Oberbürgermeister Jan Zeitler forderte die Räte zu einer geschlossenen Haltung auf. Nur so gelinge es, aus der Situation das Beste zu machen. Dem kam der Gemeinderat, der coronabedingt im Kursaal tagen musste, nach: Das Gremium sprach sich einstimmig für eine Verschiebung der LGS auf nächstes Jahr aus.

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Mit entsprechender Rückendeckung geht Zeitler nun nach Stuttgart, um vom Land eine entsprechende Entscheidung auf dem Verhandlungswege einzufordern. Der Gemeinderat konnte nur eine Empfehlung aussprechen, und er tat dies nach Prüfung verschiedener Szenarien, die die LGS-Geschäftsführer Edith Heppeler und Roland Leitner aufstellten. Die Szenarien sehen vor, dass eine Verschiebung auf Ende Juni oder gar Ende Juli teurer käme als eine Verschiebung auf 2021, die dann immer noch mit einem Minus von rund 5,8 Millionen Euro (prognostiziert) zu Buche schlagen würde.

Roland Biniossek: Vorab öffnen

Die Debatte im Gemeinderat eröffnete Roland Biniossek (BÜB+). Seine Fraktion sei dagegen, „dass das Gelände ein Jahr lang stillgelegt wird“. Biniossek: „Wir können uns nicht vorstellen, dass ein Blühen und Verblühen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Wir müssen der Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, das Gelände wertschätzend zu besuchen.“ Die Argumentation, dass es steuerrechtliche Gründe gebe, ließ er nicht gelten. Er verwies auf die Stadt Kamp-Lintfort in Nordrhein-Westfalen, wo eine Landesgartenschau ebenfalls auf 2021 verschoben wurde, wo das Gelände einer begrenzten Zahl von Besuchern jedoch geöffnet werde. Dort gehe es doch auch, und so forderte er Zeitler zu Verhandlungen auf, die eine Öffnung des Geländes ohne finanzielles Risiko möglich machten.

OB Zeitler: Abstandsregel nicht einhaltbar

OB Jan Zeitler entgegnete, dass er sich an die bundesgesetzliche Steuerregelung gebunden fühle. Er könne sie nicht außer Kraft setzen. „Wir reden über 2,9 Millionen Euro“, die auf dem Spiel stünden, sollte Überlingen zur Rückzahlung von Steuererleichterungen verpflichtet werden, die an das Privileg LGS gebunden waren und wiederum davon abhängen, dass die Veranstaltung für Besucher Eintritt kostet. Außerdem lasse sich bei einem erwartbaren Besucheransturm auf das Gelände die Abstandsregelung nicht einhalten.

Geschäftsführer Leitner: Negative Wirkung für 2021

LGS-Geschäftsführer Roland Leitner ergänzte, dass bei einer Verschiebung Geld auch dadurch eingespart werde, dass man das Gelände nicht auf dem Niveau pflegt, wie es zur LGS vorgesehen gewesen wäre. „Wir werden dann keinen Sommerflor einbringen.“ Wenn die Besucher das Gelände dann aber unter LGS-Aspekten betrachten, „wird es zu Enttäuschungen kommen, die sich auf die Akzeptanz einer LGS im Jahr 2021 negativ auswirken. Wir würden uns selbst das Wasser abgraben.“ Die Abstandsregeln gelten seiner Einschätzung nach noch das ganze Jahr, „unabhängig von Großveranstaltungen“. Leitner: „Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen.“

Walter Sorms: Alles mit einem Satz

Walter Sorms (LBU/Die Grünen) beschränkte sich in seinem Wortbeitrag auf einen einzigen Satz, mit dem er das Drama LGS in Zeiten von Corona umschrieb: „Es ist zum Heulen.“

Günter Hornstein: Verspürt breite Akzeptanz

Günter Hornstein (CDU) verspürte bereits wieder Optimismus, wie er sagte. Und diesen wollte er auch an die Öffentlichkeit senden. „Ab sofort freue ich mich auf den 9. April 2021, auf 192 Tage Landesgartenschau.“ Er habe das Gefühl, dass auch die Bevölkerung von Überlingen eine Verschiebung für die richtige Lösung hält. Eine breite Akzeptenz gebe es auch dafür, das Gelände geschlossen zu halten. „Die LGS wäre es nicht wert, nur als Not- oder Rumf-Landesgartenschau durchgezogen zu werden, unter der momentan bedrückenden Gesamtstimmung.“ Der Reiz des LGS-Geländes sei es ja gerade, dass es bis zur Eröffnung „unberührt“ bleibt. Er wolle keinen Besucherstrom anziehen, der diesen Reiz vorab zunichte macht, und den die Stadt bei nicht oder reduziert vorhandener Gastronomie „gar nicht verkraften könnte“.

Ingo Wörner: Kann BÜB+-Vorschlag nicht nachvollziehen

Ingo Wörner (FDP) erinnerte daran, dass die Flächen in den letzten Jahren schon nicht zugänglich und begehbar waren. Er warf der BÜB+ vor, „eine populistische Vereinigung“ zu sein, die unter dem Risiko einer millionenschweren Rückzahlung von Steuergeld eine Vorab-Öffnung fordere. „Ich kann das nicht nachvollziehen.“

Robert Dreher: Ein Jahr lang längere Vorfreude

Robert Dreher (Freie Wähler/ÜfA): „Mir blutet das Herz. Doch eine Rumpf-LGS brächte nur Enttäuschung und würde niemanden zufrieden stellen.“ Überlingen habe mit einer Verschiebung nun „eine große Aufgabe zu bewältigen“. Dreher: „Wir freuen uns nun ein Jahr länger darauf.“

Herbert Dreiseitl: Kreativ in die Durststrecke

Herbert Dreiseitl (LBU/Die Grünen): „Das tut uns wahnsinnig weh.“ Er halte alle Argumente für nachvollziehbar, „wir müssen das akzeptieren“. Auch er wolle positiv nach vorne schauen, „das Thema krativ angehen“. Mit Verweis „auf die wunderbare Presseabteilung und das gute Marketing“ der LGS regte er dazu an, bestimmte Themen über die Medien zu spielen, auf der Hofstatt Exponate auf Leinwand zu zeigen. Damit könne man die LGS besser über die Durstrecke bringen, „für eine super LGS 2021“.

Manuel Wilkendorf: Erinnerung an Platanen-Debatte

Manuel Wilkendorf (SPD) wunderte sich darüber, wie die BÜB (damals noch ohne +) gegen die Fällung der Platanen argumentierte, und jetzt vorab das Gelände öffnen wolle, „um damit fast drei Millionen Euro zu riskieren“.

Nochmal Biniossek: Falsch zitiert

Roland Biniossek erwiderte, dass Wörner und Wilkendorf ihn falsch zitierten. Er habe lediglich eine Prüfung gefordert, wie oder ob eine Öffnung vorab machbar sei, und nicht, dass man blind in das finanzielle Risiko rennt. „Die Überlinger stehen dann überall an den Zäunen und dürfen nicht rein.“

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