Im Fußball liegt Günter Hornstein derzeit klar vor Stephan Stitzenberger. Hornstein jubelt für Gladbach, er steht mit seinem Team auf einem aussichtsreichen fünften Platz der Bundesliga, und Stitzenberger zittert vor dem Abstieg. Mit Blick auf die Begegnung am am 6. Februar zwischen Gladbach und Köln kann man sich also vorstellen, dass Feuer unterm Dach des Polizeireviers ist.

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Rein dienstlich lief die Begegnung zwischen Hornstein und Stitzenberger ohne Reibereien. Die beiden Polizisten duzen sich, und wie man so sagt, übergibt der eine dem anderen ein gut bestelltes Haus.

Was ist los im Revier?

„Hier bei uns ist die Welt noch in Ordnung, ja, das kann man schon so sagen.“ Günter Hornstein blickt auf sein Revier, zu dem auch die Polizeiposten Markdorf, Meersburg und Salem zählen. Sowohl die Kriminalitätsstatistik, als auch das Sicherheitsempfinden der Bewohner liegen auf einem viel günstigeren Niveau als in Ballungszentren.

Günter Hornstein, in Überlingen 1958 geboren, fing als 17-Jähriger beim Bundesgrenzschutz an. Seit 1978, also 42 Jahre lang, arbeitete er bei der Landespolizei.
Günter Hornstein, in Überlingen 1958 geboren, fing als 17-Jähriger beim Bundesgrenzschutz an. Seit 1978, also 42 Jahre lang, arbeitete er bei der Landespolizei. | Bild: Hilser, Stefan

Der scheidende Revierleiter von Überlingen nimmt für sich und seine Mannschaft in Anspruch, dass dieses Ergebnis auch Ergebnis guter Polizeiarbeit ist. „Kommunikation ist für mich das A und O“, sagt Hornstein. „Schwätzä mit d‘ Leit.“ Wobei er mit Blick auf über 40 Jahre Dienstzeit mit Bedauern feststellt, dass vieles immer anonymer werde, und dass über die sozialen Medien ein Druck auf die Beamten entstehe, der die tägliche Arbeit schwerer mache. Auch die Diskussion um Rassismus in der Polizei sei belastend. „Es gibt in der Polizei kein Rassismusproblem“, stellt Stitzenberger klar.

Fünf silberne Sterne: Die Schulterklappe von Günter Hornstein, Erster Polizeihauptkommissar im gehobenen Polizeivollzugsdienst.
Fünf silberne Sterne: Die Schulterklappe von Günter Hornstein, Erster Polizeihauptkommissar im gehobenen Polizeivollzugsdienst. | Bild: Hilser, Stefan

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich durch die Digitalisierung viel verändert, die Menschen seien aggressiver geworden, sagt Hornstein, „respektloser gegenüber staatlichen Stellen“.

Im Gegenzug rüstete die Polizei auf, da man nur mit Worten seltener weit kommt. Tränengas, handliche Schlagstöcke und handlichere Pistolen – zum Einsatz soll jeweils das mildeste Mittel kommen. Dafür sei es gut, so Hornstein und Stitzenberger, dass die persönliche Ausrüstung jedes Beamten besser und flexibler einsetzbar wurde.

Stephan Stitzenberger, 36 Jahre, trat am 1. Dezember seinen Dienst als Leiter des Polizeireviers Überlingen an. Stitzenberger stammt aus Spaichingen.
Stephan Stitzenberger, 36 Jahre, trat am 1. Dezember seinen Dienst als Leiter des Polizeireviers Überlingen an. Stitzenberger stammt aus Spaichingen. | Bild: Hilser, Stefan

„Wie eine Ritterrüstung“

Einsätze wie nach einem Amoklauf seien leider auch immer häufiger. Keiner weiß, wann ein Einsatz wo nötig wird. Doch könne man heutzutage nicht mehr darauf warten, dass ein Spezialeinsatzkommando eintrudelt. Jede Streife vor Ort muss sich auf alle Eventualitäten einstellen, sagt Stitzenberger mit Blick auf die Veränderungen in den letzten Jahren. Eine Schutzausrüstung liegt in jedem Polizeiauto, „wie eine Ritterrüstung“.

Ein goldener Stern: Die Schulterklappe von Stephan Stitzenberger, Polizeirat im höherenim Polizeivollzugsdienst.
Ein goldener Stern: Die Schulterklappe von Stephan Stitzenberger, Polizeirat im höherenim Polizeivollzugsdienst. | Bild: Hilser, Stefan

Ländlich, nicht anonym

Dennoch, wir leben hier am Bodensee in einer vergleichsweise heilen Welt: Die Polizei im ländlichen Raum könne auch deshalb erfolgreicher arbeiten, sagt Hornstein, weil sich das Leben nicht in einem anonymen Raum abspielt, sondern Unregelmäßigkeiten und unrechtmäßiges Verhalten eben besser auffallen und der Polizei angezeigt werden.

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Werdegang von Günter Hornstein

Der neue Chef im Revier

Stephan Stitzenberger sitzt auf Abruf an seinem Schreibtisch im Polizeirevier. Das ist jetzt privat gemeint: Denn er wird in den nächsten Tagen zum dritten Mal Vater und er hat sich für den Moment gewappnet, dass es mit der Geburt los geht.

Beruflich jedoch sieht er sich in Überlingen ganz und gar nicht auf Abruf, sondern er könnte sich vorstellen, mit seiner Familie nach Überlingen zu ziehen und hier heimisch zu werden. Stitzenberger sieht sich eh für die Langstrecke gerüstet. So nahm er schon einmal beim New-York-Marathon teil.

Derzeit wohnen die Stitzenbergers noch in Spaichingen. Dort wuchs der 36-Jährige auf, er ist im Heimatverein seines Ortes engagiert, und er sitzt für die CDU im Gemeinderat.

Beide in der CDU aktiv

Das Mandat im Gemeinderat ist neben der Leidenschaft für Fußball(vereine) noch so eine Gemeinsamkeit, die Hornstein und Stitzenberger teilen. Hornstein sitzt für die CDU im Überlinger Gemeinderat, früher war er zusätzlich als Ortsvorsteher von Nußdorf eingesetzt. Stitzenberger sagt mit Verweis auf die Heimatstadt von Erwin Teufel, dem früheren CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, dass man in Spaichingen gar nicht umhinkomme, sich kommunalpolitisch zu betätigen.

Einsatz bei Anti-Corona-Demo

Einer von Stitzenbergers ersten Einsätzen in Überlingen war bei einer Anti-Corona-Demonstration in Überlingen am 6. Januar mit fast 300 Teilnehmern. Diesen Einsatz leitete er, die Demo verlief durchgehend störungsfrei. Man könne über die Demonstration trefflich streiten, jedoch anderen dazu zu verhelfen, dass sie ihr Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wahrnehmen können, das erfülle ihn mit Zufriedenheit.

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„Die Polizei, Dein Freund und Helfer:“ Diesen Satz nimmt auch Stephan Stitzenberger für sich als Grund und Motivation bei der Berufswahl. „Wenn man der Gesellschaft etwas Gutes tun kann, dann bin ich dabei. Wenn ich das dann sogar noch zu meinem Beruf machen kann, dann bin ich glücklich.“