Die Schwedenprozession geht auf eine Belagerung Überlingens in den Jahren 1632 und 1634 zurück. In einer Prozession, vorbei an fünf Altären in der Stadt, danken die Überlinger für die Bewahrung der Stadt vor Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. In einer Monstranz wird, vergleichbar mit Fronleichnamsprozessionen anderer Gemeinden, eine Hostie durch die Straße getragen. Sie ist nach christlichem Verständnis Zeichen für die Gegenwart Gottes.

 

Video: Stefan Hilser

 

Die Prozession ist einerseits ein Fotomotiv für Touristen, andererseits Gelegenheit für die Bürger, an die Schönheit Überlingens zu erinnern, um Wohlergehen in der Stadt, um eine gute Nachbarschaft und um Frieden auf der Welt zu bitten. In den Dank eingeschlossen wird auch die Bewahrung Überlingens vor Schäden am Boden beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge im Jahr 2002. Oberbürgermeister und Gemeinderat sind aufgerufen, sich an der Prozession zu beteiligen. Der OB hat vom Rathaus ins Münster einen kurzen Weg.

 

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Bei der um 8 Uhr beginnenden Messe im Nikolausmünster nehmen die Kirchengemeinderäte und Stadträte die Plätze im Chorgestühl ein.

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Zu Beginn der Messe um 8 Uhr im Nikolausmünster sind die Bankreihen oft noch dünn besetzt. Die Trachtenfrauen und -Mädchen sind jedoch treue Besucher.

 

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Der Überlieferung nach erschien Maria, die Mutter Jesu', rechtzeitig vor einem geplanten Sturmangriff der schwedischen Truppen vor frommen Bürgern von Überlingen und ermahnte sie zum Durchhalten. Damals gelobte die Bürgerschaft für den Fall, dass die Truppen wieder abziehen, "zu ewigen Zeiten geltend" jährlich mit Prozessionen zu danken. Außerdem versprachen die Überlinger, das " Bildnis der Jungfrau Maria mit ihrem Kinde silbern herstellen zu lassen". Entstanden ist daraus die Schwedenmadonna, die die Prozession anführt.

Die zweimal jährlich stattfindende Schwedenprozession geht auf ein Gelübde der Stadt aus dem 30-jährigen Krieg zurück. Der theologischen Überlieferung nach wurde die Stadt vor einem Überfall durch protestantische Gruppen dank himmlischem Beistand bewahrt. Bild: Stefan Hilser
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Getragen wird sie von den Pfadfindern vom Stamm Paul VI. Die Sternsinger tragen Kreuz, Fahnen, einen Reliquienschrein und kleinere Statuen (Sebastian und Mutter Anna), die Prozession beginnt gegen 9 Uhr.

 

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Vielfach fotografierte Teilnehmer der Schwedenprozession sind die Frauen vom Trachtenbund Überlingen. An der zweiten Prozession im Juli nimmt auch die Schwerttanzkompanie teil, sie werden bei der ersten Prozession im Mai würdig durch die kleinen Buben in Tracht vertreten.

 

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Die Schwedenprozession ist zum einen ein Ausdruck tief empfundener Frömmigkeit, andererseits gelebte Tradition in der ehemals freien Reichsstadt Überlingen und ein folkloristisches Ereignis, das von vielen Besuchern am Wegesrand begleitet wird. Fotografieren und Filmen ist erlaubt.

Dass hier Glaube, Tradition und Volksfest ineinandergreifen, wird auch im Ton deutlich. Zu hören sind gemeinsam gesprochene Gebete, Orgelmusik und Chorgesang, Kirchenglocken, Blasmusik und Böllerschüsse.

Bei der Rückkehr ins Münster ziehen die Trachtenfrauen und die Stadtkapelle, Gemeinderäte und Ministranten in den Chorraum. 

 

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Während sie den Chorraum füllen, überlagern sich alle genannten Töne zu einem großen Klangteppich, und die Gemeinde stimmt "Großer Gott wir loben Dich" an. Manch' gestandenem Besucher läuft dabei ein wohliger Schauer über den Rücken.

Hier im Video hören Sie, wie sich die Klänge überlagern: