Sie sind selten geworden. Doch es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Zum Beispiel, dass sich das Überlinger Uhu-Paar auch von Corona nicht ins Bockshorn jagen ließ und – von den Restriktionen und Ausflugverboten nichts ahnend – sich aufmachte, auch in diesem Jahr einer neuen Generation das Leben zu schenken. Vor wenigen Tagen schlüpften kleinen „Übis“, mindestens drei an der Zahl – wie in den beiden Vorjahren. Sie werden von ihrer Mutter sorgsam gehütet und gefüttert mit dem, was der Vater erbeutet hat.

Die dreieckige Nische im Molassefels des Überlinger Stadtgrabens (Bildmitte) ist seit 2010 ein idealer Brutplatz für den Überlinger Uhu. Bild: Hanspeter Walter
Die dreieckige Nische im Molassefels des Überlinger Stadtgrabens (Bildmitte) ist seit 2010 ein idealer Brutplatz für den Überlinger Uhu. Bild: Hanspeter Walter | Bild: Hanspeter Walter

Genau zehn Jahre ist es her, als sich im Frühjahr 2010 ein Paar der größten heimischen Eulen nicht nur die heimischen Ornithologen, sondern ganz Überlingen überraschte und sich einen idealen kleinen Felsvorsprung am Eingang zum Grundgraben als Brutplatz auswählte und in unmittelbarer Nähe zur Stadt den ersten Nachwuchs – damals quasi als Einzelkind – aufzog. Zwei Jungtiere waren es 2011 und vier (!) sogar 2012, die an dieser Stelle schlüpften. Mit den drei jungen Uhus aus dem Vorjahr haben hier inzwischen insgesamt 25 Tiere das Licht der Welt erblickt. Die Eltern sind zwar nicht mehr die gleichen, denn im Oktober 2013 kam die erste Mutter durch Rattengift zu Tode. Der Vater fand schon im folgenden Jahr eine neue Partnerin, verschwand dann allerdings selbst später aus unerfindlichen Gründen.

Die Uhu-Mutter sucht in der Frühlingssonne den Schatten, um sich und die Sprösslinge zu schützen. Bild: Hanspeter Walter
Die Uhu-Mutter sucht in der Frühlingssonne den Schatten, um sich und die Sprösslinge zu schützen. Bild: Hanspeter Walter | Bild: Hanspeter Walter

Doch auch für ihn fand sich ein Nachfolger und das neue Paar, das sich auch im Winter hier aufhält, scheint den Felsvorsprung als Brutplatz weiterhin zu schätzen und Überlingen die Treue zu halten. Belegen lässt sich die Identität allerdings auch für die steten Beobachter Rolf Geiger und Michael Brantner vom Grünflächenamt nicht, da die Tiere nicht beringt sind.

Schnbael auf: Die Eule muss die Speisen für die Sprösslinge mundgerecht zerkleinern. Bild: Hanspeter Walter
Schnbael auf: Die Eule muss die Speisen für die Sprösslinge mundgerecht zerkleinern. Bild: Hanspeter Walter | Bild: Hanspeter Walter

„Die Brutplatztreue der Vogelart und das bisherige Verhalten der Vögel lässt jedoch den Schluss zu, dass es sich um die beiden Partner aus dem vergangenen Jahr handelt“, teilt die Pressestelle der Stadt mit. „Die beiden Alttiere sind relativ konstant im Stadtgarten und den Stadtgräben anwesend. Die Präsenz ist zur Brutzeit am höchsten, dennoch können die Tiere auch wie gewohnt über den Winter angetroffen werden“, sagen die Beobachter: „Die ersten Balzrufe konnten auch für diese Brutsaison bereits im November vergangenen Jahres wahrgenommen werden.“

In jeder Überlinger Karikatur von Stefan Roth vertreten ist der Uhu aus dem Stadtgraben. Er kann getröstet werden, der Waldrapp hat ihm noch nicht den Rang abgelaufen.
In jeder Überlinger Karikatur von Stefan Roth vertreten ist der Uhu aus dem Stadtgraben. Er kann getröstet werden, der Waldrapp hat ihm noch nicht den Rang abgelaufen. | Bild: Stefan Roth

Es wird noch einige Wochen dauern, bis der Nachwuchs kräftig genug ist, um beim Jungfernflug mutig in den Stadtgraben zu segelen. Und es bleibt die Hoffnung, dass bis dahin die verordnete Ausgehbeschränkung zumindest etwas gelockert werden konnte. Zum Schutz vor Gartenschaubesuchern – sollte diese bis zu den Flugübungen eröffnet sein – ist ein transparenter Tunnel aus Gazestoff als Durchgang geplant.

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