einen Vertrag unterzeichnet, die freien und frei werdenden Parzellen in Pacht zu nehmen und mit Interessenten zu pflegen. Das Vertragsverhältnis beginnt am 1. September und läuft zunächst für ein Jahr. Die LBU hatte der Stadt dieses Angebot gemacht, um die Situation in der Kleingartenanlage zu befrieden. Und Oberbürgermeister Jan Zeitler griff zu. Die LBU will sich derzeit allerdings in der Öffentlichkeit bewusst zurückhalten, wie es aus dem Vorstand heißt und mit ihren Aktiven erst etwas Vorzeigbares in die Tat umsetzen.

Hier wächst die essbare Stadt in Form verschiedener Gemüsesorten.
Hier wächst die essbare Stadt in Form verschiedener Gemüsesorten. | Bild: Hanspeter Walter

Aufregung: Ein Pächter rodet seine ganze Fläche

Für Aufregung hatte zwischenzeitlich gesorgt, dass ein Pächter seine ganze Fläche gerodet hatte. Das sei keineswegs im Auftrag der Verwaltung geschehen, ließ das Rathaus ausdrücklich wissen. Auch künftig müssten gärtnerische Anpflanzungen bei einer Übergabe nicht „plattgemacht“ werden, bestätigte ihm die LBU nun schriftlich. Unterdessen macht Viktor Schlak schon wieder ein neues Fässchen auf: Wie das denn künftig mit einer „Permakultur“ aussehe? Soll heißen: mit einem nachhaltigen Dauerkonzept.

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