Zu einer geschlossenen Indoor-Veranstaltung wurde die 1. Schwedenprozession dieses Jahres im St. Nikolaus-Münster. Für den Ablauf im Kirchenschiff gibt es zwar eine Blaupause, die für schlechte Witterung bereitsteht. Nicht jedoch für die begrenzte Zahl an Teilnehmern und die anderen Einschränkungen, die aufgrund der Corona-Verordnungen erforderlich waren.

Viel Platz zwischen den Gottesdienstbesuchern am 1. Schwedensonntag: Oberbürgermeister Jan Zeitler mit Amtskette, an seiner Seite seine Frau Annette Stoll-Zeitler, dahinter Gemeinderat und katholischer Pfarrgemeinderat. Am Sitzplatz durfte der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden.
Viel Platz zwischen den Gottesdienstbesuchern am 1. Schwedensonntag: Oberbürgermeister Jan Zeitler mit Amtskette, an seiner Seite seine Frau Annette Stoll-Zeitler, dahinter Gemeinderat und katholischer Pfarrgemeinderat. Am Sitzplatz durfte der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Das Chorgestühl, in dem sonst Gemeinderat und Pfarrgemeinderat Platz nehmen dürfen, blieb aus diesem Grund ganz leer. Die Vertreter der Gremien durften sich auf jeweils einer Seite des Kirchenschiffs verteilen. Das Fehlen der Trachten und der Schwerttänzer nahm dem Bild die gewohnte Opulenz. Stattdessen mühten sich Heiko Grebing mit seinem siebenköpfigen Technik-Team und drei Kameras, einen lebendigen Eindruck von Gottesdienst und Prozession über den Youtube-Kanal all jenen zu vermitteln, die zuhause bleiben mussten. Ein kleiner Trost war für sie, dass sie manches zu Gesicht bekamen, was ihnen vor Ort möglicherweise entgangen wäre.

Die Bildregie für den Live-Stream der Indoor-Schwedenprozession in einer Seitenkapelle: Heiko Grebing (links) war mit einem siebenköpfigen Team und drei Kameras im Einsatz.
Die Bildregie für den Live-Stream der Indoor-Schwedenprozession in einer Seitenkapelle: Heiko Grebing (links) war mit einem siebenköpfigen Team und drei Kameras im Einsatz. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Mehrfach sprach Pfarrer Bernd Walter ganz bewusst auch die Zuschauer Zuhause an und bezog sie in seine Predigt und die Gebete mit ein. Der sonst übliche Kanonendonner zum Auftakt entfiel, doch erklang die satte Osanna-Glocke wie gewohnt zur Wandlung. Auf den gemeinsamen Gesang, sonst ein wichtiges und verbindendes Element von Gottesdienst und Prozession, musste erstmals ganz verzichtet werden. Einen Ersatz von hoher Qualität bot das vierköpfige Vokalensemble mit Helena Müller (Sopran), Magdalena Stoll (Alt), Roland Ruf (Tenor) und Gerold Jäger-Waldau (Bass) unter der Leitung und mit Begleitung von Melanie Jäger-Waldau.

Coronabedingt wurde die 1. Schwedenprozession des Jahres 2020 unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten und auf Youtube in die heimischen Wohnzimmer übertragen. In der Produktion von Heiko Grebing wurden immer wieder Detailaufnahmen aus dem Nikolausmünster eingeblendet, die dem Betrachter sonst eher verborgen bleiben.
Coronabedingt wurde die 1. Schwedenprozession des Jahres 2020 unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten und auf Youtube in die heimischen Wohnzimmer übertragen. In der Produktion von Heiko Grebing wurden immer wieder Detailaufnahmen aus dem Nikolausmünster eingeblendet, die dem Betrachter sonst eher verborgen bleiben. | Bild: Hilser, Stefan

Am Seiteneingang zum Münster hatte Annerose Supiran-Nylund die Besucher streng kontrolliert und zur Desinfektion der Hände aufgefordert, ehe sie das Gotteshaus betraten. „Am Platz dürfen sie die Maske dann abnehmen“, informierte sie. Die vorgesehenen Bänke waren grün markiert, dazwischen blieben jeweils zwei Reihen ganz leer. Auch auf den seitlichen Abstand musste geachtet werden. So gelang es den knapp 50 Teilnehmern, einen Großteil des mittleren Kirchenschiffes bis weit nach hinten zu belegen.

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Die Corona-Pandemie als ein Lehrstück in Sachen Demut zu verstehen, dazu forderte Pfarrer Bernd Walter in seiner Predigt auf. „Wir sehnen uns nach Normalität“, sagte der Geistliche. Doch Abstand zu halten sei auch „ein Luxus, den man sich leisten muss“. Die ungewohnte Situation zeige, „wie zerbrechlich das Leben ist“. Vieles, worauf man in Überlingen seit Jahren hingearbeitet habe, müsse „ausfallen oder verschoben werden“. Das Virus zeige auch, so Walter: „Ich kann nicht alles erklären. Ich kann nicht alles kontrollieren.“ Mit dem Glauben könne man aus der Situation auch lernen, „weniger um sich selbst zu kreisen“.

Fürbitten für Verschwörungstheoretiker

In seine Fürbitten bezog Pfarrgemeinderat Johannes Krüger nicht nur die an Corona Erkrankten oder Verstorbenen ein, sondern auch explizit all jene, die für Falschinformationen und Verschwörungstheorien anfällig seien.

Bei der Prozession durch das Kirchenschiff, die am Rosenkranzaltar begann, durften schließlich nur zwei Ministranten und Lektoren sowie Oberbürgermeister Jan Zeitler Pfarrer Bernd Walter begleiten. Mit dabei waren zwei Kameras zur Übertragung verschiedener Perspektiven in die Wohnzimmer zuhause. Auf dem Boden neben dem Altar stehen bleiben musste indessen die silberne Schutzmantelmadonna, die sonst durch die Straßen der Altstadt getragen wird.